Ärger um Italiens Strandbäder

Italien-Urlaub, wie wir ihn kennen, vor dem Aus? Neue EU-Ankündigung lässt Strandbetreiber toben

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Seit Generationen sind die Strandbäder in den Händen derselben Familien – und soll es auch bleiben. Doch die EU will die Vergabe der Konzessionen komplett neu regeln.

München – Urlaub im Sommer heißt für die meisten: Tutti al Mare, alle ans Meer! Eine notwendige Abkühlung, denn eine aktuell drückende Sahara-Peitsche trifft den italienischen Stiefel und löst bereits in vielen Städten roten Alarm aus. An vielen Stränden Italiens geht es im August dann beengt zu. In Reih und Glied aufgestellte Liegen und Sonnenschirme so weit das Auge reicht. Jahrein, jahraus gehen viele Italiener, häufig schon seit ihrer Kindheit, in das gleiche Strandbad – die Tradition des Stammstrandbads wird hier regelrecht zelebriert. An Italiens Traumstränden herrschen zum Teil aber skurrile Gesetze, die Sie kennen sollten. Es ist auf jeden Fall ratsam sich an gewisse Gesetze und Regeln zu halten, sonst wird der Italien-Urlaub schnell teuer.

Doch das dürfte sich bald ändern und die „stabilimenti balneari“  könnten künftig auch in ausländische Hände fallen. Denn Ende 2023 laufen die Konzessionen für sämtliche italienische Strandbäder aus und Italien muss seine Strände für den Wettbewerb öffnen.

Für viele Italiener ist das Strandbad, was für andere das Stammlokal ist.

Kampf um Italiens Strandbäder – auch ausländische Interessenten dürfen künftig teilnehmen

Die EU fordert von Italien, die Konzessionen ab 2024 europaweit nach nachvollziehbaren Kriterien auszuschreiben. Seit 17 Jahren versucht das Land nämlich schon die Anwendung der Bolkestein-Richtlinie zu umgehen. Diese wurde, wie der Nachrichtensender ntv berichtet, bereits 2006 verabschiedet und regelt die „unbeschränkte, grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen im EU-Binnenmarkt“. Das bedeutet für Strandbetreiber, dass Konzessionen nicht mehr, wie bis jetzt, automatisch erneuert werden dürfen. An der Ausschreibung können, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, folglich auch Bewerber aus der ganzen EU zum Zuge kommen.

Und genau das befürchten Strandbetreiber. Nicht nur, dass der Inbegriff ihrer traditionellen Strandkultur in die Hände ausländischer Investoren fallen könnte, sondern auch ein Preisanstieg könnte die Folge sein. Hohe Preise sorgen bereits bei den Gastronomen für Sorgenfalten. Beispiele für besonders hohe Preissteigerungen gibt es zuhauf.

Ärger um Italiens Lidos: Strandbetreiber verärgert über EU-Beschluss

Das Thema um Italiens Spiaggia ist emotional aufgeladen. Die Gemüter vieler italienischer Strandbetreiber sind derzeit erhitzt, denn die Strände Italiens sind aus ihrer Sicht eine Familienangelegenheit. Manche Standbetreiber, die die Konzession von den Eltern geerbt haben, wollen diese, wie es die Tradition vorsieht, an ihre eigenen Kinder weitervererben. „Der Strand gehört dem Staat, das Strandbad ist aber ein Privatunternehmen, das weder dem Staat noch Brüssel gehört“, sagt Alessandro Berton, Vorsitzender des Verbands Unionmare Veneto und Besitzer von Strandbädern in Jesolo, Eraclea und Lido di Venezia gegenüber dem Fernsehsender.

„Ich habe Gäste, die schon so lange zu mir kommen, dass sie mittlerweile fast schon Familie sind. Das Wiedersehen ist jedes Jahr aufs Neue so etwas wie ein kleines Fest. Man erzählt sich, was sich so ereignet hat, erkundigt sich über die Kinder, die in die Jahre gekommenen Eltern“, erzählt Mauro Vanni, Besitzer eines Strandbads in Rimini und Vorsitzender der Genossenschaft Bagnini gegenüber ntv.

Strandbäder in Italien: Die Umsetzung der Strandbad-Konzessionen noch ungewiss

Immer wieder heißt es, die Strandbetreiber wollen sich nicht dem Wettbewerb stellen“, sagt er. „Das stimmt aber nicht. Wir sind es leid, seit Jahren in der Ungewissheit zu leben. Was wir fordern ist ein Gesetz, das uns garantiert, sollten wir die Konzession nicht wieder zugeschrieben bekommen, die Investitionen, die wir im Laufe der Jahre gemacht haben, zurückzubekommen“, so Vanni weiter. Italiens Strandbäder sind eine lukrative Tradition. Die Konzessionen sind nach Angaben der Süddeutschen Zeitung preiswert, die Erlöse betragen ein Vielfaches. Eine Betriebsgenehmigung gibt es laut der Tageszeitung ab 2.700 Euro im Jahr. Dem stehen Jahreseinnahmen von durchschnittlich 260.000 Euro pro Strandbad gegenüber.

Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens

Siena campo
Platz 15 belegt Siena in der Toskana. Mit der schönen Altstadt und unnachahmlichen Bauwerken zieht die Stadt Urlauber immer wieder in ihren Bann.  © Marco Brivio
Roca Vecchia in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang
Roca Vecchial in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang steht nur symbolisch für die vielen herrlichen Strände und Landschaften im Südosten Italiens. Rang 14 im IPPEN-Ranking. © IMAGO/Manuel Romano
Sizilien Letojanni
Die Strände Siziliens sind einzigartig und bezaubernd. Bei Check24 belegt die Insel daher den zwölften Platz. In diesem Ranking Platz Nummer 13. Auf dem Foto sieht man den Strand von Letojanni.  © Matthias Tödt
Mailänder Dom
Die norditalienische Metropole Mailand ist bekannt für die wunderschöne Altstadt und etliche teure Modemarken. Hier sieht man den Dom im Zentrum der Stadt. Im Ranking belegt Mailand den elften Platz. Bei Check24 sogar Platz 7.  © Oliver Weiken
Lago Maggiore
Auf Platz 11 ist der prachtvolle Lago Maggiore. Ein Teil des Sees ist in der Schweiz. Bei weg.de ist der Lago Maggiore sogar auf dem siebten Platz der beliebtesten Urlaubsorte in Italien.  © Nando Lardi
Bozen, Italien, Südtirol
Auch Südtirol ist unter Italien-Fans besonders beliebt. Hier erhascht man einen Blick über die Alpen auf die Stadt Bozen.  © Micha Korb
Elba sonnenuntergang
Die kleine Insel Elba ist momentan noch ein Geheimtipp. Hier erlebt man bezaubernde Natur und typische italienische Dörfer. Daher ein verdienter Platz neun.  © Karsten Jeltsch
Cinque Terre Italien
Unter Urlaubern ist außerdem die Cinque Terre besonders beliebt. Die meisten der fünf Dörfer erreicht man nur zu Fuß oder mit einer Bahn.  © Augst / Eibner-Pressefoto
Marina Grande capri
Nicht umsonst ist die kleine Insel Capri im Golf von Neapel ein regelrechter Touristenmagnet. Hier vor Ort kann man nicht nur durch wunderschöne Dörfer schlendern, sondern auch das Meer und die Natur genießen.  © Günter Gräfenhain
Colosseum in Rome
Italiens Hauptstadt Rom hat für alle Gäste etwas zu bieten und belegt daher den sechsten Platz. So zum Beispiel das weltberühmte Kolosseum. Im Ranking von Check24 belegt Rom sogar den zweiten Platz.  © Givaga
Venedig platz acht
Venedig ist mit seinen vielen Kanälen und kleinen Gassen einzigartig. Ein Besuch lohnt sich definitiv, allerdings sollte man am besten im Frühling oder Herbst in die Stadt kommen. Venedig belegt daher den fünften Platz der Top 15 Urlaubsziele in Italien, bei Check24 ist die Stadt an der Adria sogar Erster.  © Frank Bienewald
Florenz-skyline
Das bezaubernde Florenz in der Toskana belegt den vierten Platz. Hier kann man sich durch kleine Gassen treiben lassen und ohne Ende Kultur genießen. © alimdi / Michelle Gilders
Amalfiküste Italien
Die Amalfiküste südlich von der Metropole Neapel belegt den dritten Platz im Ranking um die schönsten Urlaubsorte in Italien.  © Günter Gräfenhain
Costa Smeralda
An der Costa Smeralda auf Sardinien gibt es Strände, die teilweise welchen in der Karibik gleichen. Nicht umsonst belegt sie daher den zweiten Platz. Auch auf dem Reiseportal weg.de zählt die Küste auf Sardinien zu den schönsten Reisezielen in Italien. © Emmanuele Contini
Desenzano del Garda
Den ersten Platz der beliebtesten und schönsten Urlaubsorte in Italien belegt laut weg.de ganz klar der Gardasee. Hier sieht man das wunderschöne Städtchen Desenzano del Garda am Abend.  © Imago / Augst / Eibner-Pressefoto

Nach Informationen von Euronews erklärte eine Sprecherin, dass Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zugesichert habe, dass die italienischen Behörden sehr schnell für die Umsetzung der europäischen Rechtsvorschriften sorgen würden. „Das bedeutet, dass die nationalen Behörden die Angleichung der italienischen Gesetzgebung an die europäischen Vorschriften vorantreiben werden.“ Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen. Denn die Rechtsaußen-Regierung Meloni hat laut dem Sender das Ende des Konzessionssystems um ein Jahr verschoben und es bis 2024 verlängert. (Vivian Werg)

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