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In Griechenland hat sich eine neue Form des Protests gebildet: Die „Handtuch-Bewegung“ kämpft dagegen, dass die Strände zunehmend von Liegevermietern illegal besetzt werden.
Paros – Der Overtourism greift in immer mehr Urlaubsdestinationen um sich: Einheimische leiden unter den Nebenwirkungen des Massenurlaubs. Auf Mallorca begehren die Einheimischen schon lange gegen den Ballermann-Tourismus auf. Auch in Italien werden immer strengere Strandvorschriften erlassen. Jetzt haben auch die Bewohner der griechischen Kykladeninsel Paros genug.
Urlaubsziel Griechenland: Einheimische demonstrieren gegen illegale Strandliegen-Vermieter
Unlängst sorgte eine Demo mit 300 Teilnehmern bei sengender Hitze am Strand von Santa Maria für Aufsehen. Auf den Transparenten stand: „Fordert den Strand zurück: Bürgerbewegung Paros für freie Strände“.
Eine der Gründerinnen der „Handtuch-Bewegung“ ist Francina Lozada Nur. „Ich war geschockt, als ich von italienischen Touristen hörte, dass ihnen der Besitzer eines Restaurants am Strand sagte, dass dieser Strand privat sei und ihm gehöre“, sagt sie. Das Pikante daran: der Strand ist als Naturschutzgebiet eingestuft, somit dürften dort gar keine Strandliegen aufgestellt werden. „Dieser Grad des Missbrauchs und der Übertretung der Gesetze ist unfassbar.“
An dem Strand bei Santa Maria hängen Preisschilder über 60 Euro Miete pro Sonnenschirm und zwei Liegen, in einem „VIP“-Bereich kann man sich gar für 120 Euro in der Sonne brutzeln – oder sich eben auch vor ihr schützen – lassen. Zwischen den Liegen ist am Strand kaum Platz mehr für Badegäste, die sich auf ihr eigenes Handtuch legen wollen. Zumal die Strände in Griechenland eigentlich zu den öffentlichen Orten zählen.
Wucher am Griechenland-Strand: Einheimische sagen „Sonnenschirm-Mafia“ den Kampf an
„Wir beanspruchen unser Recht auf öffentlichen Raum, unser Recht, unsere Strände zu genießen, die von gierigen, sozial verantwortungslosen Geschäftsleuten überrannt werden, die die Strände vollständig besetzen oder ihre Grenzen um das Hundertfache der Fläche überschreiten, die sie legal gepachtet haben“, heißt es in einer Erklärung der Handtuch-Bewegung.
Auch auf der Nachbarinsel Naxos gab es der Lokalzeitung Hellas Posts zufolge Proteste. Bürger hätten dort wegen des „kriminellen Verhalten der Strandbars“ sogar randaliert, die Strandplätze mit Pauschalen garantierten. Die Aktivisten wollen jetzt die Verstöße mithilfe von Drohnen aufdecken. Die Einheimischen reden längst von der „Sonnenschirm-Mafia“.
Bürgermeister der griechischen Insel ratlos: „Unanständigkeit ist allgegenwärtig“
Der Bürgermeister von Paros, Markos Kovaios, ist ratlos angesichts der rechtswidrigen Strandbesetzer. Er wettert in der Daily Mail: „Wir erleben einen Zustand, in dem die Unanständigkeit allgegenwärtig ist. Jeder kann verlangen, was er will, weil es noch nie Kontrollen, geschweige denn, Konsequenzen gab“.
Die Politik hat allerdings mittlerweile reagiert: Griechenlands Finanz- und Wirtschaftsminister Kostis Hatzidakis hat die Polizei laut Hellas Posts angewiesen, in beliebten Urlaubsgegenden verstärkt zu patrouillieren. Damit sollen illegale Strandbesetzungen unterbunden werden. Hatzidakis: „Wir werden die Strände niemandem überlassen.“
Bewegung erreicht mittlerweile auch das griechische Festland
Die Bewegung hat dennoch mittlerweile auch die Inseln Rhodos, Serifos, Chania und Achaia erreicht und mittlerweile auch die Halbinsel Chalkidiki auf dem Festland. Am Donnerstag (3. August.) wurde bei Facebook die Seite „Bewegung der Bürger von Chalkidiki für freie und zugängliche Strände“ erstellt, sie hat bereits über 2200 Mitglieder. Vor allem auf der Halbinsel Kassandra, dem westlichen „Finger“ Chalkidikis, soll die Lage besonders dramatisch sein.
Zuletzt hatte Griechenland mit verheerenden Waldbränden zu kämpfen. Vor allem auf Rhodos tobten tagelang das Feuer und versetzte Einheimische sowie Urlauber in Schrecken. Mittlerweile sind die Brände unter Kontrolle, die Brandgefahr bleibt aber weiterhin hoch.
Rubriklistenbild: © Francina Lozada Nur Facebook


