VonNadja Katzschließen
Betreiber von illegalen Strandbars in Griechenland verscheuchen Einheimische vom Strand. Auf deren „Handtuchbewegung“ hin folgen nun Festnahmen und Schließungen.
Athen – Die „Handtuchbewegung“ in Griechenland zeigt durchschlagende Wirkung: Bei Kontrollen von Strandbars sind innerhalb der letzten drei Tage 16 Personen festgenommen worden. Die vorausgegangene Protestaktion hatte international für Schlagzeilen gesorgt und so der Bürgerbewegung offizielles Gehör verschafft. Ihre Initiatoren beklagen, dass sich an der griechischen Küste Strandbars illegal ausbreiten und den freien, kostenlosen Zugang zu den Stränden einschränken.
Die Bürgerbewegung nahm ihren Anfang auf der Insel Paros. Dort hatten Protestierende in den vergangenen Wochen mit Transparenten und Handtüchern bewaffnet um ihre Strände gekämpft. „Wir fordern unsere Strände zurück“ und „Rettet die Strände“ skandierten sie. Inzwischen haben sich auch auf zahlreichen anderen Inseln und Ferienorten Griechenlands Einheimische wie Touristen der „Handtuchbewegung“ angeschlossen.
Razzien in Griechenland: Der Kampf für freie Strände – „Handtuchbewegung“ schlägt Wellen
Denn der Protest richtet sich nicht etwa gegen Touristen, sondern gegen die zahllosen illegalen und halb-legalen Strandbars in Griechenland, deren Strandliegen und Sonnenschirme die Strände zupflastern. Bereits zum Start der Sommersaison hatte der stellvertretende Staatsanwalt des obersten griechischen Gerichtshofes im ganzen Land dazu aufgerufen, hart gegen sie durchzugreifen.
Es gelte, dafür zu sorgen, dass die Einheimischen freien, ungehinderten Zugang zu den Stränden hätten, denn diese seien in jedem Fall öffentlich. „Das griechische Gesetz kennt keine Privatstrände“, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Die Regierung in Athen hatte daraufhin angekündigt, härter durchzugreifen. Seit dem 4. August führten die Beamten in Griechenland daher auf Inseln im Ionischen Meer und auf den Kykladen diesbezüglich Razzien durch.
Griechenlands „Handtuchbewegung“: Ganze Strände von illegalen Bars besetzt
Dabei stellten die Behörden zahlreiche Verstöße fest, wie die Tageszeitung Kathimerini am Dienstag (8. August) unter Berufung auf Polizeikreise berichtete. Demnach wurden an den Stränden mehrere Bars ohne jegliche Genehmigung entdeckt. In den meisten Fällen hätten die Barbetreiber mit ihren Sonnenliegen und -schirmen mehr Platz belegt als gesetzlich erlaubt oder den Mindestabstand von fünf Metern zum Meer nicht eingehalten.
Damianos Gavalas, Mitglied der Bürgerbewegung für freie Strände auf Paros, sagte gegenüber dem staatlichen Fernsehsender ERT, dass einige der Betreiber ganze Strände mit ihren illegalen Bars besetzen würden. „Das Gesetz besagt, dass kein Strand zu mehr als der Hälfte bewirtschaftet werden darf“, erklärte auch Paros-Einwohner Nikolas Stefanou. Doch daran werde sich kaum gehalten: „Da gibt es riesige Abweichungen.“
„Handtuchbewegung“ in Griechenland: Einheimische werden vom Strand verscheucht
Manche Barbetreiber würden von der Gemeinde 16 Quadratmeter Strand anmieten, dann aber 500 Quadratmeter dicht an dicht mit Sonnenschirmen und kostenpflichtigen Liegen voll stellen, so Stefanou. Und nicht nur das: „Wir haben Beschwerden von Mitbürgern vorliegen, die von den Betreibern richtiggehend verscheucht wurden, weil sie ihr Handtuch neben den Liegen auf dem Sand ausbreiten wollten“, sagte der Mitbegründer der Bürgerbewegung.
Auf Paros wurden nach Informationen der dpa mittlerweile an einem der wichtigsten Strände der Urlaubsinsel drei der Strandbars geschlossen, die Strandliegen und Sonnenschirme entfernt. „Es ist ein kleiner Sieg“, sagte eine Einwohnerin gegenüber dem Athener Nachrichtensender Skai.
Finanzminister sagt illegalen Strandbars den Kampf an: „Wir werden niemanden verschonen“
Besorgt über die Folgen für den griechischen Tourismus hatte der griechische Finanzminister Kostas Chatzidakis im Staatsfernsehen erklärt, er werde alle nötigen Maßnahmen einleiten, damit die Zustände an den Stränden gestoppt werden. Mit Blick auf die Strandbar-Besitzer sagte er: „Wir werden niemanden verschonen.“
Allerdings verfügt Griechenland samt seiner Inseln mit rund 14.000 Kilometern über die längste Küstenlinie des Mittelmeers, berichtet Skai zu der Problematik. Entsprechend seien stichprobenartige Kontrollen lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Für den Tourismus stellen außerdem die verheerenden Waldbrände im Land ein großes Risiko dar. Vor allem auf Rhodos tobte tagelang das Feuer und versetzte Einheimische sowie Urlauber in Schrecken. (na)
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