Simbabwe liegt im Süden von Afrika. Der Name des Landes bedeutet übersetzt „Steinhäuser“ und geht auf eine Ruinenstätte aus vorkolonialen Steinbauten zurück. Die Republik hieß bis zu ihrer Unabhängigkeit im Jahre 1980 noch Südrhodesien.
- Simbabwe war einst Teil der britischen Kolonie Rhodesien.
- Der einstige Freiheitskämpfer Präsident Robert Gabriel Mugabe führte das Land in eine Diktatur.
- Das Gebiet galt lange Zeit als die „Kornkammer Afrikas“.
Harare – Mit einer Gesamtfläche von gut 390.000 Quadratkilometern ist Simbabwe etwa so groß wie Deutschland und Belgien zusammen. Der Staat blickt im 20. Jahrhundert auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Es war einst britische Kolonie und musste sich den Weg in die Unabhängigkeit blutig erkämpfen. Doch mit Präsident Mugabe schlug das Land einen diktatorischen Kurs ein. Bis heute gilt die politische Situation aus demokratischer Sicht als fragil und fragwürdig.
Simbabwe: Frühgeschichte und europäischer Einfluss
Schon vor über 2000 Jahren lebten auf dem Gebiet des heutigen Simbabwe die Khoisan – ein steinzeitliches Volk aus Jägern und Sammlern. Um die Zeitenwende wurden sie zunehmend von den Bantu-Völkern verdrängt, die Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Diese errichteten ab dem 12. Jahrhundert das Karanga-Reich, das etwa 300 Jahre lang existierte und von dem noch heute die Ruinen von Groß-Simbabwe zeugen.
Ab dem 15. Jahrhundert kämpften islamische und portugiesische Händler um ihre Stellung in dem Gebiet. Im 17. Jahrhundert breiteten sich die Nguni-Völker weiter aus. Die Portugiesen sicherten sich unterdessen ihre Stellung an der Küste von Mosambik und unterbanden den Swahili-Handel. Im 19. Jahrhundert drangen immer mehr Europäer in das heutige Simbabwe vor – darunter auch viele britische Missionare. Die ersten Goldfunde sorgten zudem erhöhtes Interesse bei den Kolonialmächten.
Simbabwe: Britische Kolonie Südrhodesien
1888 sicherte sich der britische Unternehmer Cecil Rhodes vertraglich mit dem Stamm der Ndebele die alleinigen Schürfrechte für Gold in der Region. Ein Jahr später wurde hierfür die Handelsgesellschaft BSCA (British South African Company) ins Leben gerufen, die das Land nicht nur verwaltete und dessen Infrastruktur ausbaute, sondern in den Folgejahren immer mehr unterwarf. So entstand auf dem Gebiet der Shona und Ndebele die britische Kolonie Rhodesien. Bald schon kam es zu Auseinandersetzungen mit den heimischen Volksstämmen, die jedoch mit militärischer Gewalt zurückgedrängt wurden.
1911 wurde die Kolonie in Nord- und Südrhodesien (heute Sambia und Simbabwe) geteilt, was blutige Kämpfe zwischen den Briten und der Bevölkerung nach sich zog – vor allem, weil die einheimische Bevölkerung unterdrückt und zur Arbeit in den Minen gezwungen worden war. 1923 entschied das Vereinigte Königreich, Südrhodesien in eine selbstverwaltete Kolonie umzuwandeln. Ein Landgesetz aus den 1930er Jahren sorgte zudem für die Enteignung schwarzer Farmer und sicherte den weißen Landbesitzern weitere Vorteile.
Simbabwe: Der Weg in die Unabhängigkeit und das Mugabe-Regime
Das Streben der unterdrückten Bevölkerung nach Unabhängigkeit war groß, aber mühselig. Ein Versuch, sich 1965 für unabhängig zu erklären, wurde von der britischen Regierung nicht anerkannt. Es folgte ein blutiger und grausamer Guerillakrieg, der bis 1979 anhielt. Erst 1980 wurde das Land offiziell in die Unabhängigkeit entlassen, Südrhodesien wurde in Simbabwe umbenannt und der Freiheitskämpfer Robert Gabriel Mugabe wurde Ministerpräsident und später Staatsoberhaupt.
Allerdings führte der sozialistisch geprägte Weg Mugabes immer mehr in eine Diktatur. Die Folge waren nicht nur Intransparenz und Korruption, ab den 2000er Jahren war seine Herrschaft auch stark geprägt von Hungersnöten und Menschenrechtsverletzungen. Dies führte dazu, dass Simbabwe auch aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen wurde. Nach einem Militärputsch im Jahr 2017 wurde Mugabe (der zwei Jahre später starb) von seinem Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa ersetzt. Dieser versprach wirtschaftliche Besserung im Lande, ging jedoch brutal gegen Regierungskritiker vor. Nach wie vor ist die wirtschaftliche, demokratische und soziale Situation des Landes desolat.
Simbabwe: Das politische System
Seit einem Verfassungsreferendum im März 2013 ist Simbabwe eine präsidentielle Republik. Der Präsident ist das Staatsoberhaupt und wird auf fünf Jahre vom Volk gewählt. Er kann nur einmal wiedergewählt werden. Die Legislative umfasst ein Zweikammersystem: Die Nationalversammlung (House of Assembly) mit 270 Abgeordneten und der Senat mit 80 Mitgliedern. Die Judikative des Landes liegt beim Obersten Gerichtshof von Simbabwe.
Obwohl laut FSI (Fragile States Index) und Demokratieindex Simbabwe in den letzten Jahren leichte Verbesserungen zu verzeichnen hat, hält sich die Entwicklung immer noch auf einem niedrigen Niveau. Nach wie vor sind Menschenrechtsverletzungen zu beobachten und Homosexualität wird unter Strafe gestellt. Durch Mugabes destruktive Politik ist der außenpolitische Dialog zum Westen zum Erliegen gekommen. Infolgedessen ging Simbabwe verstärkt Partnerschaften mit der Volksrepublik China, Russland und den Iran ein.
Simbabwe: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Harare
- Amtssprache: Chewa, Chibarwe, Englisch, Kalanga, Khoisan, Nambya, Ndau, Nord-Ndebele, Shangani, Shona, Gebärdensprache, Sotho, Tonga, Tswana, Venda, Xhosa
- Fläche: 390.757 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 16,5 Millionen (Stand 2017)
- Währung: Simbabwe-Dollar (ZWL)
- Verwaltungsgliederung: 8 Provinzen, 2 Metropolregionen
- Religion: Christentum
Simbabwe: Sprachen und Bevölkerung
In Simbabwe leben mehr derzeit als 16,5 Millionen Menschen, von denen die Bevölkerungsgruppe der Shona mit rund 70 Prozent den größten Anteil stellt. Die zweitgrößte Gruppe bilden mit 13 Prozent die Ndebele – ein Volk, das sich von den Zulu abgespalten hat. Ferner existieren noch weitere Volksgruppen wie die Chewa, die Tonga, die Tsonga oder die Venda. Von der weißen Bevölkerung, die sich im ab dem 19. Jahrhundert hier angesiedelt hatte, ist nur noch ein Bruchteil vorhanden. Ausschlaggebend war auch die Abwanderung weißer Siedler ab den 1980er Jahren und Mugabes Landreform, welches viele weiße Farmbesitzer enteignete und das Land wirtschaftlich ruinierte.
Erstaunlich ist, dass Simbabwe seit der Verfassungsänderung von 2013 gleich 16 Sprachen zu offiziellen Amtssprachen erklärt hat. Zuvor war Englisch alleinige Amtssprache. Nun haben auch Chewa, Chibarwe, Kalanga, Khoisan, Nambya, Ndau, Nord-Ndebele, Shangani, Shona, Sotho, Tonga, Tswana, Venda, Xhosa und die Gebärdensprache gleichberechtigten Status.
Simbabwe: Geografie und Städte
Als Binnenstaat hat Simbabwe keinen Zugang zum Meer. Es grenzt an die Nachbarländer Südafrika (im Süden), Sambia (im Nordwesten), Botswana (im Südwesten) und Mosambik (Nordosten). Das Land liegt größtenteils auf einer Hochebene (dem sogenannten Highveld), die von einer Trockensavanne durchzogen ist. In den letzten Jahren sind auch hier die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher spürbar. Die Niederschläge sind stark zurückgegangen und die Dürre- und Hitzeperioden haben stark zugenommen. So kam es 2015/16 zu einer schweren Dürrekatastrophe. Die Hauptstadt ist Harare.
Der Staat selbst gliedert sich acht Provinzen, die sich wiederum in 59 Bezirke und 1.200 Gemeinden teilen. Hinzu kommen noch zwei Metropolregionen mit Provinzstatus – dazu zählen Greater Harare mit zwei angrenzenden Städten und Bulawayo.
Die größten Städte Simbabwes im Überblick
- 1 Harare: 1.485.231 Einwohner, Region Provinz Harare
- 2 Bulawayo: 653.337 Einwohner, Region Provinz Bulawayo
- 3 Chitungwiza: 356.840 Einwohner, Region Provinz Harare
- 4 Mutare: 187.621 Einwohner, Region Manicaland
- 5 Epworth: 167.462 Einwohner, Region Provinz Harare
- 6 Gweru: 157.865 Einwohner, Region Midlands
- 7 Kwekwe: 100.900 Einwohner, Region Midlands
- 8 Kadoma: 92.469 Einwohner, Region Mashonaland West
- 9 Masvingo: 87.886 Einwohner, Region Masvingo
- 10 Chinhoyi: 77.929 Einwohner, Region Mashonaland West
Simbabwe: Wissenswertes zum Land
Simbabwe galt einst als die „Kornkammer Afrikas“. Auf den fruchtbaren Böden wurden vor allem Mais, Soja, aber auch Baumwolle, Erdnüsse und Tabak angebaut. Als Mugabe im Jahr 2000 das Landgesetz von 1930 rückgängig gemacht hatte und so das Land den weißen Farmern nahm und der einheimischen Bevölkerung übergab, hatte dies fatale Folgen für die Wirtschaft. Grund war mitunter, dass die „neuen“ Bauern von der Bewirtschaftung kaum Ahnung hatten. So mussten bald schon Lebensmittel aus anderen Ländern eingeführt werden. Auch der Bergbau hatte große Rückschritte zu verzeichnen.
Da sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert hat, leben inzwischen fast drei Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Selbst eine Währungsreform im Jahr 2009 brachte nur einen kurzzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich. Allerdings profitierten nur größere Unternehmen davon. Auf der Suche nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen wandern nach wie vor viele Menschen ins Ausland ab.