64 Prozent der Deutschen wünschen sich staatlich gedeckelte Mietpreise
VonUlrike Hagen
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Die deutliche Mehrheit der Deutschen wünscht sich staatliche Obergrenzen für Mietpreise. Das ergaben neue Umfragen des Allensbach Institutes.
Allensbach – Explodierende Mieten und überhöhte Nebenkostenabrechnungen – vor allem Großstadt-Mieten werden weiter teurer; eigentlich ist das Umfrageergebnis des neuen „Freiheitsindex 2023“ darum keine große Überraschung. Demnach wünschen sich 64 Prozent der Deutschen vom Staat festgelegte Obergrenzen für Mieten beziehungsweise Mietpreissteigerungen, wie aus dem aktuellen Bericht hervorgeht, den das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) und das Forschungsinstitut Media Tenor erstellt haben.
Häuserblock in Düsseldorf: Nach der Reform der Grundsteuer ist vielen nicht klar, ob sie mehr zahlen müssen. Die Länder nutzen verschiedene Modelle (Symbolbild).
Das Forschungsprojekt, dessen Auswertung IPPEN.MEDIA vorliegt, und das seit 2011 regelmäßig veröffentlicht wird, setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Einer Inhaltsanalyse der führenden Massenmedien, durchgeführt von Media Tenor International, und einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach.
Das sind die teuersten Mietwohnungen in Deutschland
Umfrage zeigt: Mehrheit der Deutschen wünscht sich staatlich gedeckelte Mietpreisen
Die Fragebögen zum Freiheitsindex Deutschland enthalten neben den zur Berechnung des Freiheitsindexes notwendigen Fragen stets auch Fragen zu einem weiteren Themenschwerpunkt, der im Zusammenhang mit dem Thema Freiheit steht.
In diesem Jahr lag der Fokus auf der Einstellung der Bevölkerung zur Marktwirtschaft, auch zu staatlichen Preiskontrollen. Während staatlichen Obergrenzen für Grundnahrungsmitteln schon 46 Prozent zustimmten, waren es bei der Frage nach vom Staat festgelegten Obergrenzen für Mieten beziehungsweise Mietpreissteigerungen satte 64 Prozent.
Deutsche schätzen „ihre“ Soziale Marktwirtschaft – und meinen vor allem Sicherheit und Umverteilung
Die Forscher hatten die Bürger gefragt, in welchen Systemen sie den Eindruck haben, am freiesten seien zu können und wo ihre Bedürfnisse am besten befriedigt werden: Marktwirtschaft, Soziale Marktwirtschaft oder Sozialismus/Kommunismus. Das Rennen machte ganz klar unser aktuelles Wirtschaftssystem, die Soziale Marktwirtschaft, mit 73 Prozent. Die Mehrheit der Bevölkerung scheint dabei aber nicht an Leistung oder Wettbewerb zu denken. Bei vielen stehen Soziales, ein staatliches Sicherheitsnetz und Umverteilung im Fokus.
Der Aussage „Ich fände es gut, wenn der Staat Obergrenzen für Mieten bzw. für Mietsteigerungen festlegen würde“ stimmten 64 Prozent der Befragten zu, dem Satz „Ich glaube, dass es nicht gut wäre, wenn der Staat eine Obergrenze für Mieten bzw. Mietsteigerungen festlegen würde“, nur 16 Prozent.
Vielleicht haben einige der Befragten dabei unser Nachbarland Österreich im Kopf gehabt. Denn das geht diesen Weg. In Wien gehört bis heute jede vierte Wohnung der Stadt, es gibt rund 220.000 Gemeindewohnungen. Zusätzlich circa 200.000 geförderte Wohnungen, die von gemeinnützigen Trägern mithilfe der Wohnbauförderung gebaut und verwaltet werden. Alle 420.000 Objekte haben gedeckelte Mieten und unbefristete Verträge.