Gesundheitsminister in der Kritik

„Vollkommen lebensfremd“: Wie Lauterbachs geplante Klinikreform abgewatscht wird

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) strebt eine große Klinikreform an. Seine Pläne werden jedoch als „vollkommen lebensfremd“ kritisiert.
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2023 strebt Karl Lauterbach (SPD) eine große Klinikreform an. Doch die Pläne des Gesundheitsministers schmecken nicht jedem. Der Vorwurf von „Planwirtschaft“ steht im Raum.

Berlin – Karl Lauterbach (SPD) hat es nicht leicht. Der Gesundheitsminister sieht sich immer wieder mit Anfeindungen, Bedrohungen und Kritik der unterschiedlichsten Form konfrontiert. Mal fordern Kinderärzte den Rücktritt Lauterbachs, mal werden etwaige Reformen des Gesundheitsministers durch den verbalen Fleischwolf gedreht.

Öffentliche Kritik, die mitunter sogar in Bedrohungen gegenüber Lauterbachs Kindern umschlagen könnte, wie der Sozialdemokrat unlängst verriet. In der neuesten Episode von „Karl Lauterbach gegen den Rest der Welt“ muss sich der SPD-Politiker reichlich Kritik an seiner geplanten Klinikreform gefallen lassen. Diese sei „vollkommen weltfremd“.

Karl Lauterbach (SPD) plant 2023 große Klinikreform: Gesundheitsminister erntet viel Kritik für Vorhaben

Thomas Lemke, Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), geht Böller-Gegner Karl Lauterbach für seine Reformvorschläge scharf an. „Allein von unseren 53 Kliniken wären bei der Lauterbach-Reform die Hälfte in Gefahr“, sagte Lemke im Gespräch mit der Bild am Sonntag. Doch seien nicht nur private Häuser, sondern auch kommunale Krankenhäuser bedroht.

Laut Lemke würde es schon jetzt einen Versorgungsmangel im stationären Bereich in Deutschland geben. So seien nur noch 60 Prozent der Klinik-Kapazitäten am Netz. „Wir haben heute schon Wartelisten, Tumor- und Herz-Operationen werden wochenlang geschoben“, merkte der DKG-Vizepräsident an.

„Vollkommen lebensfremd“: Lauterbachs geplante Klinikreform erzürnt DKG-Vizepräsident

Zum Hintergrund: Lauterbach plant eine Einteilung der Krankenhäuser in verschiedene Kategorien. Diese sollen festlegen, welche Behandlungen eine Klinik in Zukunft noch abrechnen darf. Dafür hat Lemke kein Verständnis. „Vollkommen lebensfremd. Herzlich willkommen in der Planwirtschaft“, so der auch als Vorstandsvorsitzende vom Klinikbetreiber Sana agierende Lemke.

Er ist sogar der Ansicht, dass Lauterbach jedem „Chefarzt in Stuttgart oder im Allgäu zentral vorschreiben“ wolle, „wie er was zu operieren hat, welche Prothese oder Herzklappe er nehmen darf und welche gerade nicht, wie er sein Personal und seine Mittel einsetzen soll“.

„Kliniken wie in der DDR“: Reichlich Gegenwind für Karl Lauterbachs großes Vorhaben

Nach Lauterbachs kontrovers diskutierten Reformplänen sollen kleine Krankenhäuser künftig von Pflegekräften geleitet werden. Dort finden dann allerdings auch keine Operationen mehr statt. Damit werde laut Lemke nur versucht, das Ausmaß des Kahlschlags zu kaschieren. „Das wären keine Kliniken mehr, sondern eher bessere Altenheime oder Landambulatorien wie seinerzeit in der DDR“, hieß es in diesem Kontext vom DKG-Vizepräsidenten. Der Gegenwind für Lauterbachs Pläne lässt also auch 2023 nicht nach.

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