VonMartina Lipplschließen
Tirol und Südtirol sind erneut von schweren Unwettern getroffen worden. Eine gewaltige Gewitterfront zog über Österreich und Italien.
Sulden – Starkregen und schwere Sturmböen fegten am Dienstagabend (15. August) über Südtirol (Italien) und Tirol (Österreich) hinweg. Im Westen und Osten gingen zahlreiche Muren ab. Bäche verwandelten sich in Naturgewalten. Schlamm und Geröll bahnten sich ihren Weg ins Tal.
Unwetter in Südtirol: Sogar Brücke wird von Wassermassen mitgerissen
Der Rosimbach im Dorf Sulden staute sich auf fünf bis sechs Metern Höhe auf, berichtet der italienische Nachrichtensender RAI. In kurzer Zeit waren bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. Die Folgen verheerend: Der sonst eher kleine Bach schwoll an, führte Gestein und Erdmassen und riss einfach mehrere Brücken mit. Die Mure soll dabei eine Breite von bis zu 100 Metern gehabt haben. In Italien musste am 13. August ein Dorf wegen einer Schlammlawine evakuiert werden.
Südtirol: Schwere Unwetter verwandeln Bach in Naturgewalt
Bis zu 8.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll führte der Rosimbach mit, so ein Pressesprecher des Bergrettungsdienstes Sulden. Wie sich der Bach unaufhaltsam durch die Landschaft pflügt, ist auf Videos der Feuerwehr Südtirol zu sehen.
Am frühen Abend zog eine Gewitterfront mit Starkregen und Sturmböen durchs Land und die Feuerwehren sind in den betroffenen Ortschaften (Video aus Suldrn 🎥 Privat ) bereits zu mehreren Einsätzen ausgerückt! 🚒 ⛈ pic.twitter.com/v8w8RwXpSl
— LFV Südtirol 🚒 UVF Alto Adige (@LFVSuedtirol) August 15, 2023
Unwetter in Südtirol: Bergrettung muss Wanderer aus Notlage in Sicherheit bringen
In Südtirol gingen in Sulden, Martell, Lüsen, dem Gadertal und dem Ahrntal Muren ab. Die Feuerwehren waren gefordert. Fünf Wanderer saßen wegen der Geröllmassen in Sulden fest, berichtet RAI. Der Weg ins Tal war für die Gruppe unerreichbar. Die Bergrettung Sulden eilte ihnen zur Hilfe. In Martell brachte die Freiwillige Feuerwehr vier Personen aus dem vermurten Bereich in Sicherheit. In Lüsen waren laut Medienberichten rund 200 Menschen ohne Strom.
Südtiroler Wetterexperte erklärt Unwetter-Phänomen
Der Südtiroler Landesmeteorologe Dieter Peterlin warnte auf Twitter: „In der schwülheißen Luft entstehen heute einige Gewitter, die aufgrund des geringen Höhenwindes nur langsam weiterziehen. So können in kurzer Zeit große Regenmengen zusammenkommen, wie vor kurzem in Sulden Madritsch mit über 50 l/m2 innerhalb nur einer Stunde.“ In Südtirol wurden laut dem Meteorologen innerhalb von drei Stunden 1500 Blitze gezählt.
Das extreme Wetter bleibt Südtirol in den nächsten Tagen offenbar erhalten. „Wir sind am Anfang der letzten großen #Hitzewelle des Sommers 2023“, twittert Peterlin. In den kommenden Tagen prognostiziert der Wetterexperte Höchstwerte um 35 Grad. Dabei donnerte in Südtirol bereits Riesen-Hagel vom Himmel. Lokalreporter warnten vor lebensgefährlichen Geschossen. In der Nähe von Jesolo soll sogar schon ein Tornado gesichtet worden sein. Videos vom Wetter-Phänomen sind spektakulär.
Unwetter sorgten auch in Tirol für Schäden
Schwere Gewitter sorgten in Tirol für Überflutungen, Murenabgänge und Hangrutsche, berichtet das österreichische Wetterportal wetter.at. Im Stubaital wurde nach den heftigen Gewittern eine Brücke in Fulpmes von den Wassermassen mitgerissen.
Im Kaunertal ging gegen 15 Uhr eine Mure auf der Höhe der „Rödgarten“-Rinne auf die Kaunertaler Gletscherstraße ab, berichtet die österreichische Polizei. „Fahrzeuge oder Personen wurden nicht verschüttet“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Straße sei gegen 19 Uhr wieder geräumt worden. Ein Bach im Bereich der Oberiss-Alm verwandelte sich in einen reißenden Strom. 17 Menschen konnten den Oberrissbach nicht mehr überqueren, teilte die Polizei mit. Die Bergrettung und Feuerwehr brachten sie ins Tal.
In Kirchbichl (Kufstein) stürzte ein Baum wegen des Unwetters um und traf ein fahrendes Auto. Der 18-jährige am Steuer des Wagens wurde leicht verletzt. Am Auto selbst entstand laut Polizei schwerer Sachschaden. Auch in Deutschland sorgen gleich mehrere Unwetter für Schäden. (ml)

