„Tier-Pandemie“

Sterblichkeit über 50 Prozent beim Menschen – WHO besorgt wegen Vogelgrippe-Ausbruch

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Beim Vogelgrippe Subtyp H5N1 ist eine Ausbreitung auf immer mehr Tierarten zu beobachten. Das Virus nähert sich auch dem Menschen. Ein Experte ist besorgt.

Frankfurt – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm, da der Vogelgrippe-Erreger H5N1 sich auf immer mehr Tierarten ausbreitet. Neuerdings sind auch Rinder und Ziegen betroffen. Kürzlich infizierte sich eine Person in den USA durch den Kontakt mit Milchvieh mit dem Virus. Jeremy Farrar, der Chef-Wissenschaftler der WHO, wies darauf hin, dass das Virus durch den Befall von Säugetieren „den Menschen näher“ komme. So erklärte er es am Donnerstag (18. April) in Genf.

„Enorme Besorgnis“: Vogelgrippe Virus betrifft auch Säugetiere

Das Virus habe sich laut Farrar zu einer globalen „Tier-Pandemie“ entwickelt. Dass H5N1 nun auch Säugetiere an Land und im Meer infiziert und nicht mehr nur Vögel, rechtfertige „enorme Besorgnis“. Zu den kürzlich neu betroffenen Arten, zählten für Experten überraschend, Kühe und Ziegen.

Der Vogelgrippe-Erreger H5N1 breitet sich unter immer mehr Tierarten aus.

Im April erregte die Erkrankung eines US-Bürgers im Bundesstaat Texas ebenfalls Aufmerksamkeit. Dieser hatte sich bei Milchvieh angesteckt, was die WHO als die vermutlich erste H5N1-Infektion eines Menschen durch ein Säugetier einstufte. Zuvor hatten sich Viehherden in mehreren US-Bundesstaaten durch Wildvögel mit dem Virus infiziert.

Hohe Letalität des Virus: 52 Prozent der an H5N1 erkrankten starben

Mit der Ausbreitung von H5N1 nähert sich das Virus auch dem Menschen. Dabei weist die Krankheit eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Seit 2003 bis zum 1. April 2024 haben sich weltweit 889 Menschen infiziert, von denen 463 starben. Das entspricht einer Letalitätsrate von 52 Prozent.

Was versteht man unter der Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe stellt eine durch Influenza A-Viren verursachte Krankheit bei Vögeln dar, die ebenfalls Menschen infizieren kann. Eine Übertragung von Tieren auf Menschen ist selten, kann jedoch geschehen, und in solchen Fällen verläuft die Krankheit häufig schwer. Bisher gibt es global keine Belege für eine Übertragung von Mensch zu Mensch. H5N1 ist ein spezifischer Subtyp der Vogelgrippe.

(Quelle: RKI)

Infektionsgeschehen: Es muss beobachtet werden, wie viele Menschen sich infizieren

Farrar appelliert, das Infektionsgeschehen sorgfältig zu verfolgen. Er betont, dass nationale und regionale Gesundheitsbehörden die Fähigkeit besitzen sollten, das Virus zu identifizieren, um im Falle einer Übertragung von Mensch zu Mensch rasch handeln zu können. Zudem sei es essenziell, dass allen Menschen Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten gegen H5N1 gewährt wird, deren Entwicklung bereits begonnen hat. Durch die genaue Beobachtung des Infektionsverlaufs könne festgestellt werden, wie viele Menschen bereits infiziert sind. Dies seit wichtig, „weil dort die Anpassung (des Virus) passieren wird“, so Farrar.

Auch das Robert Koch-Institut RKI informiert auf seiner Website bereits über die neuen Entwicklungen mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1. Das Risiko für eine Ansteckung sei jedoch gering: „Das Risiko, dass sich Menschen durch den Kontakt mit erkrankten/verendeten Säugetieren (wild, streunend oder als Haustier gehalten) mit Vogelgrippe-Viren infizieren, wird als gering eingeschätzt“, so das RKI. (kal/AFP)

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