VonMichelle Breyschließen
An bestimmten Tagen schließen fast alle Geschäfte in Kroatien. Dafür sorgt ein Gesetz seit Mai 2023. Gemeinden und Inseln versuchen es auszuhebeln.
München – Teure Preise, eine Storno-Welle von Urlaubern und Waldbrände aufgrund von extreme Hitze: Der Sommer in Kroatien ist für die Tourismusbranche turbulent. Nun sorgt ein neues Ladenschlussgesetz für Wirbel. Es verbietet in dem bei Deutschen beliebten Urlaubsland das Öffnen von Geschäften, Bäckereien und Märkten an Sonn- und Feiertagen. Erste Gemeinden und Inseln machen aber wohl Gebrauch von einem Schlupfloch.
| Land: | Kroatien |
| Hauptstadt: | Zagreb |
| Fläche: | 56.538 km² |
| Einwohner: | 3,89 Millionen (2021) |
Urlaub in Kroatien: Neues Gesetz sorgt für Chaos
Seit Mai 2023 gilt die neue Regelung. Und sie sorgte bereits für Chaos. Denn Geschäfte in Bahnhöfen sowie Tankstellen zählen zu den wenigen Ausnahmen, für die der Ladenschluss nicht gilt. So kam es am 5. August, einem nationalen Feiertag (Tag des Sieges), zu langen Schlangen, als sich Massen von Urlaubern vor Busbahnhöfen und Tankstellen anstellten. Das berichtete das Nachrichtenportal index.hr.
Mit dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt am Dienstag (15. August) droht abermals Chaos. Denn Geschäfte und Bäckereien müssen erneut schließen. Zahlungsmittel ist seit dem 1. Januar 2023 in Kroatien übrigens der Euro.
Neues Gesetz in Kroatien – ein Überblick
Das neue Gesetz gilt zwar auch für Sonntage, seine Wirkung entfaltet sich aber hauptsächlich an den gesetzlichen Feiertagen. Da jedes Geschäft in Kroatien nämlich selbst 16 Sonntage im Jahr festlegen darf, an denen es offen hat, fielen die Sonntage zunächst nicht so sehr ins Gewicht. Besonders in den Urlaubsgebieten entlang der Adriaküste nutzen die Geschäfte ihr Kontingent an offenen Sonntagen in der sommerlichen Touristensaison.
An gesetzlichen Feiertagen gibt es diese Möglichkeit jedoch nicht. Das bedeutet: Abgesehen von Geschäften in Flughäfen und Busbahnhöfen sowie Tankstellen bleibt alles geschlossen. Das neue Gesetz begründete die konservative Regierung in Zagreb mit den Erfordernissen eines Gleichgewichts zwischen Arbeit und Familienleben.
Urlaubsorte in Kroatien wollen neues Gesetz aushebeln
Die Reaktion von dutzenden Gemeinden an der Küste und auf den Inseln – darunter Split, Pula, Rovinj und Hvar – ist deutlich. Sie haben inzwischen einzelne Feiertage oder auch Sonntage zum Kirmes- oder Messetag erklärt. Damit hoffen sie, das neue Ladenschlussgesetz aushebeln zu können. Auch für Urlauber dürfte das von Vorteil sein.
Das Wirtschaftsministerium in Zagreb deutete am Wochenende jedenfalls bereits einen Rückzieher an. Der Gesetzgeber habe die Möglichkeit durchaus vorgesehen, dass Geschäfte an Kirmestagen geöffnet sein dürfen, lautete eine Stellungnahme des Ministeriums.
Ob Geschäfte an Sonn- und Feiertagen in Kroatien geöffnet haben oder nicht, dürfte einem Paar aus Oberösterreich aber wohl relativ egal sein. „Nie wieder Kroatien“ beschlossen die beiden, nachdem sie rund 20 Stunden aus dem Urlaub nach Hause gebraucht hatten. (mbr/dpa)
