VonPatrick Huljinaschließen
Nach der Erdbeben-Katastrophe in der Türkei und in Syrien ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 47.000 gestiegen. Indes bebte die Erde erneut.
- Erneute Erdbeben in der Türkei: Zwei Wochen nach den verheerenden Beben gab es in der Türkei zwei weitere Beben der Stärke 6,4 und 5,8.
- Zwei Wochen nach schweren Erdbeben: Baerbock und Faeser reisen am Dienstag in die Türkei.
- 13 Tage nach katastrophalen Erdbeben: Türkei stellt Suche nach Überlebenden in fast allen Provinzen ein.
- Dieser News-Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen zum Erdbeben in der Türkei und in Syrien gibt es hier.
Update vom 20. Februar, 20.55 Uhr: Knapp zwei Wochen nach den folgenschweren Beben in der Türkei und Syrien hat es in der Südosttürkei erneut gebebt. Das Beben war Medienberichten zufolge auch in den umliegenden Provinzen, im Norden Syriens, in Israel, im Irak und im Libanon zu spüren. In mehreren Orten nahe der Stadt Aleppo seien erneut Häuser eingestürzt, sagte eine Sprecherin der Hilfsorganisation SAMS. In mindestens vier Kliniken der Organisation seien neue Opfer eingetroffen - darunter ein Kind mit Herzstillstand, das reanimiert werden konnte.
„Viele Menschen haben ihre Häuser verlassen und ziehen durch die Straßen in Angst, dass weitere (Erdbeben) folgen werden“, darunter auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus, schrieb die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) für die Region, Rula Amin, bei Twitter.
In der Türkei sind in Folge der Beben mindestens acht Menschen verletzt worden. Es habe bisher 20 Nachbeben gegeben, sagte der türkische Vize-Präsident Fuat Oktay am Montagabend. Bei der zuvor erteilten Tsunami-Warnung habe es sich um eine Standardprozedur gehandelt, die Warnung werde nun aufgehoben.
Erneute Erdbeben in der Türkei: Erdogan will schon im März mit dem Wiederaufbau beginnen
Update vom 20. Februar, 19.25 Uhr: Etwa zwei Wochen nach den ersten Beben in der Türkei hat es im Südosten der Türkei erneut zwei Erdbeben der Stärke 6,4 und 5,8 gegeben. „Alles ist eingestürzt, alles!“, lautete eine Meldung aus dem Gebiet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor einen schnellen Wiederaufbau der stark zerstörten Provinz Hatay angekündigt. Er betonte erneut, dass die Regierung ab März mit dem Wiederaufbau auch in anderen Provinzen beginnen wolle.
„Unsere zerstörten Zivilisationswerte, allen voran unser Hatay Parlamentsgebäude, werden wir getreu ihrer ursprünglichen Form wieder aufbauen und die beschädigten restaurieren“, sagte er. Alleine in der Provinz Hatay seien mehr als 40 000 Häuser geplant, in der Provinz Kahramanmaras mehr als 45 000. Beim Wiederaufbau werde man die Bodenqualität berücksichtigen und wenn möglich, Siedlungen von der Ebene in Richtung Berge verlagern, sagte der Präsident.
Nach schweren Erdbeben: Türkei nimmt Social Media Nutzer fest – wegen „provokativer“ Beiträge
Update vom 20. Februar, 16.03 Uhr: Die türkische Polizei hat im Zusammenhang mit Beiträgen in sozialen Medien nach dem schweren Erdbeben 131 Nutzer festgenommen. Sie hätten „provokative“ Beiträge geteilt, „mit dem Ziel, Angst und Panik unter der Bevölkerung zu verbreiten“, teilte die Polizei am Montag mit. Um welche Beiträge es sich genau handelte, war unklar. 25 der Festgenommenen seien verhaftet worden.
Bereits wenige Tage nach dem Beben vor zwei Wochen hatte es mehrere Festnahmen wegen Beiträgen in den sozialen Medien gegeben. Ein Großteil der klassischen Medien steht in der Türkei unter Kontrolle der Regierung. Soziale Medien sind in der Türkei ein wichtiger Kanal zur alternativen Informationsgewinnung, einige Beiträge sind aber schwer zu verifizieren. Zwei Tage nach dem Beben vom 6. Februar war Twitter in der Türkei zwischenzeitlich gesperrt gewesen. Oppositionelle warfen der Regierung vor, damit auch Kritik am Krisenmanagement unterdrücken zu wollen.
Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Anlaufschwierigkeiten bei der Rettung eingeräumt, warf denjenigen, die kritisieren, dass zu spät Hilfe angekommen sei, aber Verbreitung von Lügen vor.
Nach schweren Erdbeben: Wasserversorgung laut türkischer Regierung vielerorts repariert
Update vom 20. Februar, 15 Uhr: Die Trinkwasser-Infrastruktur ist nach Angaben der türkischen Regierung in den elf betroffenen Regionen zu 98 Prozent wieder hergestellt – mit Ausnahme schwer beschädigter Gebiete. 79 Anlagen wie Reservoirs, Pumpstationen oder Wasserleitung seien demnach repariert worden.
Zwei Wochen nach schweren Erdbeben: Baerbock und Faeser reisen am Dienstag in die Türkei
Update vom 20. Februar, 13.25 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) besuchen am Dienstag das Erdbebengebiet im Südosten der Türkei. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin sagte, wollen die Ministerinnen mit ihrem Besuch den Menschen vor Ort ihre „Solidarität und Unterstützung versichern“ und sich ein „genaues Bild der Lage“ machen. Baerbock und Faeser besuchen demnach unter anderem den für Hilfsgüterlieferungen wichtigen Flughafen Gaziantep und die besonders stark getroffene Region rund um die Stadt Kahramanmaras.
Erdbeben in der Türkei und Syrien: Zahl der Erdbeben-Toten steigt auf mehr als 47.000
Update vom 20. Februar, 6.16 Uhr: Türkische Medien sprechen oft von der „Katastrophe des Jahrhunderts“, doch das wahre Ausmaß wird erst nach und nach deutlich. Insgesamt fast 47.000 Tote wurden inzwischen registriert, mehr als 41.000 allein in der Türkei.
Allein in Syrien seien 8,8 Millionen Menschen von den Folgen betroffen, schrieb die stellvertretende UN-Syrienbeauftragte Najat Rochdi am Sonntag auf Twitter. In Syrien war die Lage für viele Menschen schon vor den Beben verheerend. Laut UN benötigten schon zuvor mehr als 15 Millionen Menschen irgendeine Form von Hilfe.
Der Afad-Vorsitzende Yunus Sezer schätzt, dass mehr als 1,2 Millionen Menschen die betroffene Region in der Türkei verlassen haben. Über eine Million Menschen seien derzeit in Notunterkünften. Das betroffene Erdbebengebiet in der Türkei ist ungewöhnlich groß. Nach Angaben aus dem Forstministerium erstreckt sich das betroffene Gebiet über eine Fläche von 103.000 Quadratkilometern, auf der 13,5 Millionen Menschen leben. Das entspricht 17 Prozent der Gesamtbevölkerung der Türkei.
Auch die Nato beteiligt sich an den Hilfsaktionen und bereitet in der Türkei den Aufbau eines Camps mit Notunterkünften für mindestens 4000 Menschen vor. Ein Frachtschiff mit 600 Containern dafür habe am Sonntagabend den Hafen der italienischen Stadt Tarent verlassen, teilte ein Bündnissprecher mit. Es solle im Laufe der Woche in der türkischen Stadt Iskenderun ankommen.
US-Außenminister Blinken in der Türkei: Hilfen auf 185 Millionen Dollar aufgestockt
Update vom 19. Februar, 20.46 Uhr: Die Zahl der Menschen, die in der Türkei durch das Erdbeben getötet worden sind, ist auf 41.020 gestiegen. Das teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad am Sonntagabend laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit. In Syrien sind bisher rund 5900 tote Menschen in Zusammenhang mit den verheerenden Beben gezählt worden. Die Zahl wird jedoch nur unregelmäßig aktualisiert. Insgesamt sind damit in beiden Ländern fast 47.000 Menschen ums Leben gekommen.
US-Außenminister Antony Blinken machte sich am Sonntag zusammen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu ein Bild von der Zerstörung in der schwer vom Erdbeben betroffenen Provinz Hatay. Blinken erklärte, dass die US-Regierung die Erdbebenhilfe für die Türkei und Syrien um weitere 100 Millionen US-Dollar (rund 93 Millionen Euro) aufstocke. Damit hätten die USA nun insgesamt 185 Millionen Dollar zugesagt.
Die Hilfe solle den Erdbebenopfern in der Türkei und in Syrien zugutekommen. Von dem Geld sollen Hilfsgüter wie Medikamente, Decken, Zelte und warme Kleidung gekauft werden. Außerdem solle damit die Versorgung mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen, aber auch Bildung für Kinder gewährleistet werden.
13 Tage nach katastrophalen Erdbeben: Türkei stellt Suche nach Überlebenden in fast allen Provinzen ein
Update vom 19. Februar, 14.47 Uhr: In der Türkei sind die Rettungseinsätze in fast allen von dem schweren Erdbeben betroffenen Provinzen eingestellt worden. Lediglich in insgesamt rund 40 Gebäuden in den Provinzen Kahramanmaras und Hatay laufe die Suche nach möglichen Überlebenden weiter, sagte der Chef des türkischen Katastrophenschutzes, Yunus Sezer, am Sonntag.
Tausende Menschen werden noch in den Trümmern vermisst. Ihre Überlebenschancen sind angesichts niedriger Temperaturen und der fortschreitenden Zeit verschwindend gering. Einem Rettungsteam war es am Samstag dennoch gelungen, zwei weitere Menschen in der Türkei lebend aus den Trümmern zu bergen (siehe Erstmeldung).
Im Zusammenhang mit den schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien am 6. Februar 2023 sind mehr als 46.000 Menschen ums Leben gekommen.
- 40.689 Todesopfer sind bislang am Sonntag (19. Februar) laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde Afad gemeldet worden.
- In Syrien sind bisher 5.900 tote Menschen in Zusammenhang mit den verheerenden Beben gezählt worden. Diese Zahl wird jedoch nur unregelmäßig aktualisiert.
Kein Trinkwasser, keine sanitären Anlagen: Angst vor Seuchen wächst im Erdbebengebiet
Update vom 19. Februar, 10 Uhr: In der Türkei und in Syrien kämpfen die Menschen mit den verheerenden Auswirkungen der schweren Erdbeben. Unter den Trümmern liegen noch Leichen. Tausende sind obdachlos geworden. In einigen Regionen hausen Erdbebenopfer in unbeheizten Zelten, es gibt kein fließendes Wasser oder sanitäre Anlagen. Im völlig zerstörten Antakya etwa berichten Menschen, laut der Nachrichtenagentur dpa, dass sie ihre Notdurft draußen verrichten müssen.
Ärzte warnen bereist vor dem Ausbruch von Seuchen in der Türkei und Syrien. Besonders in Syrien sei die Lage schwierig. Im Nordwesten seien die Menschen aufgrund von Krieg und Vertreibung seit langem medizinisch unterversorgt, sagt die stellvertretende Vorsitzende von Ärzte ohne Grenzen, Parnian Parvanta.
„Schon vor den Erdbeben gab es in dieser Region Fälle von Cholera.“ Laut UN gibt es derzeit in Nordwestsyrien 47.000 Verdachtsfälle sowie 20 Todesfälle, die womöglich im Zusammenhang mit Cholera stehen. Im vergangenen Jahr starben in Syrien Dutzende an der Durchfall-Erkrankung.
Die Erdstöße haben Ärzte ohne Grenzen zufolge Krankenhäuser und Sanitäranlagen zerstört. Deshalb gebe es an vielen Orten Probleme bei der Wasseraufbereitung. Die vielen noch immer nicht geborgenen Leichen könnten zudem das Wasser verunreinigen, warnt Thomas Geiner, erdbebenerfahrener Mediziner und Teil des Teams der Katastrophenhelfer vom Verein Navis. Auch in der Türkei werden noch Tausende Tote in den Trümmern vermutet. Die Behörden versuchen sie, auch mit Hilfe aus Deutschland, so schnell wie möglich zu bergen.
Nach Erdbeben in der Türkei und Syrien: Türkische Regierung ruft Immobilien-Besitzer auf, Wohnraum bereitzustellen
Update vom 19. Februar, 7.41 Uhr: Die türkische Regierung ruft Immobilien-Besitzer zur Bereitstellung von Wohnraum für die Erdbebenopfer auf. Eigentümer von leerstehenden oder ungenutzten Wohnungen und Häusern können über eine eigens hierfür eingerichtete Internetseite ihren Wohnraum entweder kostenlos oder zu einem günstigen Mietpreis zur Verfügung stellen, wie Vize-Präsident Fuat Oktay im Staatssender TRT mitteilte.
Voraussetzung für die wohltätige Hilfe ist, dass die Wohnung für mindestens drei Monate zur Verfügung gestellt wird. Laut Oktay sollen die örtlich zuständigen Behörden feststellen, ob die bereitgestellten Wohnungen und die Mietpreise angemessen sind. Bei der Zuteilung der Wohnungen sollen besonders bedürftige Menschen vorrangig behandelt werden, so etwa Menschen mit Behinderungen, Ältere oder chronisch Kranke.
Vize-Präsident Oktay warnte gleichzeitig davor, die durch die Erdbebenkatastrophe entstandene hilflose Lage der Betroffenen durch überhöhte Mieten auszunutzen. Er kündigte an, eine solche Praxis nicht zu dulden und Menschen entsprechend zur Rechenschaft zu ziehen.
Neues Erdbeben der Stärke 5,3 im Südosten der Türkei – zwölf Tage nach der Katastrophe
Erstmeldung vom 18. Februar 2023
Istanbul – Zwölf Tage nach den verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat am Samstagabend (18. Februar) erneut ein starkes Beben den Südosten der Türkei erschüttert. Das Erdbeben mit der Stärke 5,3 sei etwa um 22.31 Uhr Ortszeit (20.31 MEZ) in der Gemeinde Göksun registriert worden, teilte die Erdbebenwarte Kandilli am Abend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte die Stärke des Bebens auf 5,0. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad eine Stärke von 5,1.
Die Gemeinde Göksun befindet sich in der Provinz Kahramanmaras, die von der Erdbebenkatastrophe im syrisch-türkischen Grenzgebiet betroffen ist. Ob durch das Beben am Samstagabend Schäden entstanden oder Menschen verletzt worden sind, war zunächst nicht bekannt.
Zwölf Tage nach Katastrophe: Erdbeben der Stärke 5,3 im Südosten der Türkei
Vor zwölf Tagen hatte ein Beben der Stärke 7,7 die Südosttürkei erschüttert, Stunden später folgte ein zweites schweres Beben der Stärke 7,6. Die Zahl der bestätigten Toten in der Türkei und Syrien steigt immer noch – bislang wurden mehr als 46.000 Tote bestätigt (Stand: 18. Februar).
Alleine in der Türkei ist die Zahl der Toten laut der Katastrophenschutzbehörde Afad inzwischen auf 40.642 gestiegen. In Syrien sind bisher rund 5900 tote Menschen in Zusammenhang mit den verheerenden Beben gezählt worden. Die Zahl wird jedoch nur unregelmäßig aktualisiert. Zehntausende wurden zudem verletzt, Millionen sind von den Auswirkungen der heftigen Erdstöße betroffen.
Erdbeben in der Türkei und Syrien: Berichte über Rettungen auch nach 296 Stunden
Die Berichte über Rettungen aus der Türkei reißen derweil noch immer nicht ab. Aus den Trümmern eines eingestürzten Wohnhauses in Antakya sollen Helfer drei Menschen geborgen haben, darunter ein Kind. Sie seien 296 Stunden verschüttet gewesen, berichtete der staatliche Sender TRT. Der Bericht konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Das zwölf Jahre alte Kind habe jedoch trotz medizinischer Behandlung nicht überlebt, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mit. Den Angaben zufolge handelte es sich bei den drei Personen um einen Mann, eine Frau und ihr gemeinsames Kind. Auf einem Video war zu sehen, wie die Helfer den Mann und die Frau per Trage zu einem Krankenwagen brachten und Mediziner das Kind behandelten.
Erdbeben in der Türkei: Experten warnen vor Nachbeben
Experten vom türkischen Katastrophenschutz erklärten bereits im Nachgang der schweren Erdbeben, dass sie starke Nachbeben erwarten. Bisher habe es laut Afad mehr als 4700 davon gegeben. Ein Experte riet sogar von Wiederaufbau türkischer Städte an derselben Stelle ab. „Über kurz oder lang“ würden weitere, starke Erdbeben die Region treffen, sagte Prof. Dr. Marco Bohnhoff vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur. Auch in Istanbul ist ein schweres Erdbeben laut Experten „überfällig“.
Die aktuellen Erdbeben beunruhigen Bürger über die Grenzen der Türkei und Syrien hinaus. Wo in Europa sind Erdbeben noch wahrscheinlich? In den Ländern auf dem Balkan wächst derzeit die Sorge vor einer Naturkatastrophe. In Kroatien ereignete sich am vergangenen Donnerstag (16. Februar) ein Erdbeben in einer Urlaubsregion – die Erschütterungen waren wohl bis nach Bayern zu spüren. (ph/dpa)
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