VonKilian Bäumlschließen
Die Ruinen einer versunkenen Stadt werden zum Touristenmagnet auf den Philippinen. Doch der Anblick ist ein alarmierendes Zeichen des Klimawandels.
Pantabangan – Die philippinische Siedlung Pantabangan, die jahrzehntelang unter Wasser verborgen war, ist nun wieder sichtbar und zieht sowohl Touristen als auch Einheimische an. Der Grund für diese unerwartete Attraktion ist jedoch tragisch: Die Region kämpft mit Dürre und Wasserknappheit.
Die versunkene Siedlung wird durch Dürre enthüllt: Der Wasserstand ist um 50 Meter gesunken
Laut der philippinischen Zeitung The Manila Times wurde in den 1970er Jahren ein Staudamm in der Provinz Nueva Ecija errichtet, was zur Überflutung einer 300 Jahre alten Siedlung führte. Einige Teile der untergegangenen Siedlung, insbesondere Teile einer Kirche und eines Gemeindehauses, sind seit einigen Wochen sichtbar. Die Philippinen leiden seit März unter einer Hitzewelle, die Wissenschaftler auch dem Wetterphänomen El Niño zuschreiben, was Experten tief besorgt. In der letzten Aprilwoche betrug die durchschnittliche Temperatur landesweit 37 Grad Celsius.
Marlon Paladin, leitende Ingenieurin der nationalen Bewässerungsbehörde, erklärte, dass es seit Monaten kaum geregnet hat. Die Ruinen der versunkenen Stadt waren seit ihrer Überflutung sechsmal sichtbar, aber „meiner Erfahrung nach ist dies die längste Zeit, in der sie sichtbar war“, sagte Paladin der französischen Presseagentur AFP. Der normale Wasserstand des Stausees liegt bei etwa 221 Metern und ist laut dem staatlichen Wetterdienst derzeit um fast 50 Meter gesunken.
Laut einer Studie zum Wassermangel könnten solche Ereignisse in Zukunft häufiger auftreten, da die Hälfte der Seen weltweit an Wasser verliert. Auch in Europa macht sich das bemerkbar, so trocknete ein Alpensee völlig aus.
Ehemalige Bewohner besuchen die sonst versunkene Siedlung: „Mein Herz war überwältigt“
Von einer Aussichtsplattform auf dem Staudamm aus können Besucher die Ruinen der Siedlung betrachten. Sie liegt in der Mitte des Sees und kann derzeit auch mit Booten erreicht werden. Eine Bootsfahrt kostet 300 philippinische Pesos (etwa fünf Euro). Aber nicht nur Touristen besuchen die durch die Dürre freigelegte Stadt.
Für den Bau des Staudamms mussten Hunderte von Bewohnern aus der Siedlung evakuiert und in höher gelegene Gebiete umgesiedelt werden. Viele von ihnen kehren nun zurück, um ihre alte Heimat zu besuchen. Eine davon ist die 68-jährige Melanie dela Cruz, die als Jugendliche ihr Zuhause verlassen musste. „Ich wurde emotional, weil ich mich an mein altes Leben dort erinnern konnte“, sagte sie der AFP. „Mein Herz war überwältigt, weil ich dort studiert habe und sogar dort geboren wurde.“
Auch in Europa gibt es immer wieder spektakuläre Entdeckungen unter Wasser. So wurde im letzten Sommer eine 7000 Jahre alte Straße im Mittelmeer entdeckt – ein wahrer Sensationsfund.
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