U-Boot-Expedition

Passagierin über U-Boot-Trip zur Titanic: „Je tiefer wir kamen, desto mehr Hilfe benötigte der Kapitän“

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Die „Titan“ war nicht das erste U-Boot, das einen Tauchgang zum Wrack der Titanic anbot. Eine 50-Jährige berichtet von ihren Erfahrungen mit OceanGate.

München – Nach dem tödlichen Unglück der „Titan“ sind zahlreiche Diskussionen über die Sicherheit des Touristen-U-Boots entbrannt. In der Kritik steht vor allem Stockton Rush, der CEO von OceanGate, der selbst als Kapitän an Board des Tauchboots war und bei der Implosion ums Leben kam. Er habe Sicherheitsrisiken heruntergespielt und trotz Drängen von U-Boot-Experten auf eine Zertifizierung der „Titan“ verzichtet. Jetzt berichtet eine Titanic-Begeisterte von ihren Erfahrungen, die sie bei einem Tauchgang zum Wrack des Schiffs mit OceanGate machte.

Passagierin war bereits 2021 mit einem U-Boot von OceanGate beim Titanic-Wrack

Seit 2021 bietet das Unternehmen OceanGate zahlenden Kunden an, sie bei der Erkundung des Titanic-Wracks mitzunehmen. Im Juli 2022 begab sich die 50-jährige Renata Rojas gemeinsam mit vier weiteren Menschen – einem Piloten, einem Wissenschaftler und zwei Zivilisten – auf die Expedition. Für Rojas ging damit ein jahrzehntelanger Traum in Erfüllung, wie sie gegenüber der britischen Zeitung The Independent erklärte: „Als ich 12 Jahre alt war, wollte ich die Titanic finden.“

Vor der verunglückten „Titan“ gab es bereits mehrere U-Boot-Tauchgänge zum Titanic-Wrack.

Nach unten ging es in dem U-Boot von OceanGate laut der Titanic-Begeisterten recht flott und unkompliziert. „Alles fliegt irgendwie am Fenster vorbei. Aber wir haben ein wenig experimentiert – wir haben das Licht aus- und wieder eingeschaltet, um zu sehen, wie das Leben außerhalb des U-Boots reagiert“, so Rojas im Interview.

Tauchgang in U-Boot von OceanGate soll alles andere als touristisch gewesen sein

Obwohl sie selbst keine U-Boot-Expertin war, mussten alle Insassen beim Sinkflug mit anpacken. „Je tiefer wir kamen, desto mehr Hilfe benötigte der Kapitän“, erklärt sie. Das liege daran, dass beim Sinkflug einige Geräte aktiviert werden müssen, um das Tempo zu verlangsamen und nicht auf dem Grund aufzuschlagen.

Bei dem Wrack angekommen sei es für Rojas wie im Film gewesen: da tauchte plötzlich der mystische Bug aus der Tiefe auf. Obwohl der Meeresschnee die Sicht erschwerte, sei es für sie überwältigend gewesen. Der Tauchgang soll aber alles andere als touristisch gewesen sein. Bereits auf dem Weg nach unten sammelte die Besatzung Wasser aus verschiedenen Ebenen, um Daten über die unterschiedlichen Arten zu erheben. Am Wrack selbst hatten sie die Aufgabe, Sediment von mehreren Seiten der Titanic zu sammeln.

Passagier aus Deutschland findet Tauchgang in U-Boot von OceanGate rückblickend „verrückt“

Der Tauchgang war kompliziert und arbeitsreich, erinnert sich die 50-Jährige. Unsicher scheint sich die 50-Jährige vor oder während der Reise in dem U-Boot von OceanGate allerdings nicht gefühlt zu haben – zumindest äußerte sie nichts dergleichen im Interview mit The Independant.

Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer

Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“
Sie schufen den Mythos um die 1912 gesunkene „Titanic“: Leonardo Di Caprio und Kate Winslet, die Hauptdarsteller des Films „Titanic“. Der Film gewann elf Oscars. 130 Millionen Besucher zog es in den USA ins Kino, immerhin 18 Millionen in Deutschland. © imago/EntertainmentPictures
Titanic
Die überreste des gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ liegen in rund 3800 Metern Tiefe (undatiertes Archivfoto). © epa PA/epa/dpa
Das Wrack der Titanic.
Titanic Wrack U-Boot.jpg © Atlantic Productions/Magellan/Imago
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.
In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, „Titanic“.  © Atlantic Productions/dpa
Atlantik
Hier liegt das Wrack der „Titanic“ im Atlantik. © Google/dpa
Titan
Dieses vom American Photo Archive herausgegebene Foto zeigt das Tauchboot „Titan“ von OceanGate Expeditions, das zur Besichtigung der Wrackstelle der „Titanic“ eingesetzt wurde. © American Photo Archive/Alamy/PA Media/dpa
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus.
Das Archivbild der „Titan“ zeigt den Start des Tauchboots von der Plattform aus: Eine Reise zur Titanic kostet Privatpersonen mit dem U-Boot rund 250.000 Dollar. © OceanGate Expeditions / AFP
Dieses Archivbild zeigt das Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik.
Titanic-Tauchboot „Titan“ im Atlantik verschollen (Archivfoto). Das kleine U-Boot ist knapp sieben Meter lang und fünf Personen bis in eine Tiefe von 4.000 Metern befördern.  © OceanGate Expeditions/AP/dpa
Der Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“.
Dieses von American Photo Archive zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Innenraum des vermissten Tauchboots „Titan“ von OceanGate Expeditions mit den damals reisenden Passagieren. Im Inneren des Tauchboots hat die Besatzung wenig Platz und nur eine bestimmte Menge Sauerstoff, wie eine ältere Fotoaufnahme zeigt. © American Photo Archive Alamy
Hamish Harding
Hamish Harding im Juni 2023 in London. Der britische Geschäftsmann und Abenteurer ist an Bord des Tauchboots, das in der Nähe des „Titanic“-Wracks im Atlantik vermisst wird. © Dirty Dozen Productions/PA Media/dpa
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde.
Stockton Rush, CEO von OceanGate, aufgenommen in Seattle. Der CEO von OceanGate ist unter den fünf Passagieren des verschollenen Tauchbootes, das am Abend des 18. Juni in der Nähe des Titanic-Wracks als vermisst gemeldet wurde. © Greg Gilbert/dpa/Archivbild
U-Boot wird nahe Titanic-Wrack vermisst
Das U-Boot Titan ist auf dem Weg zur untergegangenen Titanic verschollen. © Dirty Dozen Productions/dpa
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt.
Das letzte Foto der Tauchkapsel „Titan“, bevor sie auf Titanic-Tauchgang ging: Keine zwei Stunden später verlor das Mutterschiff „Polar Prince“ den Kontakt. © FP PHOTO / DIRTY DOZEN PRODUCTIONS / HANDOUT
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache
Jamie Frederick, der Kapitän der US-Küstenwache, leitet die Suche nach dem verschwundenen U-Boot. Ein Wettlauf gegen die Zeit. © Joseph Prezioso / AFP
Karte wo das Tauchboot vermisst wurde
Die Trümmer des Tauchbootes auf dem Weg zur Titanic wurden gefunden. Eine Karte zeigt, wie nahe es dem versunkenen Schiff gekommen ost.  © Google/dpa
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes.
Suleman Dawood (l) und sein Vater waren Insassen des „Titanic“-U-Bootes. © AFP PHOTO/DAWOOD HERCULES CORPORATION
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben.
OceanGate-CEO Stockton Rush soll laut mehreren Berichten die Sicherheitsvorkehrungen der „Titan“ nicht ordnungsgemäß beachtet haben. © imago
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks.
Trümmer des Tauchboots „Titan“, das vom Meeresboden in der Nähe des Wracks der Titanic geborgen wurde, werden am Pier der kanadischen Küstenwache vom Schiff „Horizon Arctic“ entladen. Die US-Küstenwache sucht nach der Ursache des Unglücks. © Paul Daly/dpa

Weniger positiv berichtet dagegen der 60-jährige Deutsche Arthur Loibl im Gespräch mit dem Bayrischen Rundfunk. Auch er war bereits Teil einer Titanic-Expedition mit einem Tauchboot der Firma OceanGate. Loibl hatte über 100.000 Euro für den Tauchgang bezahlt und im Vorfeld sämtliche Haftungsansprüche gegenüber OceanGate im Falle eines Unfalls vertraglich ausgeschlossen.

Aus heutiger Sicht würde er den Tauchgang nicht nochmal machen. Es sei rückblickend „absolut verrückt“ gewesen – ein „Himmelfahrtskommando“. Es habe bereits beim Ablassen Probleme gegeben: Ein Stabilisationsrohr sei kaputtgegangen, woraufhin von außen geschweißt worden sei, während sich die Passagiere schon in dem U-Boot befanden.

Ein Technischer Defekt könnte Schuld an der Implosion der „Titan“ sein

Auch im Fall der „Titan“ könnte ein technischer Defekt Schuld an der verheerenden Implosion gewesen sein. Schon ein winzig kleiner Defekt am Rumpf eines U-Bootes kann dazu führen, dass das Boot im Bruchteil einer Sekunde durch den enormen Druck, der unter Wasser herrscht, zerquetscht wird.

Experten konnten bis zur Entdeckung von Trümmern nur mutmaßen, was mit der „Titan“ geschah. Regisseur des Films „Titanic“ und Tiefsee-Entdecker James Cameron hatte eine unheimliche Vorahnung. (tt)

Rubriklistenbild: © OceanGate/imago

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