Maßnahmen erforderlich

Santorini-Erdbeben: Gefahr sorgt für „Warnstufe Rot“ in fünf Bereichen

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Es ist nicht zu erwarten, dass in den folgenden Tagen heftige Erdstöße Santorini treffen. Dennoch sind fünf Bereiche der Insel besonders im Fokus.

Fira – Santorini hat das Schlimmste wohl erst einmal hinter sich. Rund 550 Erdbeben erschütterten die griechische Inselgruppe. Die Lage bewegte etliche Bewohnerinnen und Bewohner dazu, die bei Reisenden so beliebte Insel zu verlassen.

Costas Papazachos, Professor für Geophysik und Seismologie, sagte nun der Athener Zeitung Kathimerini zufolge, dass ein stärkeres Erdbeben nicht auszuschließen sei. Er fügt aber auch an: „Die Szenarien scheinen besser zu sein, da das verbleibende Gebiet kleiner ist und wir uns auf ein günstigeres Szenario zubewegen.“

Erdbeben auf Santorini: Mitsotakis „heute optimistischer als gestern“

Dem Experten zufolge sollen sich die Menschen auf der Insel möglichst ruhig verhalten. Das unterstreicht demnach auch Evi Nomikou, Professorin im Fachbereich Geologie und Geoenvironment der Universität Athen: „Wir wissen sehr genau, was passiert. Wir erstellen tektonische Karten, die bestätigen, dass die aktuellen Epizentren viel weiter vom Epizentrum von 1956 entfernt sind.“ Damals musste infolge eines Seebebens und mehrerer Nachbeben ein Dorf vorübergehend aufgegeben werden.

Bebt die Erde bald wieder? Die markierten Bereiche auf Santorini könnten durchaus nochmal durchgeschüttelt werden.

Über die aktuelle Lage knapp 70 Jahre später ließ sich auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis im Ministerium für Klimakrise und Katastrophenschutz unterrichten. Danach betonte der Regierungschef: „Ich bleibe bei der etwas ermutigenden Aussage von Professor Papazachos, dass wir heute optimistischer sind als gestern.“ Allerdings könne er keinerlei Vorhersagen machen. Bei IPPEN.MEDIA gaben Expertinnen und Experten eine Einschätzung, wie groß die Gefahr eines Vulkanausbruchs auf der Insel ist.

Erdbeben zermürben Santorini: Jetzt steigt Erdrutschgefahr – „Alarmstufe Rot“ für fünf Gebiete

Für eine komplette Entwarnung ist es ohnehin zu früh. Das gab Efthymios Lekkas, Präsident der Organisation für erdbebensichere Planung und Absicherung (OASP), im TV-Sender Skai bekannt.

Gefährdete Bereiche: Auf Santorini ist die Gefahr vor weiteren Erdbeben noch nicht gebannt.

Außerdem leidet die Insel unter den ständigen Erdbeben. Die Folge: Mancherorts hat sich die Gefahr für Erdrutsche verstärkt. „Alarmstufe Rot“ gilt nun für fünf Gebiete. Sie wurden als gefährdet eingestuft, sofortige Maßnahmen seien erforderlich.

Konkret handelt es sich dabei um:

  • Den alten Hafen der Hauptstadt Fira
  • Den Hafen von Athinios im Südwesten
  • Das Straßennetz in Ormos
  • Oia im Norden mit Schwerpunkt auf den Gebieten von Ammoudi und Armeni
  • Die westlich gelegene Insel Thirasia, wobei es um die Siedlung Korfos und den stromaufwärts gelegenen Teil geht

Erdbeben-Gefahr auf Santorini: Experte verweist auch auf große Anzahl an Menschen

Lekkas nannte Santorini den „vielleicht schönsten Ort der Erde“. Das erklärte er einerseits mit der acht mal elf Kilometer umfassenden Caldera – einer kesselförmigen Struktur vulkanischen Ursprungs. Andererseits mit einem Vulkanausbruch vor 3500 Jahren, der sich parallel zu den Prozessen des Vulkans entwickelnden Kultur und der einzigartigen natürlichen und bewohnbaren Umgebung. Die idyllische Insel war schon immer eine Gefahrenzone.

550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini

Blick auf Santorin am Dienstag (4. Februar 2025).
Kurz vor fünf Uhr Ortszeit wurden die Menschen auf Santorini am Dienstag (4. Februar 2025) von einem Erdbeben der Stärke 4,9 geweckt. Das Zentrum lag rund 30 Kilometer im Ägäischen Meer, teilte das Geodynamische Beobachtungsinstitut in Athen mit.  © ARIS MESSINIS/afp
Erdbeben auf Urlaubsinsel Santorin: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Erdbeben, berichten Medien. Fähre und Flugzeuge sind ausgebucht.
Die griechische Urlaubsinsel Santorini wurde seit Anfang Februar von über 200 Erdbeben heimgesucht: Menschen flüchten aus Sorge vor einem schweren Hauptbeben, berichten Medien. Fähren und Flugzeuge sind ausgebucht.  © Petros Giannakouris/dpa
Am Hafen von Santorin warten Menschen mit ihren Autos um an Bord einer Fähre nach Athen zu gelangen.
Tickets für die Fähren nach Athen sind fast ausgebucht, berichten griechische Medien. Am Hafen von Santorin bilden sich am Montag (3. Februar) Warteschlangen.  © Petros Giannakouris/dpa
Erdbeben auf Santorin zwingt Einwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.
Das Erdbeben auf Santorin zwingt Anwohner zur Flucht: Menschen warten am Hafen, um mit einer Fähre die griechische Insel zu verlassen.  © Petros Giannakouris
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.
Warteschlange vor den Reisebüros: Viele Menschen versuchen am Montag (3. Februar 2025) ein Ticket für die Fähre nach Athen zu ergattern.  © Petros Giannakouris
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.
Aus Angst vor einem starken Erdbeben verließen bis Dienstagmorgen (4. Februar) rund 6000 Menschen die Insel im Ägäischen Meer. Davon waren 4640 an Bord von vier Fähren Richtung Festland.  © IMAGO/One Inch Productions
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.
Flucht von der Insel Richtung Festland: Stoßstange an Stoßstange warten Autos, um an Bord einer Fähre zu gelangen.  © IMAGO/One Inch Productions
Fira
Idylle in Angst: Auf Santorini fürchten die Menschen eine Naturkatastrophe.  © picture alliance / Angelos Tzortzinis/dpa
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert.
Ein Erdbeben der Stärke 4,9 wurde am 3. Februar 2025 vor Amorgos registriert. Das Epizentrum liegt in einer Tiefe von 10,5 Kilometern, teilt das Institute of Geodynamics Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Erdbeben-Karte aus Griechenland zeigt Beben in den vergangenen 24 Stunden.
200 Erdbeben wurden seit Sonntag (2. Februar 2025) in der Region verzeichnet, teilte das Institut für Geodynamik des Nationalobservatoriums von Athen mit.  © Screenshot Institute of Geodynamics Athen
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.
Staubwolken wirbeln an den felsigen Klippen auf. Stein- und Geröllmassen stürzen am Montag (3. Februar) ins Meer.  © ARIS MESSINIS/afp
Die Erde bebt auf Santorin und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.
Die Erde bebt auf Santorini und bringt Geröllmassen ins Rutschen. Behörden fordern die Bevölkerung auf, sichere Routen zu wählen.  © ARIS MESSINIS/afp
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.
Das Notfall-Protokoll läuft an: In Zelten auf einem Basketballplatz sollen Rettungskräfte der Feuerwehr untergebracht werden.  © Petros Giannakouris/dpa
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.
Trauminsel Santorin in Alarmbereitschaft: Seit dem 24. Januar 2025 erschüttern Erdbeben die Region.  © ARIS OIKONOMOU/afp
Erdbeben und Vulkanausbruch im Ägäischen Meer am 11.07.1956.
Rückblick mit Schrecken: Zwei Bewohner gehen über Trümmer von Wohnhäusern durch eine kleine, völlig verwüstete Ortschaft auf der Insel Santorini am 12.07.1956. Ein heftiges Erdbeben erschütterte weite Gebiete des Ägäischen Meeres. © dpa
Blick auf Santorin
Santorin gehört zur Inselgruppe der Kykladen in der Ägäis im östlichen Mittelmeer. Auf der Insel leben dauerhaft 15.500 Menschen.  © IMAGO
Santorini Blick aufs Meer
Rund um Santorini befinden sich neben einem spektakulären Krater des Vulkans der Insel auch andere Vulkane unter der Meeresoberfläche sowie jene tektonischen Platten, die durch ihre Bewegungen starke Erdbeben verursachen können.  © IMAGO/One Inch Productions
Santorin: Touristen schützen sich mit einem Regenschirm vor der Sonne in den Gassen
Die griechische Insel ist bei Urlaubern beliebt. Allein im Jahr 2023 kamen 3,4 Millionen Touristen nach Santorin.  © IMAGO/Michael Bihlmayer

Es sei daher von Bedeutung, sich mit dem Risiko von Erdrutschen zu befassen, „das die einzigartigen Hänge der Caldera ständig prägt. Das Risiko ist fast auf der gesamten Länge der Hänge der Caldera von Santorini hoch, aber das ist es auch, da sich an diesen Orten mindestens acht Monate im Jahr eine große Anzahl von Menschen aufhält.“ Lekkas zufolge sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier einig. (mg)

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