Von Lars-Eric Nievelstein
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Russlands Ölsektor bringt Milliarden ein. US-Sanktionen zielen auf diese Einnahmequelle. Saudi-Arabien plant Schritte, die Chaos verursachen könnten.
Riad – US-Präsident Donald Trump sorgt für Umwälzungen am globalen Ölmarkt. Nachdem die USA im Oktober neue Sanktionen gegen die größten russischen Erdöl-Konzerne auf den Weg gebracht hatten, schauen sich die wichtigen Käuferländer nach Alternativen um. Jetzt könnte es für Kreml-Chef Wladimir Putin ernst werden – Saudi-Arabien mischt sich in die Diskussion ein.
Saudi-Arabien senkt Ölpreise – und will Indien von Russland weglocken Der weltweit größte Ölexporteur unter Kronprinz Mohammed bin Salman will angeblich die Preise aller Rohölsorten senken – zumindest für asiatische Kunden . Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters und berief sich auf die monatliche Preisliste von Saudi Aramco, dem staatlichen Ölkonzern Saudi-Arabiens.
Saudi-Prinz legt sich mit Putin an – und bietet billiges Öl für China und Indien
© IMAGO / UPI Photo
In Zahlen sieht das aus wie folgt: Der Preis für die Sorte Saudi Arabian Light (SAL) soll im Dezember 1,20 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) weniger kosten. Arab Extra Light (AAR) und Arab Super Light (AAR SL) sollen ebenfalls um die 1,20 Dollar billiger werden. Arab Medium (AAR) und Arab Heavy (AAR) sinken um jeweils 1,40 US-Dollar pro Barrel.
Diese Preissenkungen sind ein klares Zeichen Saudi-Arabiens an indische Raffinerien, saudisches Rohöl anstelle von russischem zu kaufen , soll eine Quelle aus der indischen Ölindustrie gegenüber Economic Times gesagt haben. Diese Preisnachlässe sollen für Lieferungen im Dezember gelten – dem Monat, in dem die Sanktionen gegen die zwei russischen Öl-Titanen Rosneft und Lukoil vollständig in Kraft treten. Das US-Finanzministerium hat den 21. November als Deadline genannt. Bis dahin müssen sämtliche Transaktionen mit den beiden Unternehmen abgeschlossen sein.
Indien und China retten Russlands Wirtschaft – nun könnte der Ölsektor wegbrechen Für Russlands Wirtschaft wäre ein Schwenk Indiens und Chinas zu arabischem Öl katastrophal. Seit dem Wegfall des europäischen Markts für Öllieferungen hatten sich die beiden asiatischen Länder als unverzichtbare Abnehmer etabliert . Zwar hatten sowohl Indien als auch China dabei massive Rabatte ausgehandelt, aber sie haben den russischen Energiesektor mit Einnahmen versorgt.
Dass das keineswegs aus ideologischer Verbundenheit heraus passierte, macht Indien dabei regelmäßig aufs Neue klar. Die Kernaussage: Sobald sich irgendwo billigeres Öl einkaufen lasse, würde Indien das tun. So hatte sich das Land zum Beispiel in Richtung Irak umgesehen, kaum dass die jüngsten US-Sanktionen bekannt wurden. In China hatten mehrere Raffinerien den Einkauf russischen Öls Ende Oktober ausgesetzt.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist. © Imago Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago Präsident Wladimir Putin mit To Lam Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago Wladimir Putin und Narendra Modi In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago Putin und Traoré Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei. © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool Ägypten Militärband Moskau Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz. © Sergei Bobylev/Imago Laos-einheit in Moskau Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago Turkmenistan Moskau Parade Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt. © Ricardo Stuckert/Imago Aleksandar Vucic Putin Netanjahu Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago Milorad Dodik Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago Salva Kiir Putin Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago Orban Putin Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen. © Valeriy Sharifulin/Imago Putin und Ramaphosa Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet. © Sergei Bobylev/Imago Peseschkian Putin Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre. © Imago Putin Ortega Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp Maduro Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago Putin Goita Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago Putin Sassou Nguesso Afewerki Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago Putin Raúl Castro Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago Putin Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil. © Alexander Kazakov/Imago Russland wiederum versucht sein Möglichstes, um die Einnahmen aus dem Öl-Export hochzuhalten. Kein Wunder: Der Sektor ist überlebenswichtig für Russlands Wirtschaft. Um westliche Sanktionen zu umgehen, die die Einnahmen aus dem Öl-Export geschmälert haben, hatte Wladimir Putin extra für viele Millionen eine Schattenflotte aufgebaut, mit deren Hilfe er weiter Öl in westliche Länder – vorbei an Sanktionsschranken – exportieren kann.
Öl-Einnahmen brechen weg – Ukraine-Angriffe und Sanktionen schaden Putins Wirtschaft Sollten sich China und Indien jetzt von Russland abwenden, würde das einen Effekt verstärken, der bereits jetzt ersichtlich ist: Die Einnahmen des Kremls beginnen zu erodieren. Zahlen des Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigen, dass die russischen Exporteinnahmen aus dem Verkauf fossiler Energieträger im September um vier Prozent zurückgegangen sind (August auf September). So niedrig waren sie seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine nicht gewesen.
Auf Jahressicht zeigt sich der Einbruch noch deutlicher: Zwischen September 2024 und September 2025 steht ein Minus von 26 Prozent auf dem Papier.
Im Spätsommer hatten mehrere der größten russischen Erdölkonzerne drastische Einbrüche bei ihren Gewinnen berichtet . Der ganze Sektor steht unter erheblichem Druck, der aktuell noch durch ukrainische Drohnenangriffe auf Rohöl-Raffinerien verstärkt wird. In mehreren Landesteilen mussten die Behörden Rationierungen einführen, außerdem machten nach russischen Medienberichten Dutzende von Tankstellen dicht.
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