Tadschikistan ist ein Binnenstaat in Zentralasien. Etwa die Hälfte des Staatsgebietes befindet sich auf einer Höhe von 3.000 Metern und darüber. Die Republik wird seit dem Zerfall der Sowjetunion von Präsident Emomalij Rahmon stark autoritär regiert.
- Tadschikistan war von 1929 bis 1991 Sowjetrepublik.
- Die Bergwelt des Landes beherbergt einige vom Aussterben bedrohte Tierarten.
- Wichtiger Exportartikel des Landes ist Aluminium.
Duschanbe – Mehr als zwei Drittel der Landfläche des gut 143.000 Quadratkilometer großen Tadschikistans ist Hochgebirge. Das Land blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Über die Jahrhunderte hinweg gehörte es zu verschiedenen Reichen und Dynastien. Im 20. Jahrhundert war es über 60 Jahre lang eine Sowjetrepublik. Seit der Unabhängigkeit ist das Regime von Präsident Emomalij Rahmon für seinen undemokratischen Kurs bekannt. Die Hauptstadt heißt Duschanbe.
Tadschikistan: Frühgeschichte, wechselnde Reiche und Dynastien
Die frühe Besiedlung von Tadschikistan reicht bereits bis ins 6. Jahrtausend vor Christus zurück. Die Kelteminar-Kultur wurde als eine der ältesten hier ansässigen Kulturen identifiziert. Die Siedlung Sarasm, die etwa um 3500 vor Christus entstand, galt einst als die größte Siedlung in Zentralasien. Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus wechselten sich in dem Gebiet diverse Reiche und Dynastien ab. Angefangen vom persischen Großreich, über die Eroberung durch Alexander dem Großen bis hin zum Griechisch-Baktrischen Königreich, das in den Jahrhunderten nach Christus vom Reich der Kuschana und dann von den Sassaniden abgelöst wurde.
Im 5. Jahrhundert übernahmen die Hephtaliten die Macht. Im 9. Jahrhundert regierte die muslimische Dynastie der Samaniden gemeinsam mit den Persern. Letztere wurden im frühen Mittelalter von den türkischen Karachniden verdrängt. Schließlich weiteten die Mongolen hier ihr Machtgebiet aus und errichteten das Tschagatai-Khanat. Ein weiteres wichtiges Khanat war das von Buchara, das die Usbeken im 16. Jahrhundert gründeten und welches noch bis ins 20. Jahrhundert hinein existierte.
Tadschikistan: Auf dem Weg zur Sowjetrepublik
Im 19. Jahrhundert eroberte Russland weite Teile Zentralasiens. Auch Tadschikistan geriet unter die russische Herrschaft, gegen welche sich die Widerstandsgruppen, die auch Basmatschi genannt wurden, bis in die 1920er Jahre hinein zur Wehr zu setzen versuchten. Am Ende setzte sich jedoch zunehmend der Einfluss der Sowjetunion durch. Die Landwirtschaft wurde kollektiviert, Höfe wurden in Genossenschaften verwandelt und Russisch wurde als offizielle Amtssprache eingeführt.
Nachdem Tadschikistan noch Teil der Turkestanischen (1918) und später der Usbekischen Sowjetrepublik (1924) war, erhielt das Land 1929 seine Eigenständigkeit als „Tadschikische Sozialistische Republik“. Von allen Sowjetrepubliken war diese jedoch die ärmste.
Tadschikistan: Unabhängigkeit und Bürgerkrieg
Nach dem Zerfall der Sowjetunion erhielt Tadschikistan am 9. September 1991 seine Unabhängigkeit. Erster Präsident wurde Rahmon Nabijew, der schon zu Zeiten der Sowjetrepublik politische Ämter innehatte. Die innenpolitischen Machtkämpfe entfachten 1992 einen Bürgerkrieg, in welchem sowohl islamische Rebellen als auch demokratische Verfechter gegen die neue Regierung kämpften. Nachdem etwa 50.000 bis 100.000 Menschen ihr Leben verloren hatten, wurde der Bürgerkrieg 1997 mit einem Friedensvertrag beendet.
Seit 1994 ist Präsident Emomalij Rahmon an der Macht. Die Wiederwahlen werden von ausländischen Beobachtern häufig als undemokratisch kritisiert, da Rahmon rigoros gegen die Opposition vorgeht. Im Lauf der letzten 25 Jahre hat sich der Präsident seine Machtstellung weit ausgebaut und viele Sonderrechte gesichert. Unter anderem kann er unbeschränkt wiedergewählt werden und genießt auch politische Immunität, die ihn vor Strafverfolgung schützt. Im Jahr 2015 wurde er zum „Führer der Nation“ ernannt. Mit den Wahlen von 2020 begann seine fünfte Amtszeit.
Tadschikistan: Das politische System
Laut Verfassung ist Tadschikistan eine Präsidialrepublik. Das Parlament – die sogenannte „Oberste Versammlung Tadschikistans“ – besteht aus zwei Kammern: die Repräsentantenversammlung mit 63 Abgeordneten und der Nationalrat (Senat). Der Nationalrat besteht aus 33 Mitgliedern, von denen 25 durch lokale Parlamente gewählt werden. Die restlichen acht Mitglieder werden vom Präsidenten ernannt.
Laut unabhängigen Nichtregierungsorganisationen gilt Tadschikistan nicht nur als eines der korruptesten Länder der Welt, sondern auch als eines der repressivsten Staaten. Das autoritäre Regime von Emomalij Rahmon weist zahlreiche und gravierende Menschenrechtsverstöße auf. Die demokratischen Grundrechte wurden massiv beschnitten und Regierungsgegner werden gnadenlos verfolgt. Das Ergebnis des Transformationsindex der Bertelsmann-Stiftung hat 2018 ergeben, dass der Staatsapparat von Tadschikistan bezüglich Demokratie, Menschenrechte und Leistungsfähigkeit neben dem afrikanischen Staat Burundi zu den größten Verlieren zählt.
Tadschikistan: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Duschanbe
- Amtssprache: Tadschikisch-Persisch und Russisch
- Fläche: 143.100 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 9,5 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Somoni (TJS)
- Verwaltungsgliederung: 2 Provinzen, 1 autonome Provinz, Hauptstadt
- Religion: Islam (90 %, vorwiegend sunnitisch)
Tadschikistan: Sprachen und Bevölkerung
Die offizielle Amtssprache des Landes ist das Tadschikische, das auch zu den iranischen Sprachen zählt und als Dialekt der persischen Sprache eingestuft wird. In den Städten werden allerdings auch zwei oder sogar mehrere Sprachen gesprochen. Vor allem Russisch ist noch als Umgangssprache sowie in Politik und Wirtschaft von Bedeutung. Es wird an Schulen auch als Pflichtfach gelehrt und hat seit 2011 sogar wieder offiziellen Status. Etwa ein Viertel der Einwohner des Landes sprechen Russisch fließend. Des Weiteren kommt aufgrund der usbekischen Minderheit auch noch der usbekischen Sprache eine gewisse Rolle zu.
Die Bevölkerung weist eine der jüngsten und am schnellsten wachsenden in Asien auf. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt etwa 2,3 Prozent. Die Tadschiken stellen mit 84,3 Prozent den größten Bevölkerungsanteil im Land dar, gefolgt von den Usbeken mit etwa 13,8 Prozent und den Kirgisen mit 0,8 Prozent. Daneben existiert eine Minderheit an Russen, Tataren, Ukrainern und Deutschen.
Tadschikistan: Geografie und Städte
Tadschikistan grenzt an Usbekistan, Kirgisistan, China und Afghanistan. Das Land ist auch als Hochgebirgsland bekannt, von dem fast die Hälfte der Landesfläche auf einer Höhe von 3.000 Metern und darüber liegt. Im Osten des Landes befindet sich das Pamir-Gebirge, dessen höchste Erhebung der 7.495 Meter hohe Pik Ismoil Somoni ist. Im Norden erstreckt sich die Alai-Gebirgskette und im Westen das Fan-Gebirge. Lediglich im äußersten Norden gibt es ein Tiefland, durch das der Syrdarja, der größte Fluss des Landes, fließt.
Das Land besitzt auch einige Seen, darunter auch der Kairakkum-Stausee, der eine Fläche von 520 Quadratkilometern ausmacht. Tadschikistan verfügt über mehr als 60 Prozent der zentralasiatischen Wasserressourcen in fester und flüssiger Form. Das Land befindet sich in der kontinental trockenen subtropischen Klimazone, was für kalte Winter und heiße Sommer sorgt.
Die größten Städte Tadschikistans im Überblick
- 1 Duschanbe: 846.400 Einwohner, Region Duschanbe
- 2 Chudschand: 181.600 Einwohner, Region Sughd
- 3 Qurghonteppa: 110.600 Einwohner, Region Chatlon
- 4 Kulob: 105.500 Einwohner, Region Chatlon
- 5 Istarawschan: 64.600 Einwohner, Region Sughd
- 6 Tursunsoda: 53.700 Einwohner, Region Nohijahoi tobei dschumhurij
- 7 Konibodom: 52.200 Einwohner, Region Sughd
- 8 Isfara: 50.700 Einwohner, Region Sughd
- 9 Pandschakent: 42.800 Einwohner, Region Sughd
- 10 Wahdat: 42.800 Einwohner, Region Nohijahoi tobei dschumhurij
Tadschikistan: Wissenswertes zum Land
Tadschikistan ist zwar reich an Bodenschätzen. Doch viele davon können nur schwer gefördert werden. Zu den Hauptexportschlagern des Landes gehört Aluminium. Das Land besitzt im Westen sogar eine der größten Aluminiumfabriken der Welt. Der Verkauf macht etwa 50 Prozent der Exporteinnahmen aus. In der Landwirtschaft ist vor allem der Anbau von Baumwolle für die Wirtschaftsleistung von Bedeutung.
Dennoch gilt Tadschikistan immer noch als eines der ärmsten Länder Zentralasiens. Der Grund liegt nicht nur in der schlechten Infrastruktur und die Binnenlage mit ihrer unzugänglichen Berglandschaft, auch der Bürgerkrieg, die Drogenkriminalität und hohe Korruption haben sich negativ auf die Wirtschaft ausgewirkt.
Die Bergwelt des Landes beheimatet einige besondere Arten der Tierwelt. Allerdings gehören viele von ihnen auch zu den bedrohten Arten, wie der Schneeleopard oder das Marco-Polo-Schaf. Daneben existieren noch weitere Säugetiere, wie Braunbären, Bucharahirsche, Gazellen, Rohrkatzen, Steinböcke und Wildschweine. Die Sowjetzeit war mit dem übermäßigen Einsatz von Düngern allerdings ausschlaggebend dafür, dass das Land seither mit einer großen Umweltverschmutzung zu kämpfen hat. Auch die gegenwärtige Industrie stellt nach wie vor eine große Belastung für die Umwelt dar.