VonJulian Baumannschließen
Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt hält an seiner Neustrukturierung fest, die zwischen 800 und 1.200 Stellen kosten soll. Zugleich spitzt sich der Streit um die Schließung eines Standorts zu.
Ehningen - Die Krise in der Automobilindustrie schwelt bereits seit vielen Monaten. Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt hatte im Oktober angekündigt, im Rahmen einer Neustrukturierung bis zu 1.200 Stellen abbauen zu wollen. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Ehningen bei Böblingen ist mit rund 14.000 Mitarbeitern und über 50 Standorten einer der großen Mittelständler Deutschlands. Als Hauptgrund für die einschneidenden Maßnahmen hatte Bertrandt die Veränderungen im Automobilmarkt genannt; diese haben sich in der Zwischenzeit noch weiter verschlechtert.
Eben weil die Herausforderungen der Autoindustrie in den vergangenen Monaten eher noch zugenommen haben – beispielsweise haben Schwergewichte wie Bosch, ZF und Schaeffler massive Sparmaßnahmen angekündigt – hält Bertrandt an den verkündeten Einsparungen fest, wie es in einer Mitteilung heißt. Zugleich spitzt sich der Streit um die Schließung des Standorts in Nufringen (Baden-Württemberg) zu, gegen den die Beschäftigten vor wenigen Tagen vor dem Konzernsitz in Ehningen protestiert hatten.
Bertrandt hält an Abbau von 800 bis 1.200 Stellen fest – ein Standort ist besonders betroffen
Neben dem Hauptsitz in Ehningen hat die Bertrandt AG zahlreiche weitere Standorte in Baden-Württemberg, darunter in Esslingen am Neckar, Karlsruhe und Friedrichshafen. Das Unternehmen ist auch in Bayern vertreten, unter anderem in München, Würzburg und Nürnberg, sowie in vielen anderen deutschen Städten. Besonders von dem Personalabbau soll aber der Standort in Tappenbeck bei Wolfsburg (Niedersachsen) betroffen sein, auf den allein 600 Stellen entfallen. Dieser Schritt kann unmittelbar mit der Schieflage des VW-Konzerns verknüpft werden, da Bertrandt als Entwicklungsdienstleister für die Automobil- und Flugzeugindustrie zunehmend an einem Mangel an Aufträgen leidet.
| Name | Bertrandt AG |
|---|---|
| Gründung | 1974 in Möglingen, Baden-Württemberg |
| Sitz | Ehningen, Baden-Württemberg |
| Branche | Dienstleister, Autoindustrie, Flugzeugindustrie |
| Mitarbeiter | 14.276 (2023) |
| Umsatz | 1,16 Milliarden Euro (2022/2023) |
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt Bertrandt auf eine konsequente Umsetzung des sogenannten Ergebnisorientierungsprogramms, der eben den Abbau von 800 bis 1.200 Arbeitsplätzen umfasst. Für diese Maßnahme wendet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 115 Millionen Euro auf, was sich folglich auf die Prognose der Jahresbilanz auswirkt. Dennoch blickt Bertrandt eigenen Angaben zufolge positiv in die Zukunft. „Der Markt für Entwicklungsdienstleister bietet Wachstumsperspektiven“, erklärt Markus Ruf, Mitglied des Vorstands Finanzen. „Mit unserer Strategie 2027 stellen wir jetzt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.“
Streit um Schließung von Bertrandt-Standort Nufringen – Einigungsstelle soll Betriebsrat unterstützen
Eine Zukunft soll es für den Standort Nufringen, an dem rund 130 Mitarbeiter Fahrzeuge testen, nicht geben, da dieser vollständig geschlossen werden soll, wie Bertrandt ebenfalls bereits im Oktober angekündigt hatte. „Während 128 Familien vor dem Nichts stehen, gibt die Konzernleitung unumwunden zu, dass alles der Ergebnissicherung untergeordnet wird“, sagte Holger Lung, Betriebsratsvorsitzender des Standorts in einer Mitteilung der IG Metall zu der Protestaktion am 5. Dezember. „Menschen werden hier nur noch als Zahlen behandelt. Dies widerspricht jeder moralischen und sozialen Verantwortung eines Unternehmens, das von seiner Belegschaft lebt.“
Die Gewerkschaft fordert statt einer Schließung des Standorts eine Maßnahme wie Kurzarbeit und gezielte Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter. Diese seien von der Arbeitgeberseite bislang aber abgelehnt worden. Bertrandt hält demnach nicht nur an dem Stellenabbau, der alle Geschäftsbereiche, aber insbesondere den Bereich Digital und Physical Engineering betreffen soll, fest, sondern zum aktuellen Stand auch an der Schließung des Standorts Nufringen. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, soll am 13. Januar aber eine den Betriebsrat unterstützende Einigungsstelle ihre Arbeit aufnehmen. Auch der Autozulieferer ElringKlinger hat jüngst die Schließung eines Standorts angekündigt.
Rubriklistenbild: © Bertrandt AG


