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Orca-Angriffe häufen sich: Ein französischer Segler filmte eine Attacke auf sein Segelboot, während die Wissenschaft über die Gründe des Verhaltens rätselt.
Cabo de São Vicente – Vor der Südküste von Portugal ereignete sich erneut ein Orca-Angriff auf ein Segelboot. Ein französischer Segler filmte die Interaktion mit den Schwertwalen, die innerhalb weniger Momente das Ruder seines Bootes zerstörten. Seit Monaten häufen sich Berichte über Orca-Attacken vor den Küsten Spaniens und Portugals sowie in der Straße von Gibraltar. Die genauen Gründe sind noch unklar – doch es gibt Hypothesen.
Erneut Orca-Attacke auf Segelboot vor der Küste Portugals – Ruder „innerhalb einer Minute zerstört“
Der Franzose Phep Philouceros war vor der Küste des südportugiesischen Kaps Cabo de São Vicente auf dem Weg nach Nordfrankreich unterwegs, als fünf Orcas sich seinem Segelboot näherten, wie Insider berichtete. Der 70-Jährige filmte das Verhalten der Schwertwale: Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie zwei der Tiere das Heck rammen, wobei das Boot laut dem britischen Nachrichtensender SWNS beschädigt wurde.
Das Ruder zerstörten die Killerwale „innerhalb einer Minute“, wie der Segler sagte. Manövrierunfähig ob der fehlenden Steuerung alarmierte der Mann die Rettungsdienste, die innerhalb von rund 15 Minuten eintrafen.
Orca-Angriff auf Segelboot: Spielereien der Schwertwale – „Waren etwa sechs oder sieben Meter lang“
Das Segelboot wurde von den Rettern zur nächstgelegenen Stadt Sagres ans Ufer geschleppt. Während der rund 30-minütigen Fahrt ließen die Tiere weiterhin nicht von dem Boot ab, berichtete Philouceros den Medien. Der französische Segler glaubt aber nicht an eine bösartige Attacke, sondern an Spielereien von Jungtieren.
„Sie waren etwa sechs oder sieben Meter lang. Es waren weder Erwachsene noch Babys. Wenn die Orcas das Boot wirklich hätten versenken wollen, hätten sie es leicht tun können. Ich glaube nicht, dass das ihre Absicht war“, sagte der 70-Jährige laut Insider. Obwohl stets von „Attacken“ die Rede ist, sprechen auch Forscher lieber von „Interaktionen“, da der genaue Grund für das Verhalten der Tiere nicht klar ist.
Orca-Attacken auf Boote häufen sich
Segler können weiterhin in See stechen. Denn statistisch gesehen sind Orca-Angriffe weiterhin selten. Allerdings stellten Forscher zuletzt fest, dass die Angriffe häufiger als früher vorkommen. Von 52 im Jahr 2020 stieg die Zahl der Angriffe laut Guardian auf 207 im vergangenen Jahr.
Allein seit Mai gab es laut Daten der Cruising Association in diesem Jahr bereits 23 Berichte über Orca-Attacken auf Boote in den Gewässern von Portugal, Spanien und der Straße von Gibraltar. Während des Segelrennens „Ocean Race“ etwa hatten sich mehrere Wale einem Segelboot genähert und auch bei der diesjährigen Mallorca-Segelregatta Copa del Rey gab es mehrere Angriffe, das Boot „Corsario“ wurde erheblich beschädigt.
Zunehmende Orca-Angriffe geben Forschern Rätsel auf – Wale wollen nur spielen
Forscher versuchen, die Gründe für das Verhalten der Meerestiere herauszufinden. Einige, wie der Präsident der Umweltschutz-Organisation Circe, Renaud de Stephanis, sind davon überzeugt, dass die Killerwale nur spielen wollen. Der Biologe Alfredo López von der Organisation GT Orca Atlántica meint derweil, es könne sich auch um die Reaktion auf ein negatives Erlebnis mit einem Schiff handeln.
Möglich sei aber auch, dass die hochintelligenten Tiere aus der Familie der Delfine für sich einfach „etwas Neues erfunden“ hätten. Die Theorie des negativen Erlebnisses unterstützt indes auch der Biologe Dan Olsen der North Gulf Oceanic Society. „Ich glaube, alles fing damit an, dass ein Weibchen oder sein Kalb durch den Kontakt mit dem Ruder eines Bootes verletzt wurde, denn das Ruder ist immer Ziel der Attacken. Außerdem sind ausschließlich Segelboote betroffen“, so Olsen zu National Geographic. (bme/dpa).
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