- VonKatharina Bewsschließen
Trotz vergangener Krisen setzt der Chemie- und Pharmakonzern Bayer als erster Dax-Konzern nun auf regulierte Nachhaltigkeit: Aktionäre haben künftig ein Mitspracherecht bei Klimaschutzrichtlinien.
Leverkusen - Ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft für den deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer: Das Unternehmen plant, seine Aktionäre über strengere Klimaschutzrichtlinien abstimmen zu lassen. Dabei haben die Investoren in jährlichen Versammlungen zudem die Möglichkeit, die Klimaschutzbemühungen des Unternehmens zu überprüfen.
Trotz einiger Krisen in den vergangenen Jahren und Sparmaßnahmen durch Stellenabbau ist Bayer der erste Dax-Konzern, der dieses Konzept umsetzt. Diese Initiative wird von den Aktionären positiv aufgenommen, wirft jedoch auch einige Bedenken bei deutschen Unternehmen auf.
Bayer als erster Dax-Konzern mit „Say on Climate“-Initiative: Das sind die Klimapläne des Konzerns
„Say on Climate“ ist eine weltweite Initiative, bei der 2022 insgesamt 48 Unternehmen teilgenommen haben. Ziel ist es, dass Unternehmen spezifische Klimaübergangsziele formulieren, über die Aktionäre abstimmen und in jährlichen Versammlungen ihre Kritik und Anregungen äußern können. Dies soll dazu beitragen, das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Bayer plant, sich dieser Initiative anzuschließen und wird seine Klimapläne auf der kommenden Hauptversammlung im Frühjahr zur Abstimmung stellen. Der Konzern hat bereits ein Klimakonzept veröffentlicht, den „Transition and Transformation Plan“. Darin plant Bayer, die Treibhausgasemissionen bis spätestens 2050 auf null zu reduzieren. Bis 2030 will Bayer die Emissionen in seiner eigenen Lieferkette und den Operationen von 13,8 Milliarden auf 9,9 Milliarden Tonnen senken. Einen dreistelligen Millionenbetrag würde der Konzern dafür ausgeben.
Bayer-Konzept kommt bei Aktionären gut an und hat bereits einige Erfolge
„Im europäischen Ausland haben sich seit 2021 einige große Konzerne den ‚Say on Climate‘-Standards unterworfen, darunter große Energiekonzerne wie Shell und Total Energies, aber auch Konsumgüterhersteller wie Unilever und der Schweizer Baustoffkonzern Holcim“, schreibt die FAZ in einem Bericht. Das Chemieunternehmen Alzchem war dabei das erste deutsche Unternehmen, das 2023 in seiner Hauptversammlung den Aktionären, die Möglichkeit gab, ihre Meinung zu den Klimaplänen zu äußern.
„Das Feedback der Aktionäre ist ein wichtiger Gradmesser für die Unternehmen, um die Klimastrategie kontinuierlich zu verbessern“, sagt Vanda Rothacker, die ESG-Analystin für die Fondsgesellschaft Union Investment, in dem Bericht. Zudem sei „Bayer damit Vorreiter im Dax und kann das Eis bei diesem wichtigen Thema brechen.“ Andere Unternehmen würden das Thema oft noch abblocken, heißt es weiterhin. Bei den Aktionären komme das Konzept jedoch gut an - 98,4 Prozent Zustimmung habe der Klimapfad der Spezialmaschinenbauer Gea auf seiner Hauptversammlung erhalten.
Deutsche Unternehmen sorgen sich um rechtliche Konsequenzen durch Klima-Klagen
Dennoch bereitet vielen Unternehmen vor allem die stärkere Bindung der Aufsichtsräte und die möglichen Risiken von Klimaklagen Sorgen. Aufsichtsräte könnten strengeren Anforderungen unterliegen und detaillierte Berichte zu den Klimazielen liefern müssen, was rechtliche Risiken mit sich bringen kann. Wenn ein Unternehmen seine Klimaziele nicht erreicht, könnte es zu kostspieligen gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen. Zudem kann die Meinung der Aktionäre variieren, und der Fokus auf Klimaschutz könnte unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Auf der Website der „Say on Climate“-Initiative wird jedoch darauf hingewiesen, dass Unternehmen für etwa 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind und nur ein kleiner Prozentsatz von ihnen derzeit über glaubwürdige Pläne zur Emissionsreduktion verfügt. Die Stimmen der Aktionäre sind daher entscheidend, um Unternehmen auf ihre Verantwortung hinzuweisen und sie den Klimazielen näherzubringen.
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