Brände auf Rhodos lösen „absolutes Chaos“ aus – Reisende berichten von katastrophalen Bedingungen
VonHelena Gries
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Die Brände auf Rhodos toben weiter. Tausende Menschen müssen evakuiert werden. Touristen vor Ort berichten von „absolutem Chaos“.
Rhodos – Die außergewöhnliche Hitzewelle in Griechenland hält an. Die Waldbrände, die bereits seit Tagen auf Rhodos wüten, sind außer Kontrolle geraten und haben auf der griechischen Urlaubsinsel zu beispiellosen Massenevakuierungen geführt. Behörden sprechen von Griechenlands bisher größter Evakuierungsaktion.
Griechenland leidet derzeit unter einer extremen Hitzewelle. Im Zentrum des Landes und auf der Halbinsel Peloponnes wurden am Sonntagnachmittag Temperaturen zwischen 45 und 46,4 Grad Celsius gemessen, wie das nationale Wetterobservatorium mitteilte. Demnach erlebt das Land „wahrscheinlich“ derzeit die längste Hitzewelle seiner Geschichte. Trockenheit in Verbindung mit den hohen Temperaturen und Wind sorge dafür, dass sich das Feuer auf Rhodos ausbreitet.
Brände auf Rhodos: Tausende Menschen in Griechenland evakuiert
Am Sonntag (23. Juli 2023) brannte das Feuer auf Rhodos an drei Fronten. 30.000 Touristen und Touristinnen und Einheimische mussten am Wochenende vor den Flammen flüchten, 19.000 von ihnen wurden mit Bussen und Schiffen in Sicherheit gebracht. Zahlreiche Menschen harrten auf der Straße, in Sporthallen, am Flughafen und in anderen provisorischen Unterkünften aus. Nach Einschätzung der Behörden könnte es noch Tage dauern, bis die Brände auf Rhodos unter Kontrolle sind. Polizeisprecherin Konstantia Dimoglidou sprach von der „größten Brand-Evakuierung“, die es je in Griechenland gegeben habe. „Wir mussten ein Gebiet mit 30.000 Menschen evakuieren“.
Viele Menschen halten sich in einem Stadion auf der griechischen Insel Rhodos auf, nachdem sie wegen katastrophalen Waldbränden in Sicherheit gebracht worden sind.
Auch auf weiteren Inseln in Griechenland seien Brände ausgebrochen: Auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa mussten mehrere Wohngebiete infolge eines Waldbrandes evakuiert werden. Auf der beliebten Ferieninsel Korfu brachen mehrere Waldbrände aus. Korfus Behörden gaben Evakuierungsalarm für zwölf Dörfer heraus, berichtete die Nachrichtenagentur Athens News Agency, Evakuierungen auf dem Land- und dem Seeweg wurden eingeleitet.
Reisende auf Rhodos fühlen sich im Stich gelassen: „Absolutes Chaos“
Das griechische Außenministerium und mehrere Botschaften richteten am Flughafen von Rhodos ein Zentrum ein, um Touristen und Touristinnen zu helfen, die in der Eile ihre Ausweise vergessen oder verloren haben. Viele Menschen haben ihre Koffer zurücklassen müssen und sind ohne Unterkunft. Hunderte von Reisenden drängten sich Medienberichten zufolge im Flughafengebäude. Einige schliefen auf ihren Strandtüchern, während sie auf ihre Abflüge von der Insel warteten.
Einige Menschen vor Ort berichten derweil von katastrophalen Bedingungen, Reisende fühlen sich im Stich gelassen. Wartende Menschen in den Hotels auf Rhodos seien auf sich allein gestellt, es gebe keine Verpflegung. Twitter-Nutzende berichten von einem „absoluten Chaos“.
2 thirds have left and it is still absolute chaos, noone, including the drivers know where the buses are going. #AtriumPrestigeThalassoSpaResort wouldn't even offer a bottle of water or any food. Qued for 2 hours to buy a bottle of water in 40 degrees. pic.twitter.com/m7g3E1s40j
Schwere Brände in Griechenland: Extreme Wetterbedingungen erschweren Löscharbeiten auf Rhodos
Mehr als 250 Feuerwehrleute kämpfen auf Rhodos gegen die Flammen. „Die (Wetter-)Bedingungen bleiben extrem“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Behörden blieben zum Schutz der Bevölkerung in Alarmbereitschaft.
Ein großer Teil der Mittelmeerinsel war zudem ohne Strom, da der öffentliche Energieversorger PPC aus Sicherheitsgründen das örtliche Kraftwerk im Süden abschaltete. Die Feuerwehr warnte abermals: Die Waldbrandgefahr werde weiterhin im Südosten der Insel auch am Montag und Dienstag sehr stark bleiben. Grund sei eine Zunahme des Windes.
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Der Brand habe „das Herz von Rhodos und seine Umwelt getroffen“, sagte der Naturkatastrophen-Experte Efthymios Lekkas dem Fernsehsender ERT. Er warnte vor schwerwiegenden Auswirkungen auf die Tourismusbranche der Insel. „Alle großen Hotels haben geschlossen. Ich glaube nicht, dass sie dieses Jahr nochmal öffnen werden, denn die Umgebung ist zerstört und lädt nicht gerade zum Urlauben ein“. (hg/dpa/AFP)