Erdrutsch-Serie

Massiver Felssturz am Gardasee: Riesiger Fels donnert auf Autos – Uferstraße bis auf Weiteres gesperrt

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Ein tonnenschwerer Fels ist auf die Gardesana-Uferstraße am Gardasee gestürzt.
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Ein schwerer Felssturz hat sich an der Gardesana-Uferstraße am Gardasee ereignet. Mehrere Autos wurden getroffen. Die wichtige Straße ist bis auf Weiteres gesperrt.

Riva del Garda – Das Westufer des Gardasees ist vor allem zwischen Limone und Riva ein landschaftlicher Höhepunkt, der jährlich Hunderttausende von Touristen in seinen Bann zieht. Beinahe senkrecht fallen die Felswände in den See im Norden Italiens ab. Doch die spektakuläre Landschaft hat ihre Schattenseiten: In den vergangenen Monaten erschüttert eine Serie von Felsstürzen die Idylle.

Bergstürze, Erdbeben, Lawinen: Die größten Naturkatastrophen der Alpen

Der idyllische See ist heute ein beliebtes Ausflugsziel bei Garmisch-Partenkirchen.
Vor rund 4100 Jahren brachen oberhalb des Eibsees bei Garmisch-Partenkirchen 350 Millionen Tonnen Gestein aus der Zugspitze und der Riffelseewand. Die Felsmassen stürzten 1400 Meter in die Tiefe und schoben sich über den Eibsee bis an die gegenüberliegende Talwand, bis in 1260 Meter Höhe sind die Sedimente dort noch nachweisbar. Ein unbeschreibliche Katastrophe, der Bergsturz hatte die Gewalt von 220 Hiroshima-Bomben. Auch am Fernpass, am Achensee, am Tschirgant ereigneten sich solche Mega-Katastrophen.  © IMAGO/xleonid_titx
Die Route des karthagischen Feldherrn ist eines der großen Rätsel der Geschichte.
Als der karthagische Feldherr Hannibal im zweiten Punischen Krieg 218 v. Chr. mit seinen Elefanten durch die Alpen zog, verlor er geschätzt 18 000 Männer und Frauen sowie viele Tiere durch Lawinen und Felsstürze. Hannibal war zuvor mit seinem Heer von Marokko über Spanien und Südfrankreich gezogen. Trotz der Verluste fiel er nach der Alpenüberquerung in Italien ein und brachte beinahe das römische Reich zu Fall. Welchen Pass Hannibal benutzt hatte, ist immer noch Gegenstand der Forschung. ©  via www.imago-images.de
Im Frühmittelalter wurde der Genfer See Schauplatz einer Naturkatastrophe.
Am Genfer See verursachte im frühen Mittelalter ein Bergsturz einen verheerenden Tsunami. Die Katastrophe wurde 563 n. Chr. durch das Abrutschen eines Berghanges an einem verschwundenen Ort namens Tauredunum am östlichen Ende des Genfersees verursacht. Die riesige Mure an der Rhonemündung verursachte eine bis zu 15 Meter hohe Welle, die sich entlang des Sees ausbreitete. Sie spülte ganze Dörfer am Ufer hinweg. Die Stadt Genf wurde mit solcher Kraft getroffen, dass die Welle über die Stadtmauern schwappte und viele Einwohner tötete. © IMAGO/xcm2012x
Von der roten Wand am Dobratsch in den Gailtaler Alpen löste sich ein gigantischer Bergsturz.
Am Berg Dobratsch in Kärnten löste sich 1348 nach einem Erdbeben im benachbarten Friaul ein riesiger Bergsturz, bei dem bis zu 17 Dörfer begraben worden sein sollen. Die Felsmassen stauten die Gail auf, bis der durch den Bergsturz aufgeschüttete Damm brach und eine Flutwelle durch das Gailtal donnerte. Insgesamt sollen das Beben und die Flutwelle 23 Dörfer und 34 Burgen in Kärnten, dem Friaul und Slowenien zerstört haben. Auch in Bozen und Trient gab es Schäden, sogar im weit entfernten Passau stürzten zwei Kirchen teilweise ein, in München fielen Ziegel von den Dächern. Auch in Bologna und Mailand wurde das Beben gespürt. Insgesamt ist die Rede von rund 5000 Toten. Da gleichzeitig die Pest wütete, ist die Zuordnung der Todesursachen schwierig.  © IMAGO/Zoonar.com/Karin Jaehne
Der Bergbau hatte den Bergsturz vom Monte Conto verursacht. Das Dorf Piuro wurde verschüttet.
Das Bergdorf Piuro in der norditalienischen Lombardei wurde 1618 von einem Bergsturz verschüttet. Der unkontrollierte Abbau von Speckstein hatte den Berg Conto unterhöhlt. Zehn Tage Regen führten am 25. August, nach anderen Angaben am 4. September 1618 zu einem mächtigen Bergsturz, der das Dorf Piuro und den etwa 500 Meter höher liegenden Weiler Scilano unter hohen Gesteinstrümmern begrub. Der Fluss Mera wurde vorübergehend zu einem See gestaut. Die Angaben der Todesopfer schwanken zwischen 930 und 1200. Der Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian hatte mit dem Schriftsteller Martin Zeiller die Situation vor und nach dem Bergsturz in einem Kupferstich festgehalten. ©  via www.imago-images.de
Am Lauerzersee blieben die herabgestürzten Felsmassen liegen.
Der Bergsturz von Goldau im Schweizer Kanton Schwyz verschüttete 1806 die Dörfer Goldau, Röthen und kleinere Orte. 457 Menschen kamen ums Leben. Es war nach dem Basler Erdbeben 1356 mit bis zu 2000 Toten die bislang größte Naturkatastrophe der Schweiz in historischer Zeit. 40 Millionen Kubikmeter Nagelfluhgestein hatten sich von der Gnipenspitze gelöst und stürzten rund 1000 Meter ins Tal. Der Bergsturz breitete sich im Tal fächerförmig aus, brandete an der gegenüberliegenden Rigikette 100 Meter hoch und verschüttete insgesamt eine Fläche von rund 6,5 Quadratkilometern. 457 Menschen kamen ums Leben, 323 Stück Vieh wurden getötet, 111 Wohnhäuser, 220 Ställe und Scheunen sowie zwei Kirchen und zwei Kapellen wurden zerstört. Der Lauerzersee schrumpfte um ein Siebtel seiner Fläche. © Franz Xaver Triner / Gabriel Lory - helveticarchives.ch; Swiss National Library, Prints and Drawings Department/Wikipedia
Wikipedia/C. Koch, Schaffhausen - Ursprung unbekannt
Bei Bauarbeiten für ein neues Bahngleis auf einem Kai am Zugersee in Zug in der Zentralschweiz geriet am 5. Juli 1887 der ganze aus instabiler Seekreide bestehende Uferbereich ins Rutschen. Am Nachmittag stürzten am Ufer einige Gebäude in den See. Ein zweiter Uferabbruch ereignete sich am Abend, weitere Gebäude stürzten ins Wasser. Elf Menschen starben, etwa 650 Personen wurden obdachlos und 35 Gebäude wurden zerstört. Es entstand eine 150 Meter lange Bucht, die 70 Meter ins Land hinein reichte. Wenige Tage später ließen sich Schaulustige auf Schiffen zur Abbruchzone fahren. © Bei Arbeiten am Kai für eine Bahnlinie rutsche die ganze Vorstadt in den Zuger See.
Verschüttete Häuser in Blons im Lawinenwinter von 1953/54
Mitte Januar 1954 wurde das österreichische Bundesland Vorarlberg von einem Lawinenwinter heimgesucht. Ab dem 8. Januar fielen binnen 24 Stunden bis zu zwei Meter Neuschnee. Die großen Mengen konnten sich wegen der zuvor herrschenden hohen Temperaturen nicht mit dem Untergrund verbinden. In den drei Tagen gingen etwa 400 Lawinen ab, davon 150 Schadlawinen ab. Alleine in Blons im Großen Walsertal wurden 14 Höfe mit ihren 82 Bewohnern von von einer Staublawine verschüttet. 34 von ihnen starben. Auch im Montafon, im Klostertal und im Bregenzerwald gab es Tote. Insgesamt wurden 280 Personen verschüttet, von denen 125 ihr Leben verloren. © Helmut Klapper, Vorarlberger Landesbibliothek/wikipedia
Suchmannschaften suchen nach dem Staudammbruch von Vajont nach Überlebenden.
Der Dammbruch von Longarone am 9. Oktober 1963 wurde durch einen Bergrutsch verursacht, der in den Stausee der Vajont-Staumauer rutschte. Auf zwei Kilometer Länge brachen 270 Millionen Kubikmeter Gestein vom Monte Toc in Richtung See ab rutschten in den Stausee, der nur etwa die Hälfte des Volumens an Wasser fasste, das vom Berg als Gestein herab kam. Es gab eine gigantische Flutwelle, die mindestens 1917 Menschenleben vor allem im Dorf Longarone (Foto) forderte. Bereits am 4. November 1960 war es zu einem ersten Bergsturz gekommen, bei dem 700 000 Kubikmeter Lockergestein und Fels in den See stürzten, ohne große Schäden anzurichten. Proteste der Anwohner und Warnungen von Experten vor dem Vollstau des Sees wurden dennoch missachtet. © imago/United Archives International
Suchmannschaften graben im Schnee nach Überlebenden.
Eine Lawine überrollte am 15. Mai 1965 das damals noch als Hotel fungierende Schneefernerhaus an der Zugspitze. Zehn Menschen starben. Oberhalb des Hotels hatte sich sich eine Großlawine gelöst, deren Ausbruch sich von der oberen Stütze der Gipfelbahn in einem Bogen bis zum Grenzhäuschen und einer Länge von 300 bis 400 Metern erstreckte. Neun Personen wurden von den Aussichtsterrassen des Hotels bis zum Zugspitzplatt geschleudert. Sieben von ihnen starben, eine Person wurde von einem umgestürzten Kamin erschlagen. In der Bergbahn wurden zwei weitere Tote gefunden. 21 Menschen wurden schwer und etwa 80 mittel bzw. leicht verletzt. © Sammlung Blumenthal, Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen
Bei dem Erdbeben wurde mehrere Dörfer bei Udine verwüstet.
Am 6. Mai 1976 erschütterte um 20.59 Uhr ein mächtiges Erdbeben mit der Magnitude 6,5 die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien. Die Erdstöße dauerten eine Minute lang und waren bis nach Bayern zu spüren. Das Epizentrum des Bebens lag nördlich der Stadt Udine am Monte San Simeone, es forderte 989 Menschenleben. Etwa 80 000 Menschen in 77 Gemeinden waren von Zerstörungen betroffen, 45 000 Menschen wurden obdachlos. Die Orte Gemona, Venzone und Osoppo wurden zerstört. Im Dom von Gemona stürzten das rechte Seitenschiff und der Campanile ein, noch heute stehen die Säulen etwas schief und erinnern an den Wiederaufbau. Der Dom von Venzone wurde völlig zerstört. Ein zweites Beben am 15. September 1976 ließ viele zuvor beschädigte Häuser einstürzen. © imago stock&people
Die Lawinenkatastrophe von Galtür war eines der größten Unglücke seiner Art in Österreich.
Eine riesige Lawine zerstörte 20. Februar 1999 im Tiroler Ort Galtür mehrere Gebäude, 38 Menschen kamen ums Leben. Es hatte zuvor fast einen Monat ununterbrochen geschneit. Ab dem 27. Januar herrschten im Paznauntal Lawinenwarnstufen bis zur Stufe 5, die Silvretta Bundesstraße zwischen Pians und Galtür wurde ab dem 6. Februar immer wieder aus Sicherheitsgründen geschlossen. Hubschrauber brachten Lebensmittel. Neben den etwa 850 Einwohnern ungefähr 5000 Urlaubsgäste im Tal. Die Gemeinde Galtür lehnte eine Evakuierung ab. Gegen 16 Uhr überrollte eine große Lawine zahlreiche Häuser. Über 50 Menschen wurden verschüttet, von denen etwa 20 relativ rasch geborgen werden. Die Bergungsarbeiten waren sehr schwierig, sie dauerten eine Woche lang. © Hbf Minich/dpa
Ein gigantischer Steinschlag am Gotthard tötete zwei Autofahrer
Ein deutsches Ehepaar wurde am 1. Juni 2006 auf der Gotthard-Autobahn im Kanton Uri in der Zentralschweiz von einem gewaltigen Felsbrocken erschlagen, der auf ihr Auto stürzte. Der Wagen des aus Pforzheim stammenden Ehepaars ging in Flammen auf. Weitere Felsbrocken trafen mehrere Lastwagen, die auf einem Rastplatz standen. Deren schlafende Fahrer wurden jedoch nicht verletzt. Schweizer Fachleute vermuten, dass möglicherweise die lange Kälteperiode des vorangegangenen Winters ein Grund für das Unglück gewesen sein könnte. Drei Wochen später wurde die 40 mal 15 Meter große Felswand bei Gurtnellen, aus der sich die Brocken gelöst hatten, gesprengt. 5500 Kubikmeter Fels wurden dabei in Geröll verwandelt. © epa Keystone Sigi Tischler
Am unteren Ende des Gipfel-Gletschers der Punta Rocca brach eine Eislawine heraus
Ein Gletschersturz an der Marmolata riss am 3. Juli 2022 in den Dolomiten elf Bergsteiger in den Tod, acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Am Gipfelgletscher des zweithöchsten Gipfels der Marmolata, der Punta Rocca (3309 Meter), riss vermutlich aufgrund außergewöhnlich hoher Temperaturen und eindringenden Wassers ein Eisblock auf etwa 200 Meter Breite ab. Die Eis- und Gesteinsmassen stürzten auf die darunterliegende Normalroute zur Punta Penia, auf der zu diesem Zeitpunkt mehrere Seilschaften unterwegs waren. Bei den Toten handelt es sich um sechs Männer und drei Frauen aus Italien sowie zwei tschechische Bergsteiger. Unter den Verletzten befanden sich ein 67-jähriger Mann und eine 58-jährige Frau aus Deutschland. © IMAGO/Andrea Solero
Eine Mure hat die Karwendelbahn von Mittenwald nach Scharnitz bei Seefeld (Tirol) verschüttet.
Eine gewaltige Mure schloss am 1. September 2023 bei Seefeld (Tirol) den Zug der Mittenwaldbahn ein. Niemand wurde verletzt. Der Starkregen hatte an einem Geröllhang zwischen Scharnitz und Seefeld die Gesteinslawine ausgelöst. Der Zugführer der S6 Mittenwald-Innsbruck konnte nicht mehr stoppen und fuhr in die sich noch bewegende Mure hinein. Der Triebwagen der ÖBB wurde dabei gegen 19.30 Uhr aus dem Gleis geschoben und blieb stehen, er wurde fast komplett von den Geröllmassen eingeschlossen. Auch die Seefelder Bundesstraße wurde verschüttet. Die Aufräumarbeiten dauerten eine Woche lang. © ÖBB

Erdrutsch am Gardasee: Wie aus dem Nichts donnerte ein riesiger Fels auf die Straße

Am späten Freitagabend (8. März) stürzte an der Gardesana-Uferstraße zwischen Riva und Limone kurz vor der Einfahrt in einen Tunnel ein 20 Kubikmeter großer Felsbrocken auf Höhe der Abzweigung Ponalestraße auf die Fahrbahn. Die Ponalestraße führt zum Ledrosee. Auch einige am Straßenrand geparkte Autos wurden von Gesteinsbrocken getroffen und beschädigt. Da sich zu diesem Zeitpunkt kein mit Menschen besetztes Autos an der Stelle befand, wurde niemand verletzt.

Am Samstag inspizierte um 9 Uhr der geologische Dienst der Provinz Trient, auch per Hubschrauber, die Absturzstelle. Nach ersten Erkenntnissen wurde die Fahrbahn laut Provinzverwaltung von dem Felsbrocken getroffen, der sich von der darüber liegenden Mauer gelöst hatte.

Vorsorglich wurde ein angrenzendes Haus evakuiert. Außerdem wurde die Spezialfirma verständigt, die nach Abschluss der Untersuchung und wenn es die Sicherheitsbedingungen erlauben, sofort mit der Sprengung des Felsens und der Reinigung des Hangs und der Straße beginnen wird.

Wichtige Uferstraße am Gardasee ist bis auf Weiteres geschlossen – etliche Felsstürze in Italien

Die westlichen Gardesana bleibt zwischen die Riva del Garda und Limone zumindest an diesem Wochenende, an dem starke Regenfälle vorhergesagt werden, gesperrt, teilt die Provinz Trient in einer Mitteilung mit. Seit Monaten sorgen Felsstürze am Gardasee und auch in den angrenzenden Regionen in Norditalien für Unruhe.

Am nahe gelegenen Ledrosee würde kürzlich eine Straße von einem abgebrochenen Felsen komplett blockiert. Nahe des Gardasees ging eine Steinlawine auf die Gardesana-Straße nieder. Im nahen Valsugana wurden vor zwei Wochen Straßen, Schienen und ein Radweg von herabstürzenden Felsen getroffen. Viele Experten machen das sich ändernde Klima für die auffallend hohe Zahl an Felsstürzen verantwortlich. Starkregen spülen die Felsen frei, Permafrost in den Gipfelregionen taut auf, weiter unten sprengt der Wechsel zwischen Frost und Auftauen Steine und Felsen weg.

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