VonMoritz Bletzingerschließen
Pädagogin Melanie Hauptmanns plädiert bei IPPEN.MEDIA für mehr Budget für Schulen. Und adressiert ein Problem, dem auch der Lehrerverband zustimmt.
Frankfurt – „In den Schulen wird nicht genug getan“, beklagt Pädagogin und Lifecoach Melanie Hauptmanns im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Sie spricht ein leider zeitloses Thema an: Mobbing. Prävention und Betreuung müssen ihrer Ansicht nach in Deutschland verbessert werden.
Gerade Jugendliche zwischen 10 und 21 Jahren seien „extrem gefährdet“ für suizidale Gedanken. Das hänge oft mit Unsicherheiten bezüglich des eigenen Aussehens zusammen – wenn dann noch beleidigende Kommentare dazukommen, wird es für junge Menschen hart.
„An unseren Kindern sparen wir“: Pädagogin fordert Schul-Investitionen von Regierung um Kanzler Merz
„Ich höre Geschichten, da läuft mir ein Schauer über den Rücken – auch heute noch“, erklärt Hauptmanns, die seit 15 Jahren regelmäßig mit Kindern und Schulen arbeitet. „Das Leid ist groß, aber niemand spricht darüber.“ Die Pädagogin will den Schulen dafür keinen Vorwurf machen, fordert von der Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz aber: „Da muss die Regierung Gelder frei machen, damit pädagogische Angebote ankommen. Es gibt aktuell so viele Baustellen und in der Not kommen die Lehrkräfte nicht dazu, andere Themen abzudecken. Für jeden Kram haben wir Geld, aber an unseren Kindern sparen wir.“
„Mit zusätzlichem Geld könnten Schulen beispielsweise ausgebildete Mobbingbeauftragte anstellen, das Problem gibt es an jeder Schule“, erklärt Hauptmanns.
„Nachholbedarf gibt es mit Sicherheit“: Lehrerverbandspräsident begrüßt Vorstoß von Pädagogin
Ganz unbeachtet ist Mobbing an deutschen Schulen natürlich nicht. „Das sind Dinge, mit denen ich beruflich schon ewig zu tun habe. Es ist nicht so, dass das völlig neu wäre“, sagt Lehrerverbandspräsident Stefan Düll. Er räumt allerdings ein: „Schulen mit Nachholbedarf gibt es mit Sicherheit. Ich kann nicht ausschließen, dass einzelne Schulen nicht systematisch mit den vorhandenen Informationen umgehen und von Vorfällen überrascht werden können.“
Düll stimmt Hauptmanns grundsätzlich zu: „Wenn es an einer Schule nicht routiniert geregelt ist, muss gehandelt werden. Frau Hauptmanns möchte offenbar sicherstellen, dass das Thema an allen Schulen ernst genommen wird und damit hat sie vollkommen recht.“
Es geht nicht nur um Mobbing: Schulen in Deutschland brauchen Geld für Betreuung
„Grundsätzlich ist die Thematik noch größer, es geht nicht nur um Mobbing“, merkt Düll, selbst Schulleiter, an. „Es gibt auch Schülerinnen und Schüler mit Depressionen, Essstörungen oder Missbrauchserfahrungen zu Hause. Diese Kinder benötigen persönliche Betreuung bis hin zur Kontaktaufnahme mit Schulberatungsstelle, Jugendamt und Jugendpsychiatrie.“
Diese Betreuung kostet natürlich Geld und kann nur schwer von Lehrkräften neben dem Schul-Alltag gestemmt werden. „Es braucht finanzielle Unterstützung von Land und Kommune für dieses ‚flankierende Personal‘“, fordert der Lehrerpräsident. „Das sind Personen, die sich aus dem Unterricht herausnehmen können oder gar nicht im Unterrichtsgeschehen eingebunden sind. Sie haben Zeit für pädagogische Projekte und persönliche Beziehungsarbeit in Einzelfällen.“
Kleine Schulen und Grundschulen können Betreuungsaufwand oft nicht stemmen
Aber nicht jede Schule verfüge über die Mittel und personelle Ausstattung. Gerade kleinere Schulen und Grundschulen haben laut Düll oft geringere Möglichkeiten. Er sagt: „Die Lage in den Bundesländern und an einzelnen Schulen ist mit Sicherheit sehr unterschiedlich. Die sollte man überprüfen und im Zweifelsfall nachbessern.“
Was ausgebildete Ansprechpersonen für Schülerinnen und Schüler angeht, steht für Düll fest: „Es wäre ideal, wenn jede Schule das hätte. Zusätzliches Geld für flankierendes Personal und Anrechnungsstunden würde mit Sicherheit helfen.“ Anrechnungsstunden bezeichnen in Bayern reduzierte Unterrichtspflichtzeiten für Lehrkräfte, die besondere Aufgaben in der Schule übernehmen. Beispielsweise eben pädagogische Einzelbetreuung.
Probleme an Schulen gehen mit der Zeit: „Regelmäßige Fortbildungen sind absolut notwendig“
Einen Anti-Mobbing-Plan, der regelt, wer in welchem Fall eingeschaltet wird, haben die meisten Schulen laut Düll. Alle sollten ihn haben. Jedoch muss der immer wieder geprüft werden. „Mobbing erfährt aktuell Veränderungen durch den Einfluss des Internets. Wenn früher jemand etwas Beleidigendes oder Verletzendes oder Gerüchte an eine Wand gekritzelt hat, schreibt er es heute irgendwo ins Netz oder in den Klassenchat“, sagt Düll. Er hält fest: „Regelmäßige Fortbildungen sind absolut notwendig. Es kann immer etwas Neues laufen, gerade auch im Netz.“ Und auch diese Fortbildungen kosten selbstverständlich Geld. (moe)
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