Wohnen

Mietmarkt in der Krise: Nun wünschen sich viele staatliche Regulierung

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Trotz allgemeiner Zufriedenheit mit der Wohnsituation befürchten viele Deutsche steigende Mieten. Eine Mehrheit der Deutschen ruft nach staatlicher Kontrolle der Mieten.

Frankfurt – Ein Großteil der Deutschen lebt in Mietwohnungen und einzelne Faktoren, wie die Lage und der Mietpreis, beeinflussen die Zufriedenheit der Mieter. Für einen genauen Überblick über die Mietlage der Deutschen wurde unter 1019 Bürgern einer repräsentativen Forsa-Umfrage durchgeführt, beauftragt vom RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Zufriedenheit bei Mietern: Eigentümer sind am glücklichsten

Obwohl in den letzten Jahren immer häufiger über Unzufriedenheit auf dem Wohnungsmarkt und steigenden Mietpreisen berichtet wurde, zeigen die Ergebnisse eine überraschende Wende. Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer (90 Prozent) äußerte sich positiv über ihre aktuelle Wohnsituation. Lediglich 9 Prozent äußerten weniger oder gar keine Zufriedenheit.

Zu den neun Prozent gehörten die jüngere Generation und Personen mit niedrigerem Einkommen. Die größte Zufriedenheit zeigt sich jedoch bei denen, die in ihrem eigenen Zuhause leben, insbesondere bei Hausbesitzern in sehr kleinen Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern.

Dorf oder Metropole?

Dem Bericht zufolge würde etwa ein Viertel der Deutschen bevorzugen, in einer kleinen Gemeinde mit weniger als 5000 Einwohnern (26 Prozent) zu leben. 23 Prozent bevorzugen den Lebensmittelpunkt in einer Gemeinde zwischen 5000 und 20.000 Einwohnern und 24 Prozent möchten in einer Mittelstadt mit bis zu 100.000 Einwohnern leben.

13 Prozent träumen von einem Leben in einer Großstadt mit bis zu 500.000 Einwohnern, während weitere 12 Prozent am liebsten in einer Metropole mit mehr als 500.000 Einwohnern wohnen würden.

Besonders zufrieden sind Bewohner einer sehr kleinen Gemeinde. 76 Prozent von ihnen leben gerne in einer solchen Gemeinde mit bis zu 5000 Einwohnern. Doch auch unter den Großstädtern herrscht Zufriedenheit: 55 Prozent gaben an, mit ihrem Leben in der Metropole zufrieden zu sein.

Bei den Befragten aus anderen Ortsklassen lag der Prozentsatz zwischen 41 und 50 Prozent. Diejenigen, die eine andere Größe der Gemeinde als ihre jetzige bevorzugen, würden überwiegend gerne in einer kleineren Gemeinde wohnen, als sie es jetzt tun.

Eine Studie bietet einen Einblick in die Mietverhältnisse der Deutschen. (Symbolbild)

Individuelle Bedürfnisse: 36 Prozent möchten einen Garten und 32 Prozent bevorzugen die Nähe zum Arbeitsort

Die Umfrage vom RND zeigt, dass bei der Wahl einer Wohnung oder eines Wohnorts die Lage für 51 Prozent der Befragten am wichtigsten ist, gefolgt von guten Einkaufsmöglichkeiten und Infrastruktureinrichtungen und Wohnfläche. 36 Prozent legen Wert auf einen Garten, während 32 Prozent die Nähe zum Arbeitsort bevorzugen.

Frauen mit Kindern ist es wichtiger als Männern, dass der Wohnort gute Schulen in der Nähe hat. Frauen achten auch stärker auf Einkaufsmöglichkeiten, Infrastruktur und öffentliche Verkehrsanbindung. Die Nähe zum Arbeitsort ist besonders wichtig für 30- bis 44-Jährige.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen (80 Prozent) ist mit der Infrastruktur in ihrer Wohngegend zufrieden, einschließlich Geschäften und Verkehrsanbindung. Kleinstadt-Bewohner sind weniger zufrieden (20 Prozent), während Befragte in Großstädten und Metropolen am zufriedensten sind.

Deutsche wollen lieber mieten: 74 Prozent der Befragten haben keinen Bedarf an Wohneigentum

Es scheint, dass viele der Befragten ihre Wohnsituation nicht verändern möchten. 74 Prozent haben kein Interesse daran, Wohneigentum zu erwerben, und planen stattdessen weiterhin zur Miete zu wohnen. Lediglich 4 Prozent denken über den Bau eines Hauses nach.

Besonders auffällig ist, dass Personen unter 45 Jahren, Eltern und Menschen mit höherem Einkommen eher den Kauf von Immobilien planen als ältere Menschen und Geringverdiener.

Teures Wohnen: So viel müssen Mieter von ihrem Einkommen abdrücken

Die Miete und andere Wohnkosten nehmen oft den größten Teil des Einkommens in Anspruch. Laut RND geben etwa 31 Prozent der Befragten geben an, zwischen 20 und 30 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für Miete oder Wohnkosten auszugeben. Für etwa 24 Prozent beträgt dieser Anteil weniger als 20 Prozent.

Bei weiteren 20 Prozent der Befragten belaufen sich die Wohnkosten auf 30 bis 40 Prozent ihres Einkommens. Für 10 Prozent sind es 40 bis 50 Prozent und für 5 Prozent sogar mehr als die Hälfte ihres Haushaltsnettoeinkommens, das sie für Wohnzwecke aufwenden müssen.

In NRW sollen die Mieten bei Neuverträgen um vier Prozent gestiegen sein. (Symbolbild)

Der Ruf nach staatlicher Mietbremse: Mieter in Großstädten und Geringverdiener wünschen sich Regulierung

Die Umfrage des RND zeigt einen klaren Bedarf und eine hohe Nachfrage nach staatlicher Regulierung der Mietpreise. Ganze 51 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme für notwendig. Sie befürworten entweder gesetzliche Begrenzungen für Mieterhöhungen oder das Verbot der Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen. Im Gegensatz dazu lehnen 32 Prozent ein staatliches Eingreifen ab, während sich 17 Prozent zu dieser Thematik nicht äußern.

Besonders Personen mit niedrigeren und mittleren Einkommen befürworten eine verstärkte staatliche Regulierung der Mieten im Vergleich zur aktuellen Situation. Diese Zustimmung ist auch unter Mietern in Großstädten deutlich ausgeprägt.

Insbesondere Anhänger der SPD, der Grünen und des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) befürworten eine verstärkte staatliche Regulierung der Mieten. Im Gegensatz dazu lehnen Anhänger der FDP sowie Bewohner kleinerer Gemeinden eine verstärkte staatliche Einmischung überdurchschnittlich häufig ab.

Mangelnde Regulierung: Einladung zu überhöhten Mieten?

Allein im letzten Jahr seien die Mieten auf dem Wohnungsmarkt um durchschnittlich vier Prozent bei neuen Mietverträgen für bestehende Wohnungen angestiegen, berichtet WDR.

Das geht aus einer aktuellen Studie des DGB und des Mieterbunds hervor, die die Wohnungspolitik der Ampel-Koalition als „mangelhaft“ bewertet. Denn laut der Studie fehlen bundesweit 700.000 bezahlbare Mietwohnungen.

Demnach wurde im Koalitionsvertrag der Ampel wurden zwar ein vernünftiges Vorhaben angekündigt, wurde jedoch bisher unzureichend umgesetzt. Insbesondere im Bereich Wohnungsbau sind die angestrebten Ziele von 100.000 öffentlich geförderten Wohnungen nicht mehr erreichbar. Sowohl 2021 als auch 2022 wurden jeweils weniger als 25.000 neue Sozialwohnungen geschaffen.

Obwohl die Ampelregierung kürzlich die Verlängerung der Mietpreisbremse bis 2029 vereinbart hat, könnten die im Koalitionsvertrag festgelegten Maßnahmen dennoch nicht umgesetzt werden.

Werden sich Mietpreise in Deutschland wieder beruhigen?

Ob die Mietpreise wohl wieder sinken werden? 97 Prozent der Befragten sind sich sicher: Mietsenkungen wird es nicht geben. Sie gehen davon aus, dass das Wohnen sogar noch teurer wird.
Es gibt derzeit ausreichend Gründe, um diese Annahme zu stützen. Laut RND sollen in letzter Zeit immer mehr Bauprojekte storniert worden sein, und auch die Anzahl der Baugenehmigungen sei im Jahr 2023 stark gesunken. Somit bleibt der Wohnungsmarkt angespannt.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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