VonCarolin Gehrmannschließen
Ein Klimaforscher warnt vor „Steppenklima“ in Mitteleuropa. Hitze, Trockenheit und Dürre könnten „das neue Normal“ beim Wetter in Deutschland werden.
Bremen – 36 Grad und es wird noch heißer? Ja, das wird es. Zumindest geht der Klimaforscher und Meteorologe Karsten Brandt davon aus. Temperaturen von „43 bis 45 Grad im Sommer“ könnten bald schon normal beim Wetter in Deutschland werden. Ausnahmetemperaturen, wie wir sie in der derzeitigen Hitzewelle durch das Hoch „Oscar“ erleben, könnten also zur Regel werden – und das wesentlich schneller als erwartet.
Experte erwartet Trockenheit und Dürre: „Steppensommer“ – mit 43 bis 45 Grad in Deutschland leben müssen
„Wir sind mitten im Klimawandel“, erklärte Brandt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Da kann ich nur sagen: ‚Guten Morgen! Wir sind im Steppensommer angekommen.‘ Das ist auch das, was die Klimamodelle zeigen.“ Auch er hatte zwar die Hoffnung vieler Menschen geteilt, dass Deutschland und Mitteleuropa durch die relativ nördliche Lage etwas geschützt seien – doch die Zuversicht hat ihn angesichts der aktuellen Entwicklung verlassen. „Es kommt jetzt doch schneller und kräftiger als erwartet. Das ist ein Steppenklima”, sagt er.
Trockenheit und Dürre gehören zum neuen „Steppenklima“ beim Wetter in Deutschland
Dieses zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: Extreme Trockenheit durch ausbleibenden Regen und hohe Wassertemperaturen in Gewässern – deren Pegel derweil im Rekordtempo sinken. Darunter leide das gesamte Ökosystem – es kommt zu Fischsterben und mehr. Auch Wälder und Landwirtschaft sind von der extremen Dürre durch das Wetter in Deutschland betroffen – genau wie die Industrie, die auf intakte Gewässer zum Transport und zur Kühlung angewiesen sind.
„Bei Hitze ist klar, dass es so weitergeht wie in den letzten Jahren“, sagt auch Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zur Entwicklung des Wetters in Deutschland. Der Experte ist sich sicher: „40 Grad in Deutschland werden zur Regel“, wie ihn der Stern zitiert. Temperaturen, die wir aktuell noch als „Hitzewelle“ bezeichnen, werden also schon bald kein Ausnahmezustand mehr sein.
Wetter: Rekordhitze und extreme Trockenheit – Schlimmste Dürre in Europa seit 500 Jahren
Das gemeinsame Forschungszentrum der EU EC-JRC warnt ebenfalls vor dramatischen Entwicklungen beim Wetter in Deutschland und Europa: Demnach steuert Europa beim Wetter aktuell auf eine der größten Dürren seit 500 Jahren zu. Das Jahr 2022 sei nach Einschätzungen des dort forschenden Dürre-Experten Andrea Toreti in Sachen Trockenheit noch gravierender als das bisherige Rekordjahr 2018, wie Euronews berichtet. Toreti befürchtet, dass die extreme Trockenheit schon bald bis zu 47 Prozent von Europa betreffen könnte.
In den vergangenen zwei Monaten habe es in West- und Zentraleuropa kaum signifikante Regenfälle gegeben. In absehbarer Zeit sei dies auch nicht zu erwarten. Damit sei das Risiko für Trockenheit laut Toreti also weiterhin hoch. Die Folgen davon sind jetzt schon zu spüren: Rekordniedrigwasser in Flüssen und Stauseen sowie verheerende Waldbrände in ganz Europa – auch in Regionen, in denen es dieses Risiko zuvor nicht gab.
Hitze in Deutschland: Aktueller Rekord – längste Hitzewelle des Jahres erwartet
Und die derzeitige Hitze will offenbar einfach kein Ende nehmen. In Deutschland steuern wir mit den aktuellen Temperaturen über 30 Grad wohl auf die wahrscheinlich längste Hitzewelle des Jahres zu – wenn auch nicht auf die heißeste. In der kommenden Woche strömen gleichzeitig Sahara-Luft sowie heiße Luftmassen aus Zentralasien und Osteuropa zu uns ein, wie der Meteorologe Jan Schenk im Weather Channel erklärt, wodurch sich die Hitze aller Voraussicht nach länger halten wird als bisher.
Der Sommer 2022 war bislang eher durch kurze, heftige Hitzeschübe geprägt, die schnell wieder nachließen. Von einer Hitzewelle spricht man allgemein erst, wenn die Extremtemperaturen mindestens drei Tage andauern. Ungewöhnlich ist in diesem Jahr allerdings, dass die sonst für deutsche Sommer typischen Gewitter und Regenschauer in ihrer Häufigkeit bisher ausgeblieben sind, wie der Focus schreibt.
Nach der Hitzewelle in Deutschland: Unwetter und Starkregen erwartet
Die aktuellen hochsommerlichen Temperaturen, die sich von Finnland bis nach Portugal erstrecken, werden bei uns voraussichtlich noch mindestens bis kommenden Mittwoch, den 17. August, bleiben. Ab der kommenden Woche zeichnet sich laut Prognosen ein Wettermuster ab, wie wir es für diese Jahreszeit eher gewohnt sind: Es wird zwar heiß, aber es soll auch Starkregen geben. Ab Mittwoch steigt dann überall die Unwettergefahr an. Es soll ab Donnerstag voraussichtlich zu Gewittern mit starken Niederschlägen kommen, teilweise werden sogar Sturmböen erwartet.
So dramatisch das auch klingt: Eigentlich ist diese Wetterlage für unsere Region im Sommer normal – zumindest noch. Starke Hitze wird in unseren Breiten meist durch Gewitter beendet. Doch angesichts der drastischen Prognosen der Klima- und Dürre-Forscher könnte unser „Normal“ in Deutschland schon bald ein ganz anderes sein.
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