Von Helena Gries
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In Alaska richtet eine Gletscherflut enorme Schäden an. Wassermassen eines Flusses reißen ganze Häuser mit sich. Ein neuer Pegelrekord ist gebrochen.
Juneau – Das fortschreitende Schmelzen der Gletscher aufgrund der Klimaerwärmung hat zum Teil gravierende Auswirkungen , die immer deutlicher werden. Jedes Jahr gehen 335 Milliarden Tonnen Gletschereis verloren. Besonders stark betroffen ist Alaska. Dort hat die Natur nun wieder ihre Kräfte bewiesen.
Der Mendenhall-Gletscher in Alaska schmilzt. Doch die Auswirkungen sind in diesem Jahr schlimmer als bislang. Ein Gletscherbruch hat jetzt dazu geführt, dass die Pegel von Flüssen und Seen dramatisch anstiegen und diese teilweise über die Ufer traten. Der Mendenhall River in Alaska ist dadurch zu einem reißenden Strom geworden und hat mehrere Häuser und Bäume mit sich gerissen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP „Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden. Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden. © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa Gletscherflut in Alaska: Fluss schwillt an und tritt über die Ufer Der Mendenhall River in Alaska ist durch die Gletscherflut mehr und mehr angeschwollen. In Videos ist zu sehen, wie der Fluss sich seinen Weg bahnt und immer mehr von den Ufern mitreißt. Bäume und Häuser bleiben nicht verschont.
Bei einer Gletscherflut in Alaska haben die Wassermassen eines Flusses Wohnhäuser mit sich gerissen.
© Screenshot Instagram @twowildhearts
In den sozialen Medien verbreiten sich Videos von den dramatischen Szenen. „Dies war die schlimmste Flut dieser Art in der Geschichte von Juneau Alaska“ schreibt ein Instagram-User unter sein Video. Mit einer Drohne wurde der Mendenhall-River gefilmt, als sich der Fluss zum reißenden Strom entwickelt und ein Wohnhaus in der Stadt Juneau mit sich reißt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Alaskas Hauptstadt Juneau wurden aufgerufen, sich bis auf Weiteres vom Flussufer fernzuhalten. Der Strom im Südosten von Alaska verbindet den Mendenhall Lake mit der Bucht Fritz Cove sowie dem Golf von Alaska und wird vom Schmelzwasser des Mendenhall-Gletschers gespeist.
Alaska erwärmt sich doppelt so schnell wie Rest der USA: Pegelrekorde gebrochen Wie Fachleute berichten, übertraf der Gletschersee den bisherigen Wasserstandrekord. Der Flusspegel überstieg den im Jahr 2016 gemessenen Rekordwert um 91 Zentimeter. Klimaforschenden zufolge erwärmt sich Alaska doppelt so schnell wie der Rest der USA .
Der Wasserstand am Mendenhall River in Alaska ging schließlich am Sonntagmorgen (6. August) rapide zurück. Die Hochwasserwarnung blieb jedoch noch in Kraft, wie der Nationale Wetterdienst (NWS) mitteilte. Aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels sei eine Zunahme an solch extremen Wetterbedingungen zu erwarten. (hg)
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