Beiträge für Sozialversicherung immer teurer: Wer 2026 am stärksten betroffen ist
VonBjarne Kommnick
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Ob Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Selbstständige – 2026 droht eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge. Eine Gruppe trifft es allerdings am stärksten.
Frankfurt – Die Bundesregierung plant für das Jahr 2026 eine erhebliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung. Nach einem aktuellen Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums müssen sich vor allem Gutverdienerinnen und Gutverdiener auf spürbare Mehrkosten einstellen – aber alle Gruppen sind betroffen. Die geplanten Änderungen werden sowohl Arbeitnehmende als auch Arbeitgebende und Selbstständige treffen.
Die Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung soll von derzeit 66.150 Euro auf 69.750 Euro jährlich angehoben werden, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung in einer Mitteilung berichtet. Das entspricht einem monatlichen Anstieg von 5.512,50 Euro auf 5.812,50 Euro – ein Plus von 300 Euro pro Monat. Für die Renten- und Arbeitslosenversicherung ist eine Erhöhung von 96.600 Euro auf 101.400 Euro jährlich vorgesehen, was monatlich einem Anstieg von 8.050 Euro auf 8.450 Euro entspricht.
Versicherungspflichtgrenze – ab diesem Einkommen ist die private Krankenversicherung möglich
Parallel dazu steigt auch die Versicherungspflichtgrenze, die bestimmt, ab welchem Einkommen ein Wechsel in die private Krankenversicherung möglich ist. Diese wird von 73.800 Euro auf 77.400 Euro jährlich angehoben – das sind monatlich 6.450 Euro statt bisher 6.150 Euro. Dies erschwert den Wechsel in die private Krankenversicherung, da Angestellte künftig deutlich mehr verdienen müssen, um diese Option zu haben.
Die Mehrbelastung variiert je nach Einkommenshöhe erheblich. Gutverdienerinnen und Gutverdiener an der neuen Beitragsbemessungsgrenze müssen mit zusätzlichen monatlichen Kosten von rund 60 Euro rechnen, was einer jährlichen Mehrbelastung von etwa 720 Euro entspricht. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung bedeutet die Grenzanhebung eine zusätzliche Belastung von 405 Euro jährlich – 319 Euro für das Gesundheitssystem und 86 Euro für die Pflegekassen.
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Diese Gruppe trifft die Beitragserhöhungen 2026 am meisten
Besonders stark betroffen sind Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung, die ihre Beiträge vollständig selbst tragen müssen. Auch Arbeitgeber spüren die Auswirkungen, da sie die Hälfte der Sozialabgaben übernehmen und somit mit höheren Personalkosten rechnen müssen. Experten warnen zudem vor einer doppelten Belastung, da parallel zur Anhebung der Bemessungsgrenze auch eine Erhöhung der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung erwartet wird.
Die regelmäßige Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen erfolgt entsprechend der Lohnentwicklung und soll die finanzielle Stabilität der Sozialversicherung gewährleisten. Trotz der Ankündigung der Bundesregierung, die Beitragssätze zur gesetzlichen Krankenversicherung 2026 stabil zu halten, erscheint dies angesichts der prognostizierten Defizite unwahrscheinlich.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken schätzt das Defizit der Krankenkassen allein für 2026 auf 4 Milliarden Euro, hinzu kommen 2 Milliarden Euro Minus in der sozialen Pflegeversicherung, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung berichtet. Diese strukturellen Probleme, verstärkt durch den demografischen Wandel und steigende Gesundheitskosten, machen weitere Beitragserhöhungen in den kommenden Jahren wahrscheinlich.(Quellen: Verband der Privaten Krankenversicherung, Bundesregierung, Bundesarbeitsministerium) (bk)