Ende 2026

Schweizer Konzern will deutschen Standort schließen - rund 300 Mitarbeiter betroffen

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Der Schweizer Sanitärkonzern Geberit will einen deutschen Standort Ende 2026 schließen. Stand und Politik wollen die Geschäftsleitung zum Umdenken bewegen.

Rapperswil-Jona/Wesel - In der aktuellen Wirtschaftskrise sind Schließungen ganzer Standorte kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Der Autozulieferer Hella hat beispielsweise die Schließung eines Standortes Ende März angekündigt und das Schweizer Sanitärunternehmen Geberit will einen Standort in Deutschland bis Ende kommenden Jahres schließen. Das hatte das Unternehmen mit Sitz in Rapperswil-Jona im Kanton St. Gallen, der über den Bodensee sowohl an Baden-Württemberg als auch Bayern angrenzt, im Rahmen einer Standortversammlung bekanntgegeben.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Die 1874 gegründete Geberit AG zählt mit Unternehmen wie Hansgrohe aus Schiltach in Baden-Württemberg, Grohe aus Herme in Nordrhein-Westfalen oder auch Villeroy & Boch aus Mettlach im Saarland zu den bekanntesten Sanitärunternehmen im deutschsprachigen Raum und betreibt auch mehrere Produktionsstandorte in Deutschland. Das erst 2015 vom Unternehmen Sanitec übernommene Werk in Wesel (Nordrhein-Westfalen) soll aber eben bis Ende 2026 geschlossen werden.

Geberit will Keramik-Standort in Wesel nach 123 Jahren Produktion schließen

Das Werk in Wesel wurde bereits im Jahr 1903 als Standort des Unternehmens Keramag eröffnet, welches seit 1991 zur finnischen Sanitec-Gruppe gehört. Durch eine Übernahme der Sanitac-Gruppe durch Geberit gelangte das Werk eben 2015 in den Besitz des Schweizer Unternehmens. Nach 123 Jahren der Produktion von Sanitärkeramik am Standort soll das Werk aber geschlossen werden, da neue konstruktive Lösungen die Fertigung künftig stark vereinfachen werden und eine Expertise, wie sie in Wesel besteht, nicht mehr notwendig sei, wie das Unternehmen in einer Mitteilung erklärte.

Name Geberit AG
Gründung 1874
Sitz Rapperswil-Jona, Kanton St. Gallen, Schweiz
Branche Sanitärtechnik, Keramik
Mitarbeiter 10.947 (Ende 2023)
Umsatz 3,1 Millionen Schweizer Franken

Da es zudem an räumlichen Bedingungen fehle, um das Werk weiter auszubauen und auch die veraltete Infrastruktur eine unüberwindbare Hürde darstelle, habe sich das Schweizer Unternehmen „im Rahmen einer Spezialisierungsstrategie aller Keramikwerke“ zur Schließung des Standortes Wesel entschieden. Geberit hat zwar angekündigt, gemeinsam mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen für die rund 300 betroffenen Mitarbeiter in Wesel finden zu wollen, der Frust über die Standortschließung ist dennoch groß. „Einige Mitarbeiter haben vor Wut WC-Rohlinge zerstört“, hatte ein Angestellter der Rheinischen Post erzählt.

Stadt und Politik wenden sich mit Brief an Geberit-Geschäftsleitung

Wie die Neue Ruhr Zeitung (RNZ) aktuell berichtet, wollen die Stadt Wesel und die regionale Politik den Geberit-Standort aber nicht kampflos aufgeben. In einem Brief an die Konzernleitung in Rapperswil-Jona fordern sie, die „Entscheidung zu überdenken und zu prüfen, zumindest Teilbereiche der Fertigung weiterhin am Standort Wesel mit seiner über 120-jährigen Tradition als Keramikwerk zu erhalten“. Bislang haben die Parteien aber noch keine Antwort aus der Schweiz erhalten.

Die zum Geberit-Konzern gehörende Geberit Keramik GmbH hat die Schließung des Standortes Wesel (NRW) Ende 2026 angekündigt.

Geberit will die Keramikproduktion, die durch die Schließung in Wesel wegfällt, nach 2026 auf andere Standorte übertragen. Das Unternehmen betreibt in Haldersleben (Sachsen-Anhalt) sowie im Ausland noch weitere Keramikwerke. Weitere deutsche Standorte der Geberit AG sind Pfullendorf (Baden-Württemberg), Langenfeld (Nordrhein-Westfalen) und Lichtenstein (Sachsen). Zuletzt hatte ein Schweizer Pharmakonzern angekündigt, ein deutsches Tochterunternehmen schließen zu wollen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ErwinxPottgiesser

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