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Noch kostet das Deutschlandticket 49 Euro, doch es droht eine Preissteigerung. Im Extremfall könnte das Ticket sogar verschwinden. Was bislang bekannt ist.
Köln – Nur wenige Monate nach der Einführung ist die Zukunft des 49-Euro-Tickets mehr als ungewiss. Denn zwischen Bund und Ländern ist ein erneuter Streit um die Finanzierung des Deutschlandtickets entbrannt. Der Bund will zusätzlich anfallende Mehrkosten bald nicht mehr übernehmen, die Länder beklagen, diese nicht allein tragen zu können. Sollte sich die Politik nicht einig werden, dürfte das ÖPNV-Abo bald deutlich teurer zu werden. Im Extremfall verschwindet das Deutschlandticket sogar ganz.
Deutschlandticket: So ist der aktuelle Stand zur Zukunft des Bahn-Abos
► Welche Optionen gibt es zur Fortführung des Deutschlandtickets? NRW-Minister Oliver Krischer nannte drei Szenarien, wie die Länder das ÖPNV-Abo trotz der „Blockadehaltung“ des Bundes bei der Finanzierung der Mehrkosten beibehalten könnten. 1. Eine Preiserhöhung, 2. Länder übernehmen Mehrkosten allein oder 3. Verringerung des Angebotes. Der aktuelle Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz betonte aber die Nachteile aller Optionen. Eine Preissteigerung sei „keine Lösung“, für die Kostenübernahme sehe er „keine politische Akzeptanz unter den Ländern“ und die Reduzierung des Angebots widerspreche „so ziemlich jedem verkehrspolitischen Programm“.
► Was sagt der Bund? Der Bund möchte zukünftig nicht mehr Geld für das Deutschlandticket bereitstellen. Stattdessen forderte Bundesverkehrsminister Volker Wissing die Länder auf, bei den Vertriebskosten im ÖPNV zu sparen. Unter anderem könnte die Zahl der Verkehrsbünde reduziert werden, sagte der FDP-Politiker.
► Wie geht es jetzt weiter? Am Donnerstag (28. September) findet eine digitale Sondersitzung der Verkehrsministerkonferenz der Länder statt. Dort gehe es darum, eine gemeinsame Haltung der Länder abzustimmen und mit dem Bund über die Lage zu sprechen, teilte Oliver Krischer mit. Bundesverkehrsminister Volker Wissing wird daran nicht nur nicht teilnehmen, sondern er lehnt auch neue Gespräche über eine Finanzierung des Deutschlandtickets komplett ab. Finanzfragen seien bis 2025 im Rahmen einer Ministerpräsidentenkonferenz geklärt worden, sagte der FDP-Politiker in der ntv-Sendung Frühstart am Donnerstag. Daran sei auch die Vereinbarung gebunden, erst 2025 wieder über weitere Finanzierung und Struktur des Deutschlandtickets zu sprechen, jetzt habe man aber erst 2023. Laut eigener Aussage halte sich Wissing nur an Vereinbarungen. Nach der Verkehrsministerkonferenz wollen die Länderverkehrsminister mitteilen, wie sie bei dem Thema weiter verfahren möchten.
Hinweis: Stand vom 28. September 2023
Angesichts der verhärteten Fronten hat NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer sogar vor einem kompletten Aus des Deutschlandtickets gewarnt. „Wenn jetzt nicht sehr zeitnah beim Deutschlandticket eine Lösung gefunden wird, dann ist das, was wir alle als das erfolgreichste Ticketmodell in der ÖPNV-Geschichte zu Recht feiern und was wirklich auch ein Riesenfortschritt ist, auch ganz schnell wieder Geschichte“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am 24. September.
Warum droht eine Preiserhöhung des Deutschlandtickets?
Bund und Länder hatten sich beim Deutschlandticket darauf geeinigt, bis 2025 jeweils 1,5 Milliarden Euro zu zahlen. Mögliche Mehrkosten werde bis Ende 2023 zur Hälfte geteilt, danach ist diese „Nachschusspflicht“ aber offen. Sollte der Bund bei seiner Haltung bleiben, muss zumindest ein Teil dieser Kosten ab 2024 anders finanziert werden. Deshalb hatte der NRW-Verkehrsminister zuvor bereits vor einer Preiserhöhung des Deutschlandtickets gewarnt.
Um welche Mehrkosten streiten Bund und Länder?
Zu den genannten Mehrkosten gehören zusätzliche Verlustausfälle der Verkehrsbünde, Marketingmaßnahmen sowie gestiegene Energiepreise und Inflationseffekte. Diese Mehrkosten werden bis Ende 2023 jeweils zur Hälfte ebenfalls von Bund und Länder übernommen. Ab 2024 ist aber bisher unklar, wer sie übernimmt.
Oliver Krischer sprach deswegen von einer schwierigen finanziellen Lage. „Es ist nicht geklärt, ob sich der Bund an allen Kosten beteiligt.“ Die Nachschusspflicht sei aber erforderlich, weil die Nahverkehrsunternehmen eine Basis haben müssten, um zu kalkulieren. „Wir als Länder sind bereit, Mehrkosten hälftig zu zahlen. Vom Bund kommt aber kein klares Signal, sondern im Gegenteil eine Verhärtung“, sagte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Er entnehme Äußerungen Wissings, dass es keinen einzigen Euro mehr geben solle vom Bund. „Dann gehen wir natürlich mit dem Deutschlandticket einer schwierigen Zukunft entgegen.“
Das NRW-Verkehrsministerium hält die Prognose des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro 2024 für realistisch. Die Lösung müsse sein, dass sich Bund und Länder weiterhin hälftig die Mehrkosten teilen, betonte Minister Krischer.
Ab wann könnte das 49-Euro-Ticket teurer werden?
Da die aktuelle Mehrkostenregelung Ende 2023 ausläuft, droht eine Preiserhöhung ab Anfang 2024. Womöglich sogar direkt zum 1. Januar.
Wie teuer könnte das Deutschlandticket werden?
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schätzt, dass der Preis für das Deutschlandticket nach aktuellem Szenario auf 59 Euro im Monat ansteigen würde. Auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hatte diese Zahl zuletzt genannt. Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet sogar, dass der Preis für das Deutschlandticket mittelfristig sogar noch weiter ansteigen könnte. (os mit dpa/AFP) Täglich informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wird laufend aktualisiert.
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