VonSandra Sporerschließen
Die Lage zwischen Mallorca-Touristen und der Bevölkerung ist zunehmend angespannt. Viele Einheimischen können sich das Leben dort kaum noch leisten.
Palma – „Das ist kein gutes Leben“, sagt José de las Heras aus Mallorca ernüchtert in einem Tagesthemen-Beitrag. Der ehemalige Busfahrer ist inzwischen in Rente – und muss in einem Wohnwagen leben. Eine Wohnung kann er sich auf der Urlaubsinsel, seiner Heimat, nicht leisten. Zu teuer. Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Dass die einheimische Bevölkerung sich das Leben auf Mallorca zunehmend finanziell nicht mehr stemmen kann, liegt nicht zuletzt an den stetig wachsenden Touristenströmen, die die Insel jedes Jahr begrüßt.
Tourismus auf Mallorca wird zum Problem: Insel zu teuer für viele Bewohner – mit heftigen Folgen
Immer mehr Urlauber bedeutet auch immer mehr Hotels, Ferienwohnungen und andere Unterkünfte. Und somit weniger – und teurer – Wohnraum für die Bevölkerung. Hinzu kommen steigende Preise für Essen und andere Dinge des täglichen Bedarfs sowie die zunehmende massive Beeinträchtigung der Umwelt durch die Urlauber. Die Naturschutzgruppe Asociación Tinerfeña de Amigos de la Naturaleza (ATAN) beschrieb die Entwicklung auf der Insel laut CNN als „ökologischen und sozialen Zusammenbruch“. Ganz zu schweigen von den Party-Exzessen am Ballermann, die nun mehr und mehr unterbunden werden.
Von alledem hat die Bevölkerung nun endgültig genug. Sie geht auf die Straße. Mit Bannern wie „Touristen, geht heim!“ oder auch „Mallorca steht nicht zum Verkauf!“ protestierten die Einheimischen unter anderem Ende Mai gegen den Massentourismus und seine Folgen. Sogar der Maklerverband Abini, der von den hohen Immobilienpreisen eigentlich profitiert, sprach seine Solidarität mit den Protestierenden aus. Und bezeichnete den Massentourismus auf der Insel als „unhaltbar“.
„Es ist an der Zeit, ein Umdenken zu fordern“ – Mallorca-Einwohner fordern Eindämmung des Tourismus
Dies war jedoch keineswegs der einzige Protest dieser Art. Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu Kundgebungen dieser Art. Die Bevölkerung Mallorcas will, dass der Tourismus künftig eingeschränkt wird. „Es ist an der Zeit, ein Umdenken zu fordern“, erklärte die Umweltschutzgruppe Ecologists in Action bei CNN anlässlich eines Protests im April 2024.
Ob die Proteste Erfolg haben, bleibt abzuwarten. Immer mehr Reiseziele sehen sich allerdings gezwungen, harte Regeln für Urlauber und die Tourismusbranche zu erlassen. So muss in Italien etwa vielerorts für Strände, bestimmte Sehenswürdigkeiten oder ganze Städte Eintritt gezahlt werden. Und in Japan wurde eine beliebte Touristenattraktion fast komplett für Besucher gesperrt. (sp)
Rubriklistenbild: © Clara Margais/dpa

