Putin unter Druck: Wichtigster Handelspartner wendet sich nach US-Sanktionen von Russland ab
VonNils Thomas Hinsberger
schließen
Chinas Raffinerien scheinen angesichts neuer Sanktionen aus Washington zurückzuschrecken. Für Putins Kriegswirtschaft könnte das erhebliche Probleme bedeuten.
Peking/Moskau – China gilt als Russlands wichtigster Partner. Während die meisten Länder die Importe von russischem Öl und Gas im Zuge des Ukraine-Kriegs auf Eis legten, hat China die Kriegskassen von Wladimir Putin weiter gefüllt. Doch neue Sanktionen und die Beteiligung der USA an den Sanktionen gegen Russland könnten die Kriegswirtschaft von Kreml-Chef Wladimir Putin empfindlich treffen.
Einem Bericht von Bloomberg zufolge, haben mehrere chinesische Raffinerien – darunter große staatliche Konzerne wie Sinopec und PetroChina – einige russische Lieferungen im vergangenen Monat storniert. Auch kleine Unternehmen, die sogenannten „Teekannen“ sollen russischen Ölimporte immer skeptischer gegenüberzustehen. Damit wollen die Firmen wohl Strafen wegen Verstößen gegen die von den USA verhängten Sanktionen vermeiden.
Trump belegt russische Ölkonzerne Rosneft und Lukoil mit Sanktionen – Jetzt reagiert China
Vergangenen Monat hat US-Präsident Donald Trump die Zölle gegen zwei der größten russischen Ölkonzerne, Lukoil und Rosneft verhängt. In klassischer Trump-Manier sprach der von „enormen“ Sanktionen gegen die Unternehmen. Laut dem US-Finanzminister Scott Bessent würden gerade die beiden betroffenen Konzerne die „Kriegsmaschinerie“ des Kremls im Besonderen finanzieren, berichtete die BBC. Russland reagierte sofort auf die Anfeindungen aus Washington. Laut Reuters warnte Putin Anfang Oktober davor, dass die Sanktionen auch die USA treffen könnten, weil so der Weltmarktpreis für Öl steigen würde.
Eine weitere Möglichkeit dafür, dass die chinesischen Raffinerien bei russischem Öl mittlerweile vorsichtiger sind, könnten auch Schritte der EU und Großbritannien sein. So hat London ebenfalls Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt. Die EU hat zudem zwei chinesische Raffinerien, die im Besonderen mit dem Handel von russischem Öl in Verbindung stehen, auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Dabei handelt es sich laut der Nachrichtenagentur Reuters um die Unternehmen Liaoyang Petrochemical und Shandong Yulong Petrochemical. Wie die Bloomberg-Autoren schreiben, könnten sich die übrigen chinesischen Firmen von diesen Schritten fürchten.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Das Ausbleiben chinesischer Einkäufe in Russland scheint bereits Wirkung zu zeigen. So schätze das Rystad Energy AS, dass bis zu 45 Prozent der gesamten chinesischen Ölimporte aus Russland von dem Kaufstreik betroffen sein könnten.
Russlands Ölexporteure auf der schwarzen Liste – Schlag für Putins Wirtschaft
Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist der Verkauf von Erdöl und dessen Erzeugnisse für 38,3 Prozent der gesamten russischen Exporte verantwortlich. Wie der Global Firepower Index zeigt, liegt Russland mit rund 10,7 Millionen Barrell produzierten Öls pro Tag auf dem dritten Platz im weltweiten Vergleich. Die Analysten schreiben dazu: „Öl ist nach wie vor die Lebensader jeder Kriegsanstrengung und treibt zahlreiche Komponenten des modernen Militärkomplexes an.“
Gleichzeitig ist China seit Beginn des Ukraine-Kriegs der größte Importeur von fossilen Brennstoffen aus Russland – dicht gefolgt von Indien. Mit dem sich anbahnenden Rückzug Chinas könnte die russische Wirtschaft also auf eine handfeste Krise zusteuern. Noch dramatischer: Auch Indien könnte erwägen, kein russisches Öl mehr zu kaufen. Zumindest hatte das Trump nach einem Treffen mit Indiens Ministerpräsident Narendra Modi behauptet, wie unter anderem CNN berichtete. Und tatsächlich könnte Indien die Geschäfte mit Russland ebenfalls zurückfahren, berichtete Reuters. So hätten Quellen behauptet, dass indische Raffinerien nach den US-Sanktionen ebenfalls einen Einfuhrstopp von russischem Öl prüfen würden.
Einer Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zufolge, sanken die russischen Öl- und Gasgeschäfte im September zwar. Doch noch immer spielten die Exporte rund 546 Millionen Euro in die russische Kriegskasse – pro Tag. Sollte China als größter Abnehmer die Käufe zurückschrauben, könnte das einen massiven Rückgang der Einnahmen bedeuten. Außerdem sorgen regelmäßige Angriffe der ukrainischen Armee auf die russische Ölindustrie für weitere Probleme. (Quellen: Bloomberg, BBC, Reuters, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Global Firepower Index, CNN) (nhi)