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Die Twitter-Übernahme durch Elon Musk begleiten eine Menge beunruhigender Nachrichten: Dieses Mal geht es um den Umgang des Milliardärs mit seiner Belegschaft.
San Francisco – Der Twitter-Kauf von Elon Musk hatte in der Vergangenheit bereits wiederholt Fragen nach der Realitätsnähe des reichsten Mannes der Welt aufkommen lassen. Nun zeigt Musks Umgang mit seinen Angestellten, wie weit der neue Twitter-Chef tatsächlich von der Lebenswirklichkeit seiner Mitarbeiter entfernt ist: Aktuellen Berichten zufolge sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über ihre Zukunft im Unternehmen mittels E-Mail informiert werden.
Der Fall reiht sich nahtlos ein in einen Übernahmeprozess, der viele Beobachter erschrocken zurücklässt. Dafür kriegt Musk jetzt möglicherweise die Quittung: Offenbar wird das Unternehmen wegen der geplanten Entlassungen verklagt.
Übernahme von Twitter: Elon Musk will Arbeitnehmende via E-Mail über ihre Zukunft informieren
Es ist das bange Warten vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf Klarheit bezüglich der Zukunft ihres Arbeitsplatzes: Bei Twitter werden voraussichtlich 3700 Stellen gestrichen, damit könnte die Hälfte der Arbeitsplätze im Unternehmen wegfallen. Für Erschrecken sorgt in diesem Rahmen indes nicht nur der Stellenabbau an sich, sondern auch die Kommunikationsstrategie nach der Übernahme von Twitter: Elon Musk will, so heißt es laut US-Medien, seine Belegschaft mittels E-Mail über ihre Zukunft in Kenntnis setzen.
Verschiedene Zeitungen berichten laut der Nachrichtenagentur dpa, das Unternehmen hätte den Modus der Mitteilung in einer Rundmail bereits erläutert: Mitarbeitende, deren Stellen im Unternehmen erhalten bleiben, empfangen um 09:00 Uhr US-Westküstenzeit eine E-Mail auf ihrer Firmenadresse. Der Betreff der Nachricht soll „Ihre Rolle bei Twitter“ lauten. All diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, erhalten ebenfalls eine E-Mail – allerdings an ihre private Adresse: Dort sollen sie über weitere Schritte in Kenntnis gesetzt werden. Das Vorgehen hatte nicht nur in den USA für Bestürzen gesorgt.
Twitter unter Elon Musk wird wegen Entlassungswelle verklagt
Kampflos sollen die Stellen jedoch nicht aufgegeben werden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, wird Twitter unter Elon Musk wegen der Entlassungswelle verklagt. Bei einem Bundesgericht in San-Francisco soll eine Sammelklage gegen die geplanten Stellenstreichungen eingegangen sein, so die Agentur. Vorgeworfen wird Musk unter anderem, gegen kalifornisches Recht verstoßen zu haben, indem er die Entlassungen nicht ausreichend angekündigt habe.
Die Klage eingereicht, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter wissen, dass sie ihre Rechte nicht durch Unterschrift aufgeben sollten und dass sie eine Möglichkeit haben, ihre Rechte zu verfolgen“.
Der Spiegel zitiert die involvierte Anwältin Shannon Liss-Riordan mit den Worten, man habe die Klage „eingereicht, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter wissen, dass sie ihre Rechte nicht durch Unterschrift aufgeben sollten und dass sie eine Möglichkeit haben, ihre Rechte zu verfolgen“.
Wie der Twitter-Chef solche Mittel des Arbeitskampfes einordnet, stellte er in einem früheren vergleichbaren Fall bei Tesla unter Beweis: Eine ähnliche Klage von Tesla-Arbeiterinnen und Arbeitern hatte der Multimilliardär damals als „trivial“ abgetan, so Bloomberg. Damals waren die Ansprüche in einem Schiedsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt worden. Schon in diesem Fall hatte die zuvor zitierte Anwältin Shannon Liss-Riordan die Belegschaft gegen Elon Musk vertreten – nur eben bei Tesla.
Twitter-Profil löschen: Führt die Übernahme durch Elon Musk zu einem Exodus auf Twitter?
Derweil bleibt die Frage, ob die Übernahme durch Elon Musk zu einem Exodus auf Twitter führt. Es wird davon ausgegangen, dass der neue Chef diskriminierende Inhalte weniger streng moderieren lassen wird – bereits in den Stunden nach seiner Übernahme gab es ein Rassismus-Peak auf der Plattform. Viele Nutzer wollen das Netzwerk deshalb offenbar verlassen. Auch in den USA verkündeten einige Prominente bereits, sie wollten ihr Twitter-Profil löschen.
So erklärte unter anderem die Sängerin Toni Braxton: „Ich bin schockiert und entsetzt über einige der ‚freien Meinungsäußerungen‘, die ich auf dieser Plattform seit Ihrer Übernahme gesehen habe. Hassreden unter dem Deckmantel der ‚freien Meinungsäußerung‘ sind inakzeptabel. Daher entscheide ich mich, Twitter zu meiden.“ Ihrem Vorbild dürften viele folgen.
In Deutschland hatte SPD-Generalsekretärin Saskia Esken, die Twitter erst kürzlich ebenfalls verließ, zuletzt erklärt, Musk würde die Plattform „ganz sicher nicht zu einem gemeinnützigen Unternehmen machen“. Die verschiedenen aktuellen Berichte zeigen: Er tut das genaue Gegenteil.
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