VonJulian Baumannschließen
Der Schweizer Sanitärkonzern Geberit will einen deutschen Standort Ende 2026 schließen. Stand und Politik wollen die Geschäftsleitung zum Umdenken bewegen.
Rapperswil-Jona/Wesel - In der aktuellen Wirtschaftskrise sind Schließungen ganzer Standorte kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Der Autozulieferer Hella hat beispielsweise die Schließung eines Standortes Ende März angekündigt und das Schweizer Sanitärunternehmen Geberit will einen Standort in Deutschland bis Ende kommenden Jahres schließen. Das hatte das Unternehmen mit Sitz in Rapperswil-Jona im Kanton St. Gallen, der über den Bodensee sowohl an Baden-Württemberg als auch Bayern angrenzt, im Rahmen einer Standortversammlung bekanntgegeben.
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Die 1874 gegründete Geberit AG zählt mit Unternehmen wie Hansgrohe aus Schiltach in Baden-Württemberg, Grohe aus Herme in Nordrhein-Westfalen oder auch Villeroy & Boch aus Mettlach im Saarland zu den bekanntesten Sanitärunternehmen im deutschsprachigen Raum und betreibt auch mehrere Produktionsstandorte in Deutschland. Das erst 2015 vom Unternehmen Sanitec übernommene Werk in Wesel (Nordrhein-Westfalen) soll aber eben bis Ende 2026 geschlossen werden.
Geberit will Keramik-Standort in Wesel nach 123 Jahren Produktion schließen
Das Werk in Wesel wurde bereits im Jahr 1903 als Standort des Unternehmens Keramag eröffnet, welches seit 1991 zur finnischen Sanitec-Gruppe gehört. Durch eine Übernahme der Sanitac-Gruppe durch Geberit gelangte das Werk eben 2015 in den Besitz des Schweizer Unternehmens. Nach 123 Jahren der Produktion von Sanitärkeramik am Standort soll das Werk aber geschlossen werden, da neue konstruktive Lösungen die Fertigung künftig stark vereinfachen werden und eine Expertise, wie sie in Wesel besteht, nicht mehr notwendig sei, wie das Unternehmen in einer Mitteilung erklärte.
| Name | Geberit AG |
|---|---|
| Gründung | 1874 |
| Sitz | Rapperswil-Jona, Kanton St. Gallen, Schweiz |
| Branche | Sanitärtechnik, Keramik |
| Mitarbeiter | 10.947 (Ende 2023) |
| Umsatz | 3,1 Millionen Schweizer Franken |
Da es zudem an räumlichen Bedingungen fehle, um das Werk weiter auszubauen und auch die veraltete Infrastruktur eine unüberwindbare Hürde darstelle, habe sich das Schweizer Unternehmen „im Rahmen einer Spezialisierungsstrategie aller Keramikwerke“ zur Schließung des Standortes Wesel entschieden. Geberit hat zwar angekündigt, gemeinsam mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen für die rund 300 betroffenen Mitarbeiter in Wesel finden zu wollen, der Frust über die Standortschließung ist dennoch groß. „Einige Mitarbeiter haben vor Wut WC-Rohlinge zerstört“, hatte ein Angestellter der Rheinischen Post erzählt.
Stadt und Politik wenden sich mit Brief an Geberit-Geschäftsleitung
Wie die Neue Ruhr Zeitung (RNZ) aktuell berichtet, wollen die Stadt Wesel und die regionale Politik den Geberit-Standort aber nicht kampflos aufgeben. In einem Brief an die Konzernleitung in Rapperswil-Jona fordern sie, die „Entscheidung zu überdenken und zu prüfen, zumindest Teilbereiche der Fertigung weiterhin am Standort Wesel mit seiner über 120-jährigen Tradition als Keramikwerk zu erhalten“. Bislang haben die Parteien aber noch keine Antwort aus der Schweiz erhalten.
Geberit will die Keramikproduktion, die durch die Schließung in Wesel wegfällt, nach 2026 auf andere Standorte übertragen. Das Unternehmen betreibt in Haldersleben (Sachsen-Anhalt) sowie im Ausland noch weitere Keramikwerke. Weitere deutsche Standorte der Geberit AG sind Pfullendorf (Baden-Württemberg), Langenfeld (Nordrhein-Westfalen) und Lichtenstein (Sachsen). Zuletzt hatte ein Schweizer Pharmakonzern angekündigt, ein deutsches Tochterunternehmen schließen zu wollen.
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