Mehr Geld behalten

2000 Euro extra Rente unter Merz-Regierung: Experte erklärt mit Rechnung optimalen Nutzen

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Rentner können künftig mehr Geld behalten, wenn sie im Ruhestand weiterarbeiten. So profitieren sie von den Plänen der schwarz-roten Koalition.

München – Wenn es nach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht, sollen Rentner länger arbeiten. Einen konkreten Plan, wie er sie dazu bewegen kann, gibt es schon: Die sogenannte Aktivrente soll ab 2026 finanzielle Anreize bieten, über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus im Berufsleben zu bleiben. Versprochen werden steuerfreie Extra-Zahlungen in Höhe mehrerer tausend Euro, die als Teil des Rentenpakets der schwarz-roten Koalition beschlossen wurden.

Weiterarbeiten statt Ruhestand: Rentner bekommen unter Merz-Regierung 2000 Euro steuerfrei extra

Das Kernstück der Aktivrente ist eine großzügige Steuerbefreiung: Rentner, die nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeiten, können ab Januar 2026 bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Diese Regelung gilt zusätzlich zur regulären Rente und stellt keine staatliche Zusatzzahlung dar, sondern eine steuerliche Entlastung auf das eigene Erwerbseinkommen. Ein Missverständnis hatte dahingehend zuvor für Verwirrung gesorgt.

Was ist die Aktivrente?

Die von der schwarz-roten Koalition geplante Aktivrente soll ältere Menschen motivieren, über das reguläre Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten. Ab 2026 dürfen sie bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei zur regulären Rente dazuverdienen – ohne dass das Renteneinkommen gekürzt wird. Abgezogen werden nur Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Die Regelung gilt nur für Rentner, die die reguläre Altersgrenze erreicht haben.

Die Aktivrente richtet sich ausschließlich an Personen, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben. Diese liegt derzeit bei 66 Jahren und zwei Monaten und steigt schrittweise auf 67 Jahre für die Jahrgänge 1963 und jünger an. Die Pläne der Merz-Regierung treffen auf eine Bevölkerung, die ohnehin schon aus Sorge vor Altersarmut plant, über den Ruhestand hinaus erwerbstätig zu bleiben. Laut einer Umfrage sind mehr als die Hälfte (54,3 Prozent) bereit, länger zu arbeiten.

Experte rechnet vor: So können Rentner von der Aktivrente profitieren

Steuerfrei schön und gut, aber wie können Rentner das meiste aus der Aktivrente der Merz-Regierung machen? Andreas Irion, stellvertretender Präsident des Verbandes der Rentenberater, hat für das Nachrichtenportal Focus Online konkrete Beispielrechnungen durchgeführt.

Rente für Auswanderer: Die begehrtesten Länder für Deutsche im Ruhestand

Den ersten Platz belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner.
Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner den ersten Platz als Auswanderland für Ruheständler. (Stand 31.12.2023) Besonders beliebt sind die Metropolen Wien, Salzburg und Innsbruck. Für Deutsche ist das Nachbarland vergleichsweise mit geringen Hürden verbunden, schließlich müssen sie keine neue Sprache erlernen. © SEPA.Media/IMAGO
An andere Berechtigte wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen getätigt.
An Renten-Berechtigte aus anderen Ländern wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen nach Österreich getätigt, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. Kein Wunder, schließlich kürte die Unternehmensberatung Mercer Wien im Jahr 2023 zur lebenswertesten Stadt weltweit.  © Zoonar/IMAGO
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Zahlungen das zweitbeliebteste Land.
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Renten-Auszahlungen das zweitbeliebteste Land für Ruheständler. Die Höhe der bezogenen deutschen Rente ändert sich zwar nicht, wer in der Schweiz lebt. Aber Portale mit Informationen zum Auswandern in die Schweiz weisen auch daraufhin: Für einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz müssen Deutsche, die nicht der EU/EFTA-Staaten angehören, eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. © Panthermedia/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Beteiligte sind jedoch im Vergleich zu anderen Ländern mit knapp 34.000 wenig.
Zahlungen an ausländische Rentner, die in der Schweiz leben, sind jedoch im Vergleich mit knapp 34.000 wenig. Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind deutlich höher als beispielsweise in Deutschland. © Imagebroker/IMAGO
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Das drittbeliebteste Land.
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Damit ist es laut der Statistik der deutschen Rentenversicherung das drittbeliebteste Land. Deutsche Rentner können in Spanien von günstigeren Lebenshaltungskosten profitieren. © Westend61/IMAGO
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an andere ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt.
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt. Eine hohe Zahl – das milde Klima und die vielfältigen Landschaften locken Auwandernde. © NurPhoto/IMAGO
Auf dem vierten Platz landet Amerika mit knapp 21.000 deutschen Zahlungen.
Auf dem vierten Platz landen laut Rentenatlas die USA mit knapp 21.000 deutschen Rentenzahlungen. Die wichtigste Voraussetzung für ein Leben dort: eine Aufenthaltsgenehmigung. Es existiert kein Rentenvisum für die Vereinigten Staaten, wie americandream.de erklärt. Eine Green Card ermöglicht einen dauerhaften Aufenthalt. © Pond5 Images/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind in Amerika bei rund 43.000.
Zahlungen an ausländische Berechtigte liegen laut Deutscher Rentenversicherung in den USA bei rund 43.000. Durch die englische Sprache sind die USA für viele niederschwelliger als andere Länder – das US-Gesundheitssystem ist allerdings komplex und Krankheiten können teuer werden. © Zoonar/IMAGO
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner.
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner, wie die Statistik zeigt. Wie „Connexion Emploi“ beschreibt, ist eine Aufenthaltserlaubnis nicht zwingend erforderlich, kann aber beantragt werden.  © blickwinkel/Imago
Die Zahl an anderen ausländischen Berechtigten betragen in Frankreich knapp 88.0000.
Die Zahl an ausländischen Rentner betragen in Frankreich knapp 88.0000. Mehr also als in der Schweiz oder den USA. © Propaganda Photo/IMAGO
Urlauber müssen sich in den Niederlanden nächstes Jahr auf eine mögliche Änderung einstellen.
In die Niederlande gingen 2023 knapp 10.000 Zahlungen an Deutsche, womit das Land auf Platz sechs rutscht. © Manngold/Imago
Dagegen gingen in diesem Land knapp 59.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte.
Für ausländische Rentner sind die Niederlande aber offenbar attraktiv: Laut der deutschen Rentenversicherung werden 59.000 Zahlungen dorthin geleistet. © SOPA Images/IMAGO
Nach Kanada gingen rund 7.900 Zahlungen an deutsche Rentner.
Nach Kanada gingen rund 8000 Zahlungen an deutsche Ruheständler, wie die deutsche Rentenversicherung berichtet. Es gibt laut kanadischer Einwanderungsbehörde verschiedene Einwanderungsmöglichkeiten für Rentner, unter anderem Express Entry, Provincial Nominee Program und Familiensponsoring. Für Rentner könnten auch das Business/Investor Programs oder das Self-employed Program infrage kommen. Das Super-Visum berechtigt für einen Aufenthalt für fünf Jahre. © Cavan Images/IMAGO
An andere Berechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen.
An ausländische Rentenberechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen nach Kanada. © Addictive Stock/IMAGO
Die Zahlungen an deutsche Berechtigte in Italien waren bei rund 7.800.
Ein anderes Nachbarland zu Deutschland zieht Rentner deutlich weniger an: Nach Italien werden laut Rentenversicherung rund 8000 Renten ausgezahlt.  © Bihlmayerfotografie/IMAGO
Die Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind hier vergleichsweise mit knapp 349.000 am Höhepunkt.
Im Gegensatz zu den Deutschen ist Italien bei Rentnern anderer Länder durchaus attraktiv. Die Zahlungen an ausländische Berechtigte sind hier mit knapp 349.000 vergleichsweise am Höhepunkt. © Steinsiek.ch/IMAGO
Nach Polen wurden rund 6.000 Zahlungen an deutsche Berechtigte geleistet.
Nach Polen wurden rund 6000 Zahlungen an deutsche Rentner geleistet. Laut Deutscher Rentenversicherung muss einmal jährlich ein Lebensnachweis erbracht werden. © NurPhoto/IMAGO
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte in Polen.
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an ausländische Renten-Berechtigte in Polen, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. © Dreamstime/IMAGO
In die Türkei gingen knapp 4000 Zahlungen an deutsche Berechtigte.
In die Türkei gingen nur knapp 4000 Zahlungen an deutsche Rentner. Bei einem Aufenthalt länger als 90 Tage ist ein Visum erforderlich. © NurPhoto/IMAGO
Im Gegensatz dazu gingen rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner.
Im Gegensatz zu deutschen Ruheständlern gingen aber rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, sich vor dem Umzug in die Türkei beraten zu lassen, um mögliche Probleme zu vermeiden. © Zoonar/IMAGO
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung knapp 3000 Zahlungen gegangen.
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung nur knapp 3000 deutsche Rentenzahlungen gegangen. Griechenland hat eine lange Geschichte wirtschaftlicher Krisen, was für Rentner ein Unsicherheitsfaktor sein könnte. © NurPhoto/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte gab es rund 90.000.
Zahlungen an andere ausländische Renten-Berechtigte gab es rund 90.000.  © Imagebroker/IMAGO
Nach Kroatien wurden wiederum knapp 1500 Zahlungen geleistet, womit Kroatien unter mit unter die drei letzten Plätze fällt.
Kroatien ist zwar eines der Top-Urlaubsländer für Deutsche – doch Ruheständler zeiht es nicht so sehr zum Auswandern dorthin, wie in andere Länder. Gerade einmal 1500 Rentenzahlungen werden laut Rentenatlas dorthin geleistet. Kroatien fällt damit unter die drei letzten Plätze.  © Pixsell/IMAGO
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz.
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz. Immerhin: Etwa 41.000 Zahlungen an ausländische ausgewanderte Rentner flossen laut Deutscher Rentenversicherung in das Land. © Despositphotos/IMAGO
Mit 333 Rentenzahlungen (Stand 31.12.2023) an Deutsche gehen laut der deutschen Rentenversicherung die wenigsten nach Bosnien Herzegowina.
Bosnien Herzegowina bildet mit nur 333 Rentenzahlungen an Deutsche das Schlusslicht. Laut der Deutschen Rentenversicherung gehen aber etwa 37.500 Rentenzahlungen an ausländische Rentner. © Capital Pictures/IMAGO

Ein Rentner mit einem Gehalt von 3000 Euro brutto möchte 2026 in Rente gehen – und mit der Aktivrente trotz Teilzeit so viel Netto haben wie zuvor. Seine reguläre Nettorente liegt bei rund 1200 Euro, ihm fehlen also 850 Euro zum früheren Einkommen. Um diese Lücke zu schließen, müsste er mit der Aktivrente nur rund 950 Euro dazuverdienen – steuerfrei, aber mit Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung in gewohnter Höhe. Mit weniger als zwei Arbeitstagen pro Woche hätte er damit genauso viel Geld zur Verfügung wie vor dem Renteneintritt, zumindest so lange er weiterarbeitet.

Arbeitende Rentner können sich mit der geplanten Aktivrente unter der Merz-Regierung auf 2000 Euro steuerfrei extra freuen. (Symbolbild)

Ein zweiter Rentner möchte möglichst früh, mit 63 Jahren, in Rente gehen und reduziert dafür seine Arbeitszeit – trotz Abschlägen. Weil die Aktivrente erst ab dem regulären Rentenalter greift, muss er deutlich mehr arbeiten als im ersten Beispiel, um sein Nettogehalt zu erreichen: rund 1690 Euro brutto monatlich, also 56 Prozent seines früheren Gehalts. Der höhere Betrag ergibt sich, weil er Steuern und sämtliche Sozialabgaben zahlen muss. Zwar bringt ihm das später eine Rentenerhöhung von etwa 100 Euro, jedoch bleibt seine Rente niedriger, weil die Abschläge nicht ausgeglichen werden.

Demografischer Wandel: Ist die Aktivrente die Lösung?

Die Einführung der Aktivrente ist eine direkte Antwort auf den demografischen Wandel in Deutschland. Der Fachkräftemangel und die Belastung der Rentenversicherung durch eine alternde Gesellschaft erfordern neue Lösungsansätze. Das Rentenpaket der Merz-Regierung zielt darauf ab, das Rentenniveau zu stabilisieren und gleichzeitig Anreize für längere Erwerbstätigkeit zu schaffen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will sogar noch einen Schritt weiter gehen.

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Die neue Aktivrente ergänzt die bereits bestehende Flexirente der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Während bei der Flexirente Frührentner beliebig viel hinzuverdienen können, ohne dass ihre Rente gekürzt wird, bietet die Aktivrente zusätzliche steuerliche Vorteile für Rentner, die weiterarbeiten wollen. Allerdings profitieren von Letzterer primär Personen, die gesundheitlich und beruflich in der Lage sind, über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. (cln)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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