Krisensitzung mit Tierschutzverbänden

Nach tödlicher Bären-Attacke im Trentino: Italien zieht Sterilisation für Bärinnen in Erwägung

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Die italienische Regierung ist nach der tödlichen Bärenattacke alarmiert – nun hält der Umweltminister eine Sterilisation für Bärinnen für möglich.

Caldes – Etwa 10 Tage nachdem ein 26-jähriger Jogger in Norditalien einem Bären zum Opfer gefallen war, wurde die Problembärin Gaia geschnappt und befindet sich seither in einem italienischen Tierschutzzentrum. Laut dpa-Informationen ordnete der Regionalpräsident Maurizio Fugatti daraufhin an, das Tier zu erlegen – auch 70 weitere Bären stehen vor dem Abschuss. Von Enpa, Legambiente und anderen italienischen Tier- und Umweltschutzverbänden hagelt es dafür Kritik. Sie konnten sich zu einer Krisensitzung mit italienischen Politikern durchringen. Bei der am 26. April stattfindenden Versammlung wurde unter anderem eine Sterilisation für Bärinnen diskutiert.

Darum zieht Italien eine Sterilisation für Bärinnen in Erwägung

Es ist ein tragisches Jahrhundertereignis, das aktuell Italien und die ganze Welt beschäftigt. Zum ersten Mal seit 150 Jahren hat ein Bär in Italien einen Menschen getötet, bestätigt die Umweltschutzorganisation Legambiente. Doch auch schon vorher ist es in Norditalien zu gefährlichen Zwischenfällen mit Bären gekommen – zuletzt wurde 2020 ein Polizist von einem Bären attackiert. Daraus ergeben sich für die Politik folgende Herausforderungen:

  • Sicherheit der Bevölkerung bewahren: Tödliche Bärenangriffe könnten sich in Zukunft wiederholen
  • Tierrechte berücksichtigen: Tierrechtler protestieren gegen Abschuss von Bären
  • Überpopulation eindämmen: Überschuss von etwa 60 wildlebender Bären in der Provinz Trentino

Um die Population in den Griff zu bekommen, gebe es neben der Bären-Tötung noch mehr Optionen, bekräftigen Tierschützer und Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin. Laut der Austria Presse Agentur (apa) habe sich Fratin für eine Sterilisation für Bärinnen ausgesprochen. Diese würde die Geburtenkontrolle ohne Abschüsse ermöglichen und zudem das aggressive Verhalten von Bärinnen mit Jungen verhindern, so der Minister. Die weltweit größte Tierrechtsorganisation Peta argumentierte vor einigen Monaten ähnlich als beschlossen wurde, dass der Nachwuchs einer Wolf-Hund-Paarung in Bayern geschossen werden muss.

Neben der Sterilisation-Erwägung: Das folgt außerdem auf die tödliche Bären-Attacke

Mit dem Schutz der Bevölkerung hat Provinzpräsident Maurizio Fugatti laut apa begründet, eine neue Verordnung unterzeichnet zu haben, mit der die Problembärin getötet werden soll. Tierrechtler protestieren gegen die Todesspritze für Bären. Verhandelt werden neben der Sterilisation über weitere Alternativmaßnahmen – darunter die Verteilung der Raubtiere auf mehrere Alpenregionen, heißt es in der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera.

Sterilisation statt Abschuss fordert der italienische Umweltminister nach tödlicher Bären-Attacke in Italien. (Symbolfoto)

Auch bei dem Austausch zwischen Politikern und Tierrechtlern wurde über die Umverteilung gesprochen, berichtet die Zeitung. Diskutiert wurde dabei über die Schaffung von Wildtierkorridoren und über mögliche Zielorte der Bären. Besonders Venetien steht dabei im Fokus, einige der 120 im Trentino lebenden Bären aufzunehmen, heißt es weiter. Der Präsident von Venetien, Luca Zaia, schließt dies zum aktuellen Zeitpunkt allerdings aus.

„Ein gutes erstes Treffen“: Tierschutzverband hält erstes Zusammenkommen nach tödlichem Bärenangriff für einen wichtigen Schritt

In einer eigenen Pressmeldung äußert sich der Umweltschutzverband Legambiente zufrieden über das erste Treffen mit Politikern, die „auch für Verbände und andere Realitäten offen ist, um das Bärenmanagement und das Zusammenleben mit dem Menschen zu diskutieren.“ Aus der Meldung geht weiterhin hervor, dass Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin und Staatssekretär Claudio Barbaro in der Entscheidung über Einberufung dieser Runde dem Appell des Verbandes gefolgt seien. Über die Sterilisation und die Umverteilung der Bärinnen könnte zukünftig in ähnlicher Runde noch häufiger diskutiert werden (Felina Wellner)

Rubriklistenbild: © Imago/Guenter Hofer

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