„International Shark Attack File“ 2023

Forscher „beunruhigt“ wegen zunehmender Hai-Attacken – was sind die Ursachen?

  • schließen

Hai-Attacken werden immer häufiger. Wissenschaftler beobachten die Angriffe auf Menschen genau. Eine aktuelle Statistik für 2023 liegt jetzt vor.

Gainesville – Schreckliche Szenen spielten sich im beliebten Urlaubsort Hurghada (Ägypten). Ein Hai attackierte einen Mann (23). Das Opfer schrie noch um Hilfe – vergeblich. Der tödliche Hai-Angriff vor den Augen von zahlreichen Badegästen schockierte. Im Sommer wurde der Strand von New York nach einem Hai-Biss in den Oberschenkel einer Frau zeitweise gesperrt. Diese Vorfälle sind im „International Shark Attack File“ (kurz ISAF) registriert. Für 2023 zeigt sich ein deutlicher Trend.

Die meisten Angriffe von Haien erfolgen durch Weiße Haie, Bullenhaie oder Tigerhaie.

Forscher „beunruhigt“ wegen zunehmender Hai-Attacke – was sind die Ursachen

Die Zahl der unprovozierten Haiangriffe ist 2023 im Vergleich zum vorherigen Jahr gestiegen. 2023 gab es demnach weltweit 69 „unprovozierte Hai-Angriffe“, zehn Menschen wurden dabei getötet. 2022 waren es mit 57 vergleichsweise wenig gewesen.

Die Datenbank der University of Florida sammelt seit 1958 Informationen über einzelne Hai-Attacken und Bisse. Über 6800 Vorfälle sind im „International Shark Attack File“ zurückreichend bis in die frühen 1500 Jahre abgedeckt. Der Jahresbericht konzentriert sich jedoch hauptsächlich auf sogenannte unprovozierte Angriffe. Unprovozierte Hai-Attacken sind laut der Pressemitteilung der University of Florida für die Untersuchung des Verhaltens von Haien am nützlichsten, um das natürliche Verhalten der Tiere zu verstehen.

Die Zahl von 2023 liege im Rahmen der „normalen Bisszahlen“, obwohl die Todesfälle „etwas beunruhigend“ seien, sagte Gavin Naylor, Direktor des Haiforschungsprogramms des Florida Museum of Natural History.

Was sind unprovozierte Hai-Attacken?

Laut dem „International Shark Attack File“ sind sogenannte unprovozierte Hai-Attacken Fälle, in dem ein Hai in seinem natürlichen Lebensraum angreift, ohne dass der Mensch ihn provoziert und der Hai auch nicht durch einen Köder angelockt wird.

„International Shark Attack File“ – Forscher zählen 2023 mehr Hai-Attacken als im Vorjahr

LandHai-Angriffe 2023tödliche Hai-Angriffe 2023
USA362
Australien154
Neu Kaledonien31
Brasilien30
Ägypten21
Bahamas11
Mexiko11
Süd Afrika20
Costa Rica10
Kolumbien10
Neuseeland10
Sychellen10
Galapagos10
Turks- und Caicosinseln10
weltweit6910

Quelle: International Shark Attack File, 2023

Eine ungewöhnliche Hai-Attacke am Urlaubsstrand in Spanien taucht jedoch in der Statistik nicht auf. Ein Blauhai griff im kniehohen Wasser Badegäste an. Die meisten Angriffe von Haien erfolgen durch Weiße Haie, Bullenhaie oder Tigerhaie.

Tödliche Hai-Attacken 2023 – Risiko für Surfer offenbar besonders hoch

Der Weiße Hai ist für die meisten Todesfälle im Jahr 2023 (drei in Australien und einer in Kalifornien) verantwortlich. Drei tödliche Hai-Attacken ereigneten sich in einem abgelegenen Surf-Revier vor der Küste Südaustraliens. Besonders tragisch: Ein 15-Jähriger wurde beim Surfen von einem Hai angegriffen und getötet.

Surfspots als Jagdrevier von Haien bekannt

Die für Surfer verlockende Region ist der Lebensraum für Robbenkolonien und bekannt für eine hohe Dichte an Weißen Haien, heißt es im ISAF-Bericht. Der Hai verwechselt den Mensch offenbar in seltenen Fällen mit seiner Beute. Es ist lebensgefährlich. Einem erfahrenen Surfer gelang jedoch ein spektakuläres Video.

„Wenn ein Weißer Hai hinter einer Robbe her ist und die Robbe das weiß, hat der Weiße Hai keine Chance“, erklärte Naylor. „Robben sind sehr beweglich, sodass die Einzigen, die erwischt werden, diejenigen sind, die an der Oberfläche herumtollen und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Und genau so sieht ein Surfer aus.“

Hai-Attacken ereigneten sich nach den Daten der Hai-Forscher 2023 am häufigsten beim Surfen und Schwimmen:

  • Surfen oder ähnliche Wassersportarten - 42 Prozent
  • Schwimmen und Waten - 39 Prozent
  • Schnorcheln und Tauchen - 6 Prozent

Das Risiko eines tödlichen Haiangriffs ist nach Ansicht der Experten zudem an ungesicherten Stränden höher. Falls es dann dort noch zu einem Hai-Biss kommt, gibt es im Notfall niemanden, der einen Druckverband anlegen kann, um Leben zu retten. Ein einzelner Biss von einem Weißen Hai oder von einem Tigerhai kann tödlich sein.

Weißer Hai zunehmend aggressiv? Mythos hält sich hartnäckig

Hai-Angriffe durch den Weißen Hai sind in den letzten Jahrzehnten sprunghaft gestiegen, erklären die Wissenschaftler. Haie sind aber nicht aggressiver geworden, betont das Florida Museum of Natural History, wo die International Shark Attack Files beheimatet sind. Mehr Angriffe bedeuteten, dass mehr Menschen Zeit im Wasser verbringen. Menschen halten sich in den natürlichen Lebensräumen der Haie auf, das führe zu einem Anstieg der Begegnungen mit den Tieren.

Steven Spielbergs Horror-Thriller „Der Weiße Hai“ aus dem Jahr 1975 ist zwar schon fast 50 Jahre her. Doch der Kinofilm hat das Image des Weißen Hai als Killer maßgeblich geprägt.

Vom Meeresgrund bis in die Savanne: Das sind die 10 größten Tiere der Welt

Blauwaal im Meer
Blauwal: Das größte Tier der Welt ist zweifelsohne der Blauwal. Er ist nicht nur eines der längsten, sondern auch eines der schwersten Tiere. Er kann bis zu 30 Meter lang werden und 200 Tonnen wiegen. Sein Herz ist so groß wie ein kleines Auto und er nimmt täglich knapp 4 Tonnen Nahrung zu sich. Der Blauwal kommt in allen Weltmeeren außer dem Nordpolarmeer vor. © Imago
Lange Nemertine im Meer
Lange Nemertine: Die lange Nemertine, auch Schnurwurm Lineus Longissimus genannt, ist ebenfalls ein Meeresbewohner. Sie kann über 30 Meter lang werden, hat aber nur einen Körperdurchmesser von etwa einem Zentimeter. Das längste Exemplar wurde 1864 an der schottischen Küste gefunden und maß 55 Meter. Die lange Nemertine kommt in den Brackwasserzonen von europäischen Meeren und im Atlantik vor. © Imago
Riesenkalmar im Stralsunder Meeresmuseum
Riesenkalmar: Der Riesenkalmar wird oft fälschlicherweise als Riesenkrake bezeichnet, gehört aber eigentlich zur Gattung der zehnarmigen Tintenfische. Sie werden bis zu 18 Meter lang und können ihre Farbe und Muster optisch ihrer Umgebung anpassen. Riesenkalmare kommen an den Küsten Englands, Norwegens, Japans, Australiens, Neuseelands und Südafrikas vor.  © Stefan Sauer/dpa
Portugiesische Galeere im Meer
Staatsquallen: Staatsquallen sind wie der Name schon sagt kleine Kolonien von Quallen, die fest miteinander verbunden sind. Sie können insgesamt bis zu 50 Meter lang werden und aus Tausenden von einzelnen Polypen bestehen. Die bekannteste Staatsqualle ist die Portugiesische Galeere, deren Tentakeln bei Kontakt ein Nervengift abgeben. Sie lebt hauptsächlich in den Meeren vor Portugal, den Kanaren und im Pazifik.  © Imago
Salzwasserkrokodil am Ufer
Salzwasserkrokodil: Das Salzwasserkrokodil kann nicht nur eine beachtliche Länge von über 6 Metern bekommen, es ist auch das Tier mit dem stärksten Kiefer der Welt. Weibchen können bis zu 100 Kilo, Männchen sogar bis zu 1000 Kilo schwer werden. Der korrekte Name für das Reptil lautet eigentlich Leistenkrokodil, denn es kann sowohl im Salzwasser als auch im Süßwasser überleben. Allerdings kommt es hauptsächlich in den nordwestlichen Regionen Australiens vor.  © Imago
Masai-Giraffe in der Natur
Giraffe: Die Giraffe ist nach der Körperhöhe das größte Landtier. Massai-Giraffen werden knapp 6 Meter groß und können bis zu 900 Kilo wiegen. Sie fressen ausschließlich Pflanzen und leben hauptsächlich in den östlichen Ländern Afrikas, wie Kenia oder Tansania.  © Imago
Elefant in der Savanne
Elefant: Nach der Giraffe ist der Elefant das größte Tier an Land. Afrikanische Elefanten werden bis zu 4 Meter große und wiegen sage und schreibe bis zu 7,5 Tonnen. Ihre Heimat ist die Savanne in Botswana, aber auch in Kenia, Namibia, Sambia oder Südafrika gibt es afrikanische Elefanten. Sie können Wasser bis auf 10 Kilometer riechen, was in der trockenen Umgebung ein überlebenswichtiges Merkmal ist.  © Imago
Vogelstrauß in der Natur
Vogelstrauß: Der Vogelstrauß ist nicht unbedingt das größte Landtier, dafür aber der größte Vogel der Welt. Er wird knapp 3 Meter groß, wiegt bis zu 140 Kilogramm und kann auf seinen zwei Beinen etwa 70 Kilometer die Stunde schnell rennen. Der Strauß ist in Afrika beheimatet und kommt besonders im Osten und Süden des Kontinents vor. Auf der arabischen Halbinsel und in Asien ist der Vogelstrauß ausgestorben.  © Imago
Japanische Riesenkrabbe im Meeresmuseum Stralsund
Japanische Riesenkrabbe: Ein weiteres Meerestier, das erwähnenswert ist: Die japanische Riesenkrabbe. Die Krebsart mit den bis zu 4 Meter langen Beinen scheint wie für den Aquaman-Film erfunden, ist aber ein reales Tier, das im Pazifik, vor allem rund um Japan vorkommt. Sie leben allerdings in Meerestiefen von bis zu 400 Meter, weshalb sie nur selten Begegnungen mit Menschen haben.  © Stefan Sauer/dpa
Süßwasserstechrochen im Meer
Riesen-Süßwasserstechrochen: Auch der Riesen-Süßwasserstechrochen ist ein großes Meereslebewesen. Diese Rochenart wird bis zu 2 Meter breit und 6 Meter lang und kann gut und gerne 600 Kilo wiegen. Riesen-Süßwasserstechrochen können 100 Jahre alt werden und gehören zu der Art der Fische. Sie kommen vor allem in einigen großen Flüssen Thailands vor sowie in Flüssen auf Borneo.  © Imago

Die Hai-Bisse im Sommer an den Stränden vor New York führen die Experten auf eine verbesserte Wasserqualität und damit größere Fischbestände zurück. Mehr Fische bedeutet oft auch mehr Haie, so die Wissenschaftler. „Die Angst ist groß, aber die Realität ist, dass man viele Menschen an einem heißen Tag mit Köderfischen ins Wasser bringt“, so Gavin Naylor.

So können Sie eine Hai-Attacke oder Hai-Biss vermeiden

Das Risiko eines Hai-Angriffs ist laut dem Florida Museum of Natural History sehr gering. Die Wahrscheinlichkeit, von einem Hai angegriffen zu werden, liegt bei weniger als 1 zu 4 Millionen. Doch es gibt einfache Tipps, um Begegnungen mit einem Hai zu vermeiden: Bleiben Sie in Gruppen, halten Sie sich in Ufernähe auf, gehen Sie nicht in der Morgen- und Abenddämmerung schwimmen, gehen Sie nicht mit einer offenen Wunde ins Wasser, auch sollten Sie Schmuck ablegen und plantschen Sie nicht übermäßig im Wasser.

Das Jahr 2024 hat zwar gerade erst angefangen, doch auf den Bahamas ist eine deutsche Urlauberin offenbar Opfer eines Hai-Angriffs geworden.(ml)

Rubriklistenbild: © Oceanphoto/Imago

Kommentare