Notwendige Neustrukturierung

Autozulieferer aus Baden-Württemberg will bis zu 1.200 Arbeitsplätze streichen

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Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt hat eine Neustrukturierung angekündigt, die mit dem Abbau von 800 bis 1.200 Arbeitsplätzen in Deutschland einhergeht.

Ehningen - Nachdem die beiden größten Autozulieferer Baden-Württembergs, Bosch und die ZF Friedrichshafen, bereits im Frühjahr massive Sparmaßnahmen angekündigt hatten, muss nun ein weiteres Schwergewicht aus dem Südwesten auf die aktuelle Wirtschaftslage reagieren. Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt mit Sitz in Ehningen (Kreis Böblingen) hat am Montag (30. September) eine Neuaufstellung angekündigt, die mit deutlichen Einschneidungen vor allem im Bereich Digital und Physical Engineering verbunden sein wird.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Bertrandt AG, ursprünglich 1974 in Möglingen (Kreis Ludwigsburg) gegründet, gehört heute mit über 14.000 Mitarbeitern zu den größeren mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen ist auf Entwicklungsdienstleistungen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie spezialisiert und spürt daher die aktuellen Herausforderungen in der Branche. Im Zuge der Umstrukturierung plant das Unternehmen, in Deutschland zwischen 800 und 1.200 Arbeitsplätzen zu streichen. Ein anderer Automobilzulieferer aus Baden-Württemberg plant hingegen, 1.500 Arbeitsplätze zu schaffen, allerdings gibt es dabei einen Haken.

Bertrandt plant Abbau von Arbeitsplätzen – ein deutscher Standort besonders betroffen

Bertrandt hat in seiner Pressemitteilung zur Umstrukturierung die strukturellen Veränderungen im Automobilmarkt als Hauptgrund für die Maßnahmen genannt. Daher muss das Unternehmen aus der Region Stuttgart sowohl sein Portfolio als auch seine Belegschaft an die veränderten Marktbedingungen anpassen und bis zu 1.200 Stellen abbauen. „Der Markt ändert sich momentan in Gänze nachhaltig und rasant“, so Vertriebsvorstand Michael Lücke. „Die fehlenden Kapazitätsabrufe in Deutschland können wir kurz- oder mittelfristig nicht ohne Gegenmaßnahmen kompensieren.“ Der Stellenabbau ist laut Mitteilung in allen Unternehmensbereichen geplant.

Name Bertrandt AG
Gründung 1974 in Möglingen, Baden-Württemberg
Sitz Ehningen, Baden-Württemberg
Branche Dienstleister, Autoindustrie, Flugzeugindustrie
Mitarbeiter 14.276 (2023)
Umsatz 1,16 Milliarden Euro (2022/2023)

Neben dem Hauptsitz in Ehningen hat die Bertrandt AG zahlreiche weitere Standorte in Baden-Württemberg, darunter in Esslingen am Neckar, Karlsruhe und Friedrichshafen. Das Unternehmen ist auch in Bayern vertreten, unter anderem in München, Würzburg und Nürnberg, sowie in vielen anderen deutschen Städten. Besonders betroffen von den Sparmaßnahmen soll jedoch der Bertrandt-Standort in Tappenbeck bei Wolfsburg (Niedersachsen) sein, wo rund 600 Stellen zur Disposition stehen. Im vergangenen Jahr sorgte der VW-Zulieferer Bertrandt für Aufsehen, als die IG Metall von Verhandlungen ausgeschlossen wurde.

Bertrandt AG bezeichnet Abbau von 800 bis 1.200 Arbeitsplätzen als unabdingbar

Die Tatsache, dass der Standort in Tappendeck in Niedersachsen in hohem Maße vom Stellenabbau bei Bertrandt betroffen ist, hängt sicherlich auch mit den Problemen des VW-Konzerns zusammen. Der größte deutsche Automobilhersteller hatte kürzlich einen drastischen Sparkurs angekündigt, auf den die Konzerntochter Porsche und der Konkurrent Mercedes-Benz reagierten. Laut der Pressemitteilung von Bertrandt hat das Unternehmen verschiedene Restrukturierungsszenarien geprüft und Maßnahmen eingeleitet, der Stellenabbau von „800 bis 1.200 Arbeitsplätzen“ ist jedoch unvermeidlich.

Vom Stellenabbau beim schwäbischen Autozulieferer Bertrandt soll der Standort Tappendeck bei Wolfsburg (Niedersachsen) besonders betroffen sein.

Bertrandt hat nach eigenen Angaben bereits einen Teil des Stellenabbaus in den vergangenen Monaten durchgeführt. Ziel der Umstrukturierung ist es, das Unternehmen zukunftssicher und wettbewerbsfähig zu machen. Der Konzern sieht insbesondere in einer internationalen Ausrichtung gute Wachstumschancen. Kürzlich hat auch ein traditionsreicher Maschinenbauer aus Baden-Württemberg einen erheblichen Stellenabbau angekündigt, der ebenfalls direkt mit den Problemen der Automobilindustrie zusammenhängt.

Rubriklistenbild: © Bertrandt AG

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