Auftragseinbruch

Deutscher Autozulieferer plant an Standort am Bodensee Stellenabbau - bis zu 130 Mitarbeiter betroffen

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Die Krise der Autoindustrie hat längst ganz Europa erreicht. Darauf reagiert ein deutscher Autozulieferer an einem Standort mit der Drosselung der Produktion und einem Stellenabbau.

Arbon/Attendorn - Das vergangene Jahr wurde für die Automobilindustrie in ganz Europa zur Zerreißprobe und auch im noch jungen neuen Jahr gibt es keine Besserung. Der Autozulieferer Muhr und Bender (Mubea) mit Sitz in Attendorn (Nordrhein-Westfalen) hat bereits im vergangenen Jahr einen Stellenabbau angekündigt, der mehrere deutsche Standorte betreffen soll. Reagieren muss der Leichtbauspezialist, der neben der Autoindustrie auch die Luftfahrbranche beliefert, aber auch an Standorten im direkten Nachbarland.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Wie unter anderem Blick berichtet, hat die Mubea Präzisionstahlrohr AG in Arbon im Kanton Thurgau (Schweiz), einer Stadt, die direkt gegenüber von Langenargen (Baden-Württemberg) am Bodenseeufer liegt, ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Aufgrund eines deutlichen Auftragseinbruchs soll die Produktion bereits ab dem kommenden Monat gedrosselt werden. Zudem plant die Gesellschaft des deutschen Autozulieferers einen Stellenabbau, den die Schweizer Zeitung als „Massenentlassung“ bezeichnet. Ein Schweizer Unternehmen hat dagegen jüngst angekündigt, einen deutschen Standort schließen zu wollen.

Autozulieferer muss Kosten einsparen und schließt auch direkte Kündigungen nicht aus

Wie bereits erwähnt beliefert die Mubea-Gruppe, die Standorte in 22 Ländern hat und insgesamt 17.000 Mitarbeiter beschäftigt, auch die Luftfahrtindustrie. Am Standort in Arbon werden aber gezielt Stahlrohre für die Automobilindustrie gefertigt, weshalb der Standort am Bodensee die volle Wucht der europäischen Autokrise zu spüren bekommt. Dem Bericht zufolge ist das Werk, in dem rund 280 Mitarbeiter beschäftigt sind, im Vergleich zum Vorjahr nur noch zu etwa 50 Prozent ausgelastet. Deshalb sind Sofortmaßnahmen notwendig.

Name Mubea Präzisionstahlrohr AG
Mutter-Gesellschaft Muhr und Bender KG (Mubea Unternehmensgruppe) mit Hauptsitz in Attendorn, Nordrhein-Westfalen
SitzArbon, Kanton Thurgau, Schweiz
Branche Automobilzulieferer
Mitarbeiter 280

Um dem deutlichen Auftragsrückgang entgegenzuwirken, muss Mubea in Arbon Kosten einsparen. Wie das Unternehmen am Donnerstag (6. Februar) erklärte, sind von einem geplanten Stellenabbau zwischen 100 und 130 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Ein Sprecher sagte gegenüber dem St. Galler Tagblatt zudem, dass im Falle eines Abbaus direkte Kündigungen ausgesprochen werden müssten. Noch ist ein solcher aber nicht in Stein gemeißelt.

Stellenabbau bei Mubea in Arbon kann vielleicht noch verhindert oder abgemildert werden

Wie eingangs erwähnt, hat Mubea am Standort Arbon in der Schweiz am Donnerstag ein sogenanntes Konsultationsverfahren eingeleitet. Ein solches wird notwendig, wenn eine geplante personelle Anpassung den Schwellenwert einer Massenentlassung erreicht. Dieser Schwellenwert wiederum ist bei Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 60 und 499 erreicht, wenn zehn Prozent der Stellen oder mehr als 25 Mitarbeiter entlassen werden. Das ist bei der Mubea Präzisionstahlrohr AG der Fall.

Mubea muss am Standort Arbon Kosten sparen. Eine Massentlassung kann möglicherweise noch verhindert werden.

Das Konsultationsverfahren sieht vor, dass den Arbeitnehmervertretern die Chance eingeräumt wird, konkrete Vorschläge zu machen, wie die geplanten Entlassungen vermieden werden können. Laut Blick haben der Betriebsrat und die rund 280 Mitarbeiter von Mubea in Arbon bis zum 4. März Zeit, solche Vorschläge vorzulegen, um den Abbau von bis zu 130 Stellen zu verhindern oder zumindest abzumildern. In Deutschland haben sich die größten Autozulieferer aufgrund der aktuellen Krise direkt an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewandt.

Rubriklistenbild: © Muhr und Bender KG/Mubea Präzisionstahlrohr AG

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