„Tourists go home!“: Massenproteste auf Mallorca – Mehr als 10.000 Menschen gehen auf die Straße
VonKarolin Schaefer
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Es war wohl die größte Kundgebung jemals auf Mallorca: Tausende gingen auf die Straßen der Mittelmeerinsel und lehnten sich gegen den Massentourismus auf.
Palma – Müllberge, Wohnungsknappheit und Verkehrschaos: Einheimische auf Mallorca kämpfen seit Jahren mit den Folgen des Massentourismus. Davon haben sie jetzt genug, vor allem am Ballermann. Tausende protestierten am Samstagabend (25. Mai) in den Straßen von Palma gegen den Exzesstourismus.
Proteste gegen Massentourismus auf Mallorca: Größte Kundgebung jemals
Die Protestaktion fand unter dem Motto „Mallorca steht nicht zum Verkauf“ statt. Nach Polizei-Schätzung sollen rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen sein. Die Organisatoren sprachen von 25.000 Teilnehmenden. „Tourists go home!“ und „Wo werden meine Kinder leben?“ schrien die Menschen während der Demo. Die Regionalzeitungen Diario de Mallorca und Última Hora sprachen von der größten Kundgebung, die es jemals auf der Ferieninsel gegeben habe.
„In unserem Viertel sind die Preise unerschwinglich. Für weniger als 700.000 Euro kann man nichts kaufen. Es gibt nur noch wenige Mallorquiner. In meiner Straße gibt es keinen einzigen Spanier“, klagte eine Anwohnerin aus dem Stadtteil Gènova gegenüber Ultima Hora. „Die Preise sind exorbitant, es ist sehr schwierig für uns, überhaupt etwas zu finden“, schilderte dagegen eine Einheimische, die in s‘Arenal lebt.
Nicht nur Familien mit Kindern, Studierende sowie Rentnerinnen und Rentner nahmen an dem Protest teil. Auch Gewerkschaften, Umweltschutzgruppen und verschiedene Bürgerinitiativen schlossen sich an. Dazu hatte die kürzlich gegründete Organisation „Banc de Temps de Sencelles“ aufgerufen, die auf die Folgen des Massentourismus aufmerksam macht.
„Unhaltbar“: Proteste auf Mallorca gegen Massentourismus erst am Anfang
Die vergangenen Proteste seien dabei nur der Anfang gewesen. Auch auf den Kanaren gab es zuletzt Proteste. Sollte die Balearenregierung nicht gegen den Wohnungsnotstand vorgehen, sollen weitere Demos folgen, berichtete Das Inselradio Mallorca unter Berufung auf die Organisatoren. Sie kündigten auch an, den Flughafen in Palma lahmzulegen.
Dabei protestieren die Anwohnerinnen und Anwohner nicht gegen den Tourismus an sich, sondern die Auswirkungen des Massentourismus. Davon profitiere nur eine Minderheit, während die Mehrheit der Einheimischen unter schlecht bezahlten Jobs, Wohnungsnot, Staus, Lärm und Schmutz leidet. Auch Immobilienmaklerinnen und -makler, die eigentlich von den hohen Preisen profitieren, unterstützen die Protestierenden. Der Druck des Massentourismus sei „unhaltbar“, Wohnraum „unzugänglich“, so der Maklerverband Abini.
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„Wir können es sehr gut nachvollziehen“: Reisende zeigen Verständnis für Mallorca-Proteste
Dass eine Veränderung und Begrenzung der Ströme von Touristinnen und Touristen hermuss, weiß auch die Politik. „Das Modell hat seine Grenze erreicht“, sagte die amtierende Regionalpräsident Marga Prohens. „Der Erfolg im Tourismus führt nicht zu Wohlstand für die Bürger.“ Auch einige Urlauberinnen und Urlauber zeigten Verständnis. „Wir können es sehr gut nachvollziehen, dass die Leute hier genug haben, wir haben die drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen gesehen, das wäre uns auch zu viel“, sagte ein deutscher Reisender der Mallorca Zeitung. Zuletzt verbot die Regierung öffentliches Trinken am Ballermann.