VonJohannes Welteschließen
Nach mehreren Steinlawinen im Südtiroler Ridnauntal wird ein Bauernhof evakuiert. Er wird von einem großen Felssturz bedroht. Der Bürgermeister ist alarmiert.
Ratschings – Eine nicht enden wollende Welle von Berg- und Felsstürzen sorgt in den Alpen für große Besorgnis vor allem bei Menschen, die in der potenziellen Bahn von solchen Abstürzen wohnen. Im Ridnauntal, einem zur Gemeinde Ratschings gehörenden Seitental der Etsch bei Sterzing im italienischen Südtirol haben die Behörden jetzt Konsequenzen gezogen.
Felssturz-Gefahr in Südtirol: Bauernhof liegt direkt neben der Steilrinne, durch die riesige Felsen poltern
Mindestens zweimal gingen in den vergangenen Wochen Steinlawinen in einem Graben unterhalb der Wetterspitze nieder. Der 2709 Meter hohe Berg ist auch ein beliebtes Ziel von Wanderern oder Skitourengehern. Ein Video zeigt, dass riesige Felsbrocken den Hang hinter rollten. Direkt neben der Steilrinne, in der sich diese Felsstürze ereigneten, liegen zwei Bauernhöfe. Einer steht schon länger leer, der benachbarte Lechnerhof, wird von einer Landwirtsfamilie bewohnt,die Bioland-Käse erzeugt.
Aufgrund eines Gutachtens zieht der Bürgermeister der Gemeinde Ratschings, Sebastian Helfer, die Notbremse: „Es ist zu gefährlich geworden“, sagt er bei stol.it. Er habe das geologische Gutachten bekommen und werde am Mittwoch, die Räumung des Lechner-Hofes anordnen.
Bürgermeister von Ratschings zieht die Notbremse – Familie wird vom Berghang evakuiert
In dem Graben kam es in den vergangenen Wochen fast täglich zu Steinschlägen, heißt es. Auch ein Wanderweg durchquert den Hang. „Auch dieser ist bereits gesperrt und bleibt gesperrt“, so Helfer zu stol.it. Wie lange die Evakuierung und die Sperrung des Wanderweges andauern werden, könne er nicht sagen. Er gehe aber davon aus, dass das Haus in diesem Jahr sicher nicht mehr geöffnet oder bewohnbar sein wird.
Denn laut dem geologischen Gutachten, das bereits vor einiger Zeit erstellt wurde, bestehe die Gefahr, dass nicht nur einzelne Steine, sondern ein großer Felsblock abbrechen könnten. Die Gefahr steige vor allem in den Sommermonaten, wenn es häufiger zu Gewittern oder längeren Regenschauern kommt und der Boden aufgeweicht wird. Für die kommenden Tage sind bereits heftige Regenfälle in Norditalien prognostiziert.
Erst im Februar wurde in Osttirol (Österreich) einen Bauernhof wegen akuter Felssturzgefahr evakuiert. An der Bernina hatte es Ende April einen gigantischen Bergsturz gegeben. In Oberösterreich geriet ein Paar Anfang Mai in einen Steinschlag, ein Mann kam ums Leben. In den Dolomiten krachte im April ein Felsen auf einen Wanderweg. Experten machen für die Zunahme dieser Phänomene den Klimawandel verantwortlich.


