Angst vor Domino-Effekt

Deutschlandticket gilt bald nicht mehr überall – was Reisende wissen müssen

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Der Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt hat eine Weiterführung des Deutschlandtickets abgelehnt. Das ÖPNV-Abo wird dort bald nicht mehr gelten. Welche Folgen drohen.

Stendal – Deutschlandweit in jeden Bus oder jede Bahn einsteigen, ohne sich Gedanken um Extra-Tickets machen zu müssen. Das ist seit Mai 2023 mit dem Deutschlandticket möglich. Doch dieses allumfassende ÖPNV-Abo wird ab Januar 2024 zumindest etwas eingeschränkt. Der Kreistag von Stendal in Sachsen-Anhalt hatte in der vergangenen Woche einen Beschluss zur Anerkennung des sogenannten „49-Euro-Tickets“ nicht genehmigt. Als Grund wurden die Mehrkosten von 40.000 Euro (für vier Monate) genannt, die der Landkreis selbst hätte bezahlen müssen.

Busse im Kreis Stendal bald nicht mehr mit Deutschlandticket nutzbar

Das Deutschlandticket ist eigentlich bundesweit für alle Busse und Bahnen im Nahverkehr nutzbar, ab 2024 gilt das nicht mehr.

Für Inhaber des Deutschlandtickets hat die Entscheidung zur Folge, dass diese ab 1. Januar 2024 die 41 Buslinien in der Stadt sowie im Landkreis Stendal nicht mehr ohne Aufpreis nutzen können, berichtet der MDR. Züge der Deutschen Bahn und Co. sind von der Entscheidung aber nicht betroffen und können somit weiterhin mit dem 49-Euro-Ticket verwendet werden. Der Antrag zur Weiterfinanzierung des ÖPNV-Abos im Kreis wurde mit Stimmen aus CDU, FDP und ProAltmark mit knapper Mehrheit abgelehnt, teilte das Landratsamt mit.

„Betroffen werden von dieser Entscheidung vor allem die Bewohner des Kreises sein“, sagte Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) zur Entscheidung des Kreistages Stendal. Für alle Menschen außerhalb des Landkreises hat dies vorerst somit keine Folgen. Stattdessen soll das Deutschlandticket im Frühjahr 2024 für Millionen Menschen deutlich günstiger werden.

Folgen auf Stendal weitere Kreise? Pro Bahn und Allianz Pro Schiene mit Appell an Bund und Länder

Diverse Bahnverbände zeigten sich nach der Entscheidung in Stendal besorgt. „Wir müssen unbedingt einen Domino-Effekt verhindern“, sagte dazu Dirk Flege, Geschäftsführer des Verbands Allianz Pro Schiene. „Wir dürfen nicht darauf warten, dass jetzt Landkreis um Landkreis diese Debatte führt und schlimmstenfalls aus dem Deutschlandticket aussteigt.“ Er forderte Bund und Länder auf, dass auch über den Sommer 2024 hinaus Finanzierungssicherheit für die Mehrkosten des ÖPNV-Abos geschaffen werden müssen. Etwas drastischer drückte es Detlef Neuß, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, aus. „Wenn mehrere Kommunen so reagieren wie der Landkreis Stendal, dann wäre das auf jeden Fall der Tod des Deutschlandtickets“, sagte er am Mittwoch (13. Dezember) im MDR-Fernsehen.

Tatsächlich schließt der bayerische Städtetag einen Ausstieg kommunaler Nahverkehrsbetreiber aus dem Deutschlandticket derzeit ebenfalls nicht aus. Der Sprecher des bayerischen Städtetags, Achim Sing, sagte, den Kommunen als Aufgabenträgern des ÖPNV stünden „für das Jahr 2024 unzureichende Bundes- und Landesmittel zur Verfügung“. Es sei „durchaus möglich, dass sich kommunale Aufgabenträger aufgrund einer angespannten Haushaltslage dafür entscheiden müssen, das Deutschlandticket nicht weiter zur Anwendung zu bringen“.

Könnten auch NRW-Kommunen aus dem Deutschlandticket austreten?

Für die Deutschlandticket-Inhaber in NRW gibt es aber vorerst Entwarnung. Das NRW-Verkehrsministerium geht derzeit davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. „Auf Nordrhein-Westfalen bezogen, sind uns ähnliche Vorhaben nicht bekannt“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Bund und Länder hatten sich im Sommer und Herbst lange über die Mehrkosten für das ÖPNV-Abo gestritten, kurzzeitig stand sogar die Weiterführung des Deutschlandtickets auf dem Spiel. (os mit dpa) Täglich informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/imago

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