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Kremlchef Wladimir Putin wird sein Öl immer schwieriger los. Sanktionen verscheuchen wichtige Handelspartner. Mit russischem Öl beladene Tanker dümpeln auf See.
Moskau – Die jüngsten Sanktionen haben Kremlchef Wladimir Putin ein Öl-Problem beschert. Russland hat bislang Profite durch den Verkauf von Öl gemacht, weil sich noch große Abnehmer fanden, wie China und Indien. Seitdem US-Präsident Donald Trump aber Sanktionen gegen die wichtigen Raffinerien Rosneft und Lukoil verhängt hat, gestaltet sich der Ölhandel nicht mehr so einfach.
Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft vertreiben Handelspartner – Indien geht auf andere Länder zu
Indische Raffinerien hatten bereits vor längerer Zeit angedeutet, kein von Lukoil oder Rosneft angebotenes Öl mehr kaufen zu wollen. Damals war noch nicht klar, in welchen Maßen die Importe eingefahren werden sollten. Es wurde aber erwogen, auf Quellen aus dem Nahen Osten und Brasilien zurückzugreifen.
Nun macht Indien offenbar ernst und geht den nächsten Schritt: Laut Informationen von Bloomberg haben sich Vertreter staatlicher indischer Raffinerien mit Vertretern staatlicher Ölkonzerne aus Saudi-Arabien und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) getroffen. Am Rande einer Energiekonferenz in Abu Dhabi zeichneten sich offenbar Aussichten auf eine Zusammenarbeit ab. Die Produzenten aus dem Nahen Osten haben laut Bloomberg-Informationen die Lieferung von Öl zugesichert.
Russlands Öl-Konkurrent will Preise senken – das könnte einen möglichen Handel für Indien attraktiv machen
Interessanterweise hat Saudi-Arabien erst neulich die Senkung seiner Ölpreise angekündigt. So sieht Kronprinz Mohammed bin Salman eine Preissenkung für die Sorte Saudi Arabian Light (SAL) und Arab Extra Light (AAR) und Arab Super Light (AAR SL) vor. Diese sollen im Dezember um 1,20 Dollar pro Barrel billiger werden. Arab Medium (AAR) und Arab Heavy (AAR) sollen um jeweils 1,40 US-Dollar weniger gehandelt werden.
Die Preissenkung, die vorerst asiatischen Kunden gilt, könnte als Einladung dienen, russisches Öl zu ersetzen. Wenn Indien ohnehin vorhat, dies zu tun, könnte das Land zusätzlich von günstigeren Preisen profitieren. Laut Bloomberg lassen sich nur der staatliche Konzern Indian Oil und der Rosneft-Tochter Nayara Energy von Russland mit Öl beliefern. Nayara Energy beziehe weiterhin sogar ausschließlich russisches Öl.
Auch chinesische Raffinerien wollen sich von Putins Öl aus Sorge vor Folgen der Sanktionen lösen. Die chinesischen Staatskonzerne Sinopec und PetroChina haben einen Einfuhrstopp von Direktkäufen bei Lukoil und Rosneft angekündigt. Laut der Moscow Times haben sich ihnen kleinere private Raffinerien angeschlossen.
Putins Öl bleibt auf hoher See – Tanker versammeln sich mit ihren Ölladungen
Sollten sich künftig noch mehr Länder von Russland abwenden, könnten die Exportgewinne sinken, was wiederum die Einnahmen für Putins Kriegskasse schmälern würde. Alleine der Kauf indischer und chinesischer Raffinerien machen zusammen etwa 90 Prozent der russischen Ölexporte aus. Wie dramatisch die Lage derzeit für russische Ölproduzenten ist, wird an den dümpelnden Tankern deutlich. Diese sollten den Rohstoff über den Seeweg transportieren, sie finden aufgrund der US-Sanktionen aber keine Abnehmer und können das Öl nicht abladen. Die beiden Tanker sind mit rund 1,5 Millionen Barrel Ural-Öl beladen.
Reuters berichtete, dass einer der Tanker (Sikar) bereits am 6. Oktober 2025 beladen wurde und zum Port Said aufbrach. Allerdings hielt der Tanker vor dem Suezkanal an, genauso wie der Tanker Monte 1, der nur drei Tage später, am 30. Oktober 2025 anhielt. Anfang November erfasste man laut Bloomberg 380 Millionen Barrel russischen Rohöls auf Tankern. Seit Anfang September sei der Wert um 30 Millionen Barrel gestiegen, da Länder zunehmend den Kauf russischen Öls verweigerten. (Quellen: Bloomberg, Moscow Times, Reuters (bohy))
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