Außergewöhnliche Umstände im Urlaubsort

Waldbrände auf Rhodos – Was Reisende jetzt wissen müssen

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Für Tausende Menschen wird der Rhodos-Urlaub aufgrund heftiger Waldbrände derzeit zum Albtraum. Wer vor hatte demnächst dort hinzureisen, wird anders zumute.

Rhodos – Menschen, die in den nächsten Tagen Richtung Rhodos in den Urlaub starten wollen, werden die derzeitige Lage auf der griechischen Ferieninsel sorgenvoll beobachten. Waldbrände, die seit Anfang vergangener Woche dort lodern, haben sich nun drastisch verschlimmert. Tausende Menschen, darunter überwiegend Touristen, mussten am Samstag (22. Juli) zu Land und auf dem Wasser evakuiert werden, nachdem das Feuer außer Kontrolle geraten war.

Etliche Menschen flüchten indes auch zu Fuß. Auf Twitter-Videos sind Massen zu sehen, die teils in Badekleidung, teils mit Koffer durch die Straßen ziehen, im Hintergrund dichte Rauchschwaden, der Himmel rötlich gefärbt. Wirklich Lust auf Urlaub dürfte bei den schrecklichen Bildern wohl kaum aufkommen. Dürfen Rhodos-Reisen nun kostenlos storniert werden?

Aktuelle Lage auf Rhodos: Diese Orte können von den Waldbränden betroffen sein

Vor allem im Südosten der Ferieninsel wurden Menschen evakuiert, nachdem die Flammen der unter Badegästen beliebten Küstenregion um Kiotari gefährlich nah gekommen waren. Doch auch andere Ortschaften sind betroffen. Für einige Gemeinden wurde gar der Ausnahmezustand ausgerufen.

Laut dem Online-Portal Reisereporter.de können folgende Orte auf Rhodos betroffen sein

  • Kiotari: Urlaubsort im Südosten der Insel, Menschen werden evakuiert.
  • Lardos: Urlaubsort im Südosten der Insel; hier gilt Ausnahmezustand.
  • Gennadi: Kleinstadt im Südosten der Insel, Menschen werden evakuiert.
  • Lindos: Beliebtes Ausflugsort und ärcheologische Stätte samt Akropolis im Südosten der Insel.
  • Eleousa: Dorf im Landesinnere, Richtung Westen, mittig gelegen.
  • Salakos: Dorf im Landesinnere, Richtung Westen, mittig gelegen.
  • Dimilia: Dorf im Landesinnere, Richtung Westen, mittig gelegen.
  • Embonas: Ortschaft im Landesinnere, mittig gelegen.
  • Apollona: Ortschaft im Landesinnere, mittig gelegen. 
  • Kameiros: Ortschaft an der Westküste der Insel; hier gilt Ausnahmezustand.
  • Atavyros: Ortschaft an der Westküste der Insel; hier gilt Ausnahmezustand.

Verheerende Waldbrände auf Rhodos: Können gebuchte Reisen kostenlos storniert werden? Das gilt

Laut geltenden Reiserecht darf der mit dem Veranstalter oder der Fluggesellschaft geschlossenen Vertrag dann kostenlos aufgekündigt werden, wenn sogenannte „außergewöhnliche Umstände“ vorliegen. Dazu zählen Naturkatastrophen, wie Erdbeben, Wirbelstürme oder eben auch Waldbrände. Früher wurde in diesem Zusammenhang im Tourismus auch gerne von „höherer Gewalt“ gesprochen. Dann erhalten Kunden ihr Geld für gebuchte Reisen zurück.

Eine Karte auf Google Maps, die die aktuelle Situation rund um die Waldbrände auf Rhodos zeigt.

Doch: „Die Voraussetzung ist, dass die Reise durch außergewöhnliche Umstände tatsächlich konkret beeinträchtigt ist“, erklärt Karolina Wojtal, Co-Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland. Das heißt, das Recht, von der Reise zurückzutreten, können Kunden nur Gebrauch machen, wenn die Waldbrände in unmittelbarer Nähe zum gebuchten Urlaubsort sind und dadurch das Hotel oder die Region direkte Beeinträchtigungen erfährt. Diese können laut Reisereporter Ascheregen oder Evakuierung sein. Auch entscheidend dafür sind amtliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes (Achtung: es bestehen relevante Unterschiede zwischen Reisehinweise, Sicherheitshinweise und Reisewarnungen).

Wer ein Hotel in Rhodos Stadt ganz im Norden der Insel gebucht hat, wo derzeit keine Warnungen bestehen, sollte nicht auf kostenlose Stornierungen hoffen. Auch wer noch etwas hin bis zu seinem Reisebeginn hat, kann rechtlich gesehen noch keine Ansprüche geltend machen. Startet die Reise nicht in den nächsten Tagen, sollte Ruhe bewahrt und die Lage abgewartet werden, rät Reisereporter.de. Möglich ist jedoch, dass sich Reiseveranstalter auf Anfragen kulant zeigen und ihren Kunden entgegenkommen.

Außergewöhnliche Umstände im Urlaubsort: Das gilt für Pauschal- und Individualreisen

Wichtig zu beachten ist, dass Reise nicht gleich Reise ist. Wer eine Pauschalreise über einen Urlaubsveranstalter gebucht hat, genießt deutlich mehr Rechte und Sicherheit als jene, die auf eigene Faust eine Reise zusammen gestellt haben. „Das Reiserecht bezieht sich nur auf Pauschalreisen“, sagt die Wojtal.

Wer allerdings eine sogenannte Individualreise nach Rhodos gebucht hat, also Flug und Unterkunft getrennt voneinander oder nur jeweils eines davon, der „bucht das Risiko mit“, so Wojtal. Diese müssten sich mit den Vertragsbedingungen des jeweiligen Anbieters (also der Airline, des Vermittlers der Unterkunft oder des Mietwagenverleihs) auseinandersetzen. Laut Reisereporter gilt jedoch in den meisten Fällen: „Wird ein Flug durchgeführt und steht eine Unterkunft zur Verfügung, kann nicht gebührenfrei storniert werden“.

Derzeit landen noch Maschinen auf dem Flughafen in Rhodos Stadt, um Urlauber in ihre Ferien zu bringen; auch aus Deutschland (Stand: Sonntagvormittag, 23. Juli). Laut dem griechischen Nachrichtenportal OEMA, setze TUI allerdings nun ihre Reisen nach Rhodos angesichts der größten Evakuierungsaktion, die es bislang in Griechenland gegeben habe, aus; zunächst bis Dienstag (25. Juli). Ein Video eines Twitter-Nutzers zeigt die vermeintliche Lage von Passagieren am Flughafen.

Waldbrände suchen Ferieninsel Rhodos heim: Was gilt für Touristen, die bereits vor Ort sind?

Wer bereits vor Ort ist, und dessen Urlaub nun von den Waldbränden beeinträchtigt wird, sollte sich mit der Reiseleitung vor Ort auseinandersetzen. In der Regel haben die jeweiligen Reiseveranstalter Ansprechpartner zu bestimmten Zeiten in den Hotels oder in den Regionen sowie am Flughafen.

In diesem Fall bestehen laut Reisereporter.de Entschädigungs- beziehungsweise Minderungsansprüche für Urlauber. Möglich ist, dass Reisende den vorzeitigen Rückflug selbstständig organisieren und in Vorkasse gehen müssen. Doch die Mehrkosten könnten – zumindest teilweise – geltend gemacht werden.

In einem Luxushotel in Lindos warten Touristen darauf aufgrund der Waldbrände auf Rhodos (Griechenland) evakuiert zu werden.

Oftmals berufen sich Urlauber auf ihre Reiserücktrittsversicherung. Bei außergewöhnlichen Umständen hilft diese aber in der Regel wenig. Denn: „In 99 Prozent der Fälle bezieht die sich nur auf die Person“, so die Expertin. Also in Fällen von Krankheit, Verletzungen oder familiären Notfällen.

Auch in anderen Teilen herrsche derzeit erhöhte Waldbrandgefahr, laut Reisereporter.de etwa auch auf der beliebten Urlaubsinsel Kreta. Zuletzt brannte es auch um die Hauptstadt Athen und in Gegenden der Peloponnes. In weiteren europäischen Urlaubsregionen haben die Menschen mit der Hitze zu kämpfen. (Romina Kunze)

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