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Der Wolf ist schon lange wieder zurück. Landwirte sorgen sich deshalb zunehmend um ihre Weidetiere. Die Umweltministerin stellt nun Lösungen vor.
Berlin – In ganz Deutschland breiten sich Wölfe aus. Die einen freuen sich darüber, die anderen – insbesondere Landwirte – klagen über Schäden durch Wolfsrudel. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 4000 Weidetiere durch Wolfsangriffe verletzt, getötet oder anschließend vermisst. Die Wildtiere haben es auf die politische Agenda geschafft. CDU und CSU fordern seit Monaten eine kontrollierte Bejagung des Wolfes. Nun stellte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) am Donnerstag (12. Oktober) ihre Ideen vor, wie zukünftig mit dem Wolf umgegangen werden soll. Sie will den Abschuss von Wölfen nach Rissen von Weidetieren erleichtern.
Abschuss von Wölfen: Umweltministerin stellt 21-Tage-Frist vor
Künftig darf auf einen Wolf ab dem Riss 21 Tage lang geschossen werden dürfen, wenn er sich in tausend Metern Umkreis von der Rissstelle aufhält. Die Umweltministerin greift damit wissenschaftliche Erkenntnisse auf, wonach Wölfe nach einem Riss in dieser Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Riss-Stelle zurückkehren. Ein Abschuss dürfte also das Tier treffen, das für den Riss verantwortlich ist. Mehrere Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein:
- Weiterhin ist eine Genehmigung für den Abschuss nötig.
- Zuvor werden Regionen mit erhöhtem Rissvorkommen festgelegt.
- Der Wolf muss „zumutbare Herdenschutzmaßnahmen“ überwunden und Weidetiere gerissen haben.
Anders als bisher in der Praxis üblich muss für den Abschuss nicht das Ergebnis einer DNA-Analyse abgewartet werden. Ein „anlassloses Abschießen von Wölfen“ werde es weiterhin nicht geben, so Lemke. Dies sei weder mit nationalem noch mit europäischem Recht vereinbar. Zudem sei der Wolf ein schützenswertes Säugetier, das „Leid und Schmerzen empfindet“, er gehöre in das Ökosystem und ernähre sich zu 95 Prozent ohnehin von Wild und nicht „auf der Weide“.
Lemke stellt bürokratische Entlastungen für Wolfsabschuss vor
Der Umgang mit dem Wolf ist in der Naturschutz-Richtlinie der EU sowie im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Auf dieser Basis können Wölfe bereits heute getötet werden. Das dafür nötige Verfahren sei allerdings zu „kompliziert, bürokratisch und aufwendig“ und dauere zu lang, sagte Lemke. In der Praxis hätten sich die Regeln nicht bewährt. Nicht nur die Frustration sei groß, sondern auch die Akzeptanz des Wolfs gefährdet.
Die Ministerin will zudem weitere bürokratische Entlastungen auf den Weg bringen. So etwa Musterbescheide, die den Verwaltungsaufwand der Bundesländer bei Abschussgenehmigungen reduzieren. Ihre Vorschläge will sie nun mit den Bundesländern beraten und auf einer Umweltministerkonferenz Ende November beschließen. Ihr Ziel ist es, dass die neuen Regeln bis zur nächsten Weidetiersaison in Kraft sind. Schon zum 1. Januar 2024 könnten die neuen Regelungen umgesetzt werden.
Wölfe in Deutschland: Bauernverband kritisiert Pläne von Umweltministerin
Lemke gehe es letztlich darum, „eine Balance zwischen dem Schutz der Weidetiere und dem Schutz des Wolfs hinzubekommen“. Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland habe zu Herausforderungen und Konflikten geführt. Für Weidetierhalter sei es ein schwerer Verlust, wenn Tiere verendet auf der Weide liegen, „nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional“. Diese Sorgen und Probleme nehme sie ernst.
Kritik kommt vom Deutschen Bauernverband. Für ein erfolgreiches Wolfsmanagement reichten vereinfachte Abschüsse nach Rissen an Weidetieren „bei weitem nicht aus“. Die Menschen im ländlichen Raum würden mit den Folgen der Ausbreitung der Wölfe „allein“ gelassen, erklärte der Verband gemeinsam mit dem Deutschen Jagdverband und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Die Regierung müsse vielmehr „umgehend ein regional differenziertes Bestandsmanagement für den Wolf zulassen“.
Abschuss von Wölfen: „Entlastungen“ – Problem jedoch „nicht grundsätzlich gelöst“
Die Umweltschutzorganisation BUND hält Lemkes Vorschläge für „akzeptabel“. Gleichzeitig verweist die Organisation aber darauf, dass Einzelabschüsse zwar „punktuell zur Entlastung führen, das Problem aber nicht grundsätzlich lösen“. Nötig sei vielmehr ein besserer Herdenschutz, hier müsse die Regierung tätig werden. Die Deutsche Umwelthilfe sprach von einer „praktikablen, wissenschaftlich fundierten und zügig umsetzbaren Lösung“, die Wolf und Weidehaltung nicht gegeneinander ausspiele.
Der CSU-Agrarpolitiker Artur Auernhammer kritisierte, dass der Wolf „nach wie vor nicht schadensunabhängig bejagt“ werden dürfe. Die Regierung drücke sich vor einer Bestandsregulierung. (vk/afp)
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