Titanic-Tauchboot wirkt „improvisiert“: Ehemalige Passagiere verraten Details zur „Titan“-Tauchkapsel
VonMoritz Bletzinger
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Sie waren schon an Bord der „Titan“-Tauchkapsel: Zwei ehemalige Titanic-Touristen beschreiben, wie es an Bord aussieht. Und schätzen die Lage ein.
München – David Pogue und Mike Reiss kennen das vermisste U-Boot von innen. Der CBS-Journalist und der TV-Schreiber waren mit der Tauchkapsel „Titan“ bereits am Wrack der Titanic. Am Sonntag (18. Juni) ging das Mini-U-Boot bei einem weiteren Tauchgang verloren. Seitdem fehlt jede Spur.
Passagier-Kapsel mit Bolzen versiegelt: Ehemaliger Titanic-Tourist sagt, „Titan“-Crew ist eingesperrt
„Es gibt kein Backup, keine Rettungskapsel“, sagt Journalist Pogue der BBC: „Es gilt: Komm an die Oberfläche oder stirb.“ Die Passagierkammer sei mit Bolzen versiegelt, ohne Hilfe von außen gebe es keine Möglichkeit, zu entkommen. Das heißt: Auch, wenn das U-Boot nicht auf dem Meeresgrund liegt, müssen die Insassen ausharren, bis sie gefunden werden. Aktuell befinden sich fünf Menschen an Bord.
TV-Autor Mike Reiss und CBS-Journalist David Pogue (r.) waren bereits an Bord der Tauchkapsel „Titan“: Sie ist jetzt bei einem Titanic-Tauchgang im Atlantik verschollen.
Die „Titan“ verfüge über sieben Funktionen, um wieder aufzutauchen. Dass bislang scheinbar keine davon funktioniert habe, bewertet Pogue als „sehr beunruhigend“. Sollte die Tauchkapsel ein Leck haben oder unter Wasser eingeklemmt sein, wären alle Notfall-Funktionen irrelevant.
Die Bilder zum Drama um das Titanic-U-Boot: Das letzte Foto der „Titan“ – und die ersten Trümmer
„Wenn es unten am Grund liegt, weiß ich nicht, wie es jemand erreichen soll, geschweige denn, es nach oben bringen“, sagte TV-Schreiber Reiss. Er sei „nicht optimistisch“, dass der Vorfall ein glückliches Ende finde. Ähnlich sieht das ein U-Boot-Experte vom University-College in London.
Titanic-Tauchboot „wirkt improvisiert“: US-Autor berichtet von Xbox-Controller und alten Baurohren
Pogue selbst war dreimal in der „Titan“, bei allen drei Tauchgängen soll die Kommunikation mit dem Mutterschiff abgebrochen sein. So lange war der Journalist aber nie verschollen, einmal waren es drei Stunden. Er befürchtet, die Tauchkapsel könnte im aktuellen Fall weit weg vom Einstiegspunkt sein. Er erklärt: „Wenn sich das Unterstützungsschiff direkt über dem Tauchboot befindet, können sie kurze Textnachrichten hin und her schicken. Offensichtlich bekommen sie darauf keine Antwort mehr.“
Ganz vertraut habe er der Tauchkapsel vor dem ersten Einstieg nicht, sagt Pogue. Er beschreibt das U-Boot als „gewissermaßen improvisiert“. „Man lenkt das U-Boot mit einem Xbox-Controller, Teile des Ballasts sind alte Baurohre.“ Der Erfinder und OceansGate-Chef Stockton Rush hätten ihm aber versichert, dass die Karbonfaser-Hauptkapsel in Zusammenarbeit mit der Nasa und der Universität von Washington entworfen wurde und „felsenfest“ sei. (moe)