Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

„Hurrikan der Superlative“: Europas Wetter steht wegen Wirbelmonster vor gefährlicher Wende

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Melissa bringt Windgeschwindigkeiten über 200 km/h und bis zu 1000 Liter Regen pro Quadratmeter. Europa droht extremes Wetter. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Hurrikan Melissa hat sich in den letzten Stunden rasant verstärkt. Aus einem tropischen Sturm wurde ein Wirbelmonster der höchsten Kategorie. Böen über 200 km/h fegen über den Atlantik, meterhohe Wellen türmen sich auf. Satellitenbilder zeigen ein fast perfektes Auge – ein untrügliches Zeichen für enorme Energie. Besonders bedrohlich sind jedoch nicht allein die Windgeschwindigkeiten, sondern die Regenmengen: Das europäische Wettermodell rechnet mit bis zu 1000 Litern pro Quadratmeter binnen weniger Tage. Zum Vergleich: In Deutschland fallen im gesamten Jahr durchschnittlich rund 800 Liter.

Katastrophale Regenfälle durch Hurrikan Melissa. Regional können bis zu 1000 Liter Regen fallen.

Ein Hurrikan der Superlative: Regenfluten von historischem Ausmaß drohen

Dabei ist die Hoffnung nach dem ersten Schnee des Winters auf einen milden Novemberstart groß. Dann soll es bis zu 24 Grad warm werden können. Doch die schiere Menge an Wasser, die Melissa mit sich führt, sprengt alle bisherigen Rekorde. Sollte der Hurrikan seine Feuchtigkeitsreserven Richtung Norden schleppen, drohen in betroffenen Regionen katastrophale Regenfälle. Zum Vergleich: Während der Ahrtalflut 2021 kamen in zwei Tagen rund 200 Liter Regen vom Himmel – Melissa bringt ein Vielfaches davon. Besonders gefährdet wären Küsten- und Bergregionen, wo orografische Hebung die Regenmengen noch zusätzlich verstärken könnte.

Überschwemmungen, Erdrutsche und massive Schäden an der Infrastruktur wären die Folge. Experten warnen: Selbst wenn der Sturm Europa nicht direkt trifft, könnten seine Ausläufer schwere Unwetter auslösen. Das Auswärtige Amt warnt bereits Urlauber auf diversen karibischen Inseln.

Kann sich zu „Hybridsturm“ umwandeln: Gefahr für Europa wächst

Noch zieht Melissa nicht in Richtung der US-Küste, sondern steuert nordöstlich auf den offenen Atlantik. Doch genau das macht ihn für Europa interessant. Bleibt sein Kern über dem Meer, kann er sich zu einem sogenannten „Hybridsturm“ umwandeln – ein Übergangssystem zwischen Hurrikan und außertropischem Tief. Solche Systeme haben in der Vergangenheit mehrfach das europäische Wetter auf den Kopf gestellt. Die Energie, die Melissa in die Atmosphäre pumpt, kann Jetstreams umlenken und Druckgebilde über dem Atlantik destabilisieren. Das wiederum beeinflusst, wie Tiefs und Hochs in den kommenden Wochen über den Kontinent ziehen.

Hurrikan Melissa könnte zum Auslöser einer Wetterwende werden

Noch ist offen, welchen Weg Melissa genau nimmt. Sicher ist nur: Sein Einfluss auf das europäische Wetter wird spürbar sein. Modelle zeigen, dass er die Westwindzone kräftig anheizen könnte – mit Folgen bis nach Mitteleuropa. Möglich sind stürmische Tage, anhaltender Regen und ein abruptes Ende des milden Herbstwetters. Meteorologen beobachten die Entwicklung mit Sorge. Denn was auf dem Atlantik passiert, bleibt selten dort. Melissa könnte zum Auslöser einer Wetterwende werden, deren Auswirkungen wir in den kommenden Wochen in ganz Europa spüren.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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