Der „Donald Duck“-Zug

Airport-Express der Lufthansa: Was wurde aus dem legendären Schnellzug?

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Der Lufthansa-Airport-Express wurde wegen seiner Lackierung und der spitzen Form auch „Donald Duck“ genannt.
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Mit dem Lufthansa-Airport-Express machten die Airline und DB jahrelang gemeinsame Sache. Trotz Erfolg wurde die Schnellzug-Verbindung wieder eingestellt.

Köln – „Reisen auf Flughöhe Null“: Der Werbeslogan des Lufthansa-Airport-Expresses brachte das Konzept des besonderen Schnellzuges auf den Punkt. Als gemeinsames Projekt der Lufthansa und der Deutschen Bundesbahn (DB), dem Vorgänger der heutigen Deutschen Bahn, ersetzte der Kultzug in den 1980er- und 1990er-Jahren etliche Kurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands. Das kam vor allem Reisenden aus dem Rheinland lange zugute. Mit einer Fahrtzeit von über zwei Stunden bis nach Frankfurt war er aber nicht mit mit heutigen Verbindungen vergleichbar.

Bund initiierte Lufthansa-Airport-Express: Schnellzug ersetzte tausende Flüge pro Jahr

Mit der Jungfernfahrt von Düsseldorf zum Frankfurter Flughafen fiel am 28. März 1982 der offizielle Startschuss für den Lufthansa-Airport-Express – kurz LHA. Doch dem Betriebsstart ging einiges an Planung voraus. Treibende Kraft hinter dem Projekt war das Bundesverkehrsministerium, welches damit zwei Dinge erreichen wollte.

Erstens durch die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene Kapazitäten für Langstreckenflüge freimachen. Zweitens sollte so die Umwelt geschont werden. Dabei wurden vor allem Flüge bis 300 Kilometer ins Visier genommen. Während Triebfahrzeugführer und Zugführer von der Deutschen Bundesbahn gestellt wurden, war das Personal des LHA von Lufthansa.

Als Kooperation von Bahn und Lufthansa war der LHA kein gewöhnlicher Schnellzug. Nur Reisende mit gültigem Flugticket ab Frankfurt konnten den Lufthansa-Airport-Express zunächst nutzen. Somit diente er klar dazu, sogenannte Zubringerflüge vor Langstreckenreisen zu ersetzen. Neben Lufthansa- konnten auch Condor-Kunden den Schnellzug nutzen. Später kamen dann durch Interlining-Kooperationen der Lufthansa weitere Fluggesellschaften hinzu. Der LHA war auf jeden Fall ein Erfolg: Pro Jahr wurden durch die Schnellzug-Verbindung etwa 3000 Kurzstreckenflüge ersetzt. Allein im Jahr 1992 nutzten rund 270.000 Reisende die Züge.

Lufthansa-Airport-Express als „Donald Duck“: Woher kam der Spitzname?

Der Lufthansa-Airport-Express war gemeinhin auch als „Donald Duck“ bekannt. Der Spitzname kam durch die gelb-weiße Lackierung sowie die besondere Form zustande. Die überwiegend eingesetzten Züge der Baureihe 403 hatten stark abgeschrägten Kopfpartien.

Lufthansa-Airport-Express bot Luxus-Ausstattung zum günstigen Preis

Sowohl Ausstattung als auch Design des Lufthansa-Airport-Expresses waren auf einem höheren Standard angesiedelt. Bei den Schnellzug-Verbindungen wurden ausschließlich Fahrzeuge der ersten Wagenklasse eingesetzt. Die Passagiere zahlten dafür aber „nur“ den Economy-Tarif. Neben einer klassischen Zugnummer verfügten die LHA-Bahnen auch über eine Lufthansa-Flugnummer. Dadurch konnte das Gepäck der Reisenden nach der Fahrt direkt zu den Anschlussflügen durchgecheckt werden.

Beim Lufthansa-Airport-Express kamen jahrelang nur Züge der Baureihe 403 zum Einsatz. Mit der zweiten Verbindung von Stuttgart kamen aber weitere Modelle wie die 111 049, Avmz 206 oder 103 101 hinzu. Eine solche Schnellfahr-Elektrolok der Baureihe 103 fährt auch ab und zu durch NRW und sogar bis an die Ostsee.

Das ist die DB-Baureihe 403

► Die Zug-Baureihe 403 war ein Triebzug der Deutschen Bundesbahn und der erste deutsche Hochgeschwindigkeitszug in dieser Bauform. Damit war er gleichzeitig ein Vorläufer des Intercity-Express (ICE). Das Gegenstück sind klassische Lokomotiven mit angekoppelten Wagen, die nicht selbst fahren.

► Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h war die DB-Baureihe 403 das Spitzenmodell in den 1970er Jahren.

► Die 403er-Züge hatten regulär 183 Sitzplätze verteilt auf vier Wagen.

►Hersteller waren LHB (Endwagen), MBB (Zwischenwagen), MAN (Drehgestelle) und AEG, BBC sowie Siemens (Elektrik).

►Die DB-Baureihe war ab 1973 erstmals auf der Schiene unterwegs und wurde ab 1993 ausgemustert.

Strecken des Lufthansa-Airport-Express: Wo der Schnellzug überall unterwegs war

Jahrelang war der Lufthansa-Airport-Express nur auf einer einzigen Strecke zwischen Düsseldorf und Frankfurt unterwegs. Dabei hielt er noch an einigen weiteren großen Bahnhöfen der Region. Ab 1990 kam dann die zweite LHA-Verbindung hinzu. Diese fuhr direkt vom Stuttgarter Hauptbahnhofe zum Frankfurter Airport – ohne Zwischenhalt.

Der Lufthansa-Airport-Express fuhr zuerst durchs Rheinland nach Frankfurt, später aber auch aus Stuttgart.

Lufthansa-Airport-Express: Was war der Grund für das Aus des beliebten Schnellzuges?

Trotz großem Erfolg kam es Anfang der 1990er zum überraschenden Ende des Lufthansa-Airport-Expresses. Ausgangspunkt waren Korrosionsschäden, also Metallschäden, an den Zügen der Strecke Düsseldorf–Frankfurt. Dies nahm Lufthansa zum Anlass, sich nach etwas mehr als zehn Jahren wieder aus dem Bahngeschäft zu verabschieden. Ein großer Grund war aber die zunehmende Konkurrenz des Kooperationspartners: Die DB erweiterte damals das Schnellzug-Angebot um die neue Spitzenklasse Intercity-Express (ICE). Mittlerweile sind im Fernverkehr auch die Züge von Flixtrain hinzugekommen.

Am 23. Mai 1993 rauschte der Lufthansa-Airport-Express dann zum allerletzten Mal durch Deutschland. Auch wenn das LHA-Projekt endete, blieb die Kooperation zwischen Lufthansa und der Bahn bis heute bestehen. Unter dem Namen „Lufthansa Express Rail“ (oder AIRail) werden seit 1993 für Lufthansa-Passagiere extra Sitzplätze in den ICE-Zügen zwischen Köln, Frankfurt und Stuttgart reserviert. Wie beim vorherigen Schnellzug gibt es dabei ein einziges Ticket und Check-in für Zug sowie Flug. (os) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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