Erschreckende Zahlen

Ausbildungskrise in Deutschland: Immer mehr Studenten und Azubis geraten in die Armut

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Der Berufseinstieg in Deutschland stellt für Studenten und Azubis oft eine große Herausforderung dar: Ihr Einkommen reicht häufig nicht aus, um ein angemessenes Leben zu führen. Viele stehen vor der Gefahr der Armut.

Berlin – Studierende und Auszubildende sind besonders armutsgefährdet. Auf gut ein Drittel (35 Prozent) aller Studentinnen und Studenten treffe dies zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Bei den Azubis sind es 18 Prozent. Dies gelte jeweils unabhängig davon, ob sie allein, in Wohngemeinschaften oder noch im Elternhaus wohnen. Höher ist das Armutsrisiko allerdings für diejenigen, die allein oder ausschließlich mit anderen Studierenden und Auszubildenden zusammen lebten: Unter ihnen betrug die Armutsgefährdungsquote 77 beziehungsweise 54 Prozent. Zum Vergleich: Insgesamt gelten gut 14 Prozent der Bevölkerung in Deutschland als armutsgefährdet.

Armutsgefährdet ist der gängigen Definition zufolge, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2023 lag dieser Schwellenwert für Alleinlebende in Deutschland bei 1.314 Euro netto im Monat. Um das Einkommen vollständig zu erfassen, wird das Jahreseinkommen erfragt. Dadurch beziehen sich die Fragen zum Einkommen auf das Vorjahr der Erhebung, in diesem Fall also auf 2022.

Ein Azubi tüftelt an einer Maschine: Häufig reicht das Einkommen von Auszubildenden und Studenten nicht aus, um gut über die Runden zu kommen.

Ob alleine oder in der WG: Wohnkosten treffen junge Menschen besonders hart

„Geringen finanziellen Spielraum lassen Studierenden und Auszubildenden vor allem auch ihre Ausgaben für Wohnen“, betonten die Statistiker. „Das gilt insbesondere für diejenigen, die nicht mehr im Elternhaus, sondern allein oder mit anderen Studierenden und Auszubildenden zusammen leben.“ Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen für diese Studierenden bei 54 Prozent, für die Azubis bei 42 Prozent. Zum Vergleich: Die Wohnkostenbelastung der Gesamtbevölkerung beträgt 25 Prozent. Besonders in vielen Studentenstädten sind die Mietpreise in den letzten Jahren oft ins Unermessliche gestiegen.

Die Hälfte der Studierenden mit eigener Haushaltsführung hat den Angaben zufolge weniger als 867 Euro im Monat zur Verfügung. Bei den Azubis lag dieses sogenannte mittlere Nettoäquivalenzeinkommen bei 1.240 Euro. „Dass viele Studierende und Auszubildende über ein insgesamt vergleichsweise geringes Einkommen verfügen, liegt auch daran, dass sie sich in einer Lebensphase befinden, in der sie in ihre Ausbildung und somit in ihr Humankapital und in ihr späteres Berufsleben investieren“, so die Statistiker. (reuters, lf)

Rubriklistenbild: © Christian Lademann / dpa

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