VonVivian Wergschließen
Wer in den Sommermonaten mit dem Auto nach Italien fahren möchte, muss sich auf starke Verkehrseinschränkungen einstellen. Was Durchreisende wissen müssen.
Tirol/ München – Das österreichische Bundesland Tirol sperrt erneut die Stau-Ausweichrouten entlang wichtiger Durchgangsstrecken. Das soll vor allem die Dörfer zwischen Deutschland und Italien entlasten, die stark vom Transitverkehr betroffen sind. Viele Gemeinden beschweren sich seit Jahren über den massiven Reiseverkehr, Lärm und die Abgase der Autos. Erst im März ging die Interessengemeinschaft auf die Barrikaden.
Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) gelten die Sperren an allen Wochenende und Feiertagen von 7 Uhr bis 19 Uhr. Die Maßnahme gilt bereits seit dem 27. Mai und soll bis zum 10. September andauern. Das Fahrverbot auf den Landstraßen soll zudem Durchreisende daran hindern, die Autobahn zu verlassen, um Mautgebühren zu sparen oder Staus zu umgehen.
Tirol sperrt Ausweichrouten: Diese Strecken sind betroffen
Wie die Tiroler Landesregierung in einer Pressemitteilung verkündete, gilt das Fahrverbot auf den Landstraßen für alle Kraftfahrzeuge (also auch PKW und Motorräder), die sich in Tirol auf Durchreise befinden. Nach Informationen der Tiroler Tageszeitung nimmt die Landesregierung für die Abfahrverbote rund 172.000 Euro in die Hand.
Konkret betroffen sind folgende Strecken:
Im Großraum Innsbruck: B171a Tiroler Straße (Hall – Tulfes), L9 Mittelgebirgsstraße/L32 Aldranser Straße, L11 Völser Straße, L13 Sellraintal Straße, L38 Ellbögener Straße, L226 Natterer Straße, L283 Ampasser Straße, L394 Axamer Straße, Gemeindestraße Nösslach (bei Gries am Brenner), Gemeindestraße Rothenbrunn. Karte der gesperrten Strecken rund um Innsbruck
Im Raum Kufstein (Inntal-Autobahn): L211 Unterinntal Straße, L295 Buchberger Straße, Gemeindestraße Endach/Kufstein, Alte Erlerstraße. Karte der gesperrten Strecken bei Kufstein
Im Bezirk Reutte (Fernpass-Route): L288 Pinswanger Straße, L69 Reuttener Straße, L288-0-A1 Abfahrtsrampe Fernpassstraße nach Wiesbichl. Karte der gesperrten Strecken im Bezirk Reutte
Quelle: ADAC, Land Tirol
Tirol: Autofahrer sollen im Stau bleiben und nicht auf Landstraßen ausweichen
Ausgenommen von dem Fahrverbot sind Ziel-, Quell- und Anrainerverkehr. Folglich können Autofahrer, die ihren Urlaub in den genannten Regionen verbringen, die Ausweichstraßen trotzdem weiterhin befahren. Es sei jedoch ratsam, Beweise wie Buchungsbestätigungen oder genaue Zielangaben bei möglichen Kontrollen vorweisen zu können.
Nach Aussagen der Tiroler Landesregierung soll die Sicherheit auf den heimischen Straßen und der Verkehrsfluss bestmöglich gewährleistet werden und für eine Entlastung der verkehrsgeplagten Bevölkerung entlang der klassischen Ausweichrouten sorgen. „Diese Maßnahmen haben sich in Tirol seit 2019 bewährt, sowohl im Sommer als auch im Winter. Vergangenen Sommer wurden rund 73.000 Fahrzeuge zurückgewiesen“, zitiert die Tiroler Tageszeitung Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP).
Straßensperren in Tirol: ADAC sieht Fahrverbot für Urlauber kritisch
Die für den Urlaubsverkehr gesperrten Straßen werden von der Polizei überwacht. Wer sich nicht an die Anordnungen hält und trotzdem versucht einen Stau über eine der betroffenen Routen zu umfahren, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. In der Vergangenheit wurde Berichten zufolge beim Verstoß im Normalfall mit einer Anzeige und einem Bußgeld von etwa 60 Euro geahndet. Laut der Landesregierung zufolge werden die Fahrverbote durch die Verkehrspolizei in das Verkehrsinformationssystem des Innenministeriums eingespielt und stehen damit den Navi-Betreibern zur Verfügung. Dadurch wird dem Autofahrer vom Navi bei einem Stau gar nicht erst eine alternative Route angegeben beziehungsweise vorgeschlagen. Geschulte Straßenaufsichtsorgane kontrolliert neben der Polizei die Fahrverbote zudem an neuralgischen Punkten.
Das Fahrverbot sieht der ADAC hingegen kritisch. Zwar empfehle der Automobil-Club grundsätzlich bei Stau auf der Autobahn beziehungsweise auf der Hauptroute zu bleiben, dennoch bedeute die Regel eine Behinderung des freien Reiseverkehrs, für das der Automobil-Club eintrete. „Auch wenn Tirol sehr unter der Belastung durch den Transitverkehr leidet, seien die Verbote für Reisende ein Ärgernis“, so der Automobil-Club.
Italien wappnet sich aktuell für einen Touristen-Ansturm im Sommer und ergreift bereits Maßnahmen, um dem drohenden, touristischen Kollaps entgegenzuwirken. Folglich wollen Gemeinden und Orte beispielsweise Reisebusse begrenzen, sowie die Anzahl der touristischen Betten beschränken. (Vivian Werg)
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