„Lage dramatischer als angenommen“

Ab Juli: Beiträge für mehrere Krankenkassen steigen – und Experte befürchtet nächste Preis-Erhöhung

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Gleich mehrere Krankenkassen erhöhen im Juli ihren Zusatzbeitrag. Versicherte können jetzt von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

Frankfurt – Millionen Versicherte können derzeit von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Der Grund: Zahlreiche Krankenkassen erhöhen zum 1. Juli ihre Zusatzbeiträge. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die im Jahr 2024 ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro verzeichnete.

Schock für viele Versicherte: Der Zusatzbeitrag bei einigen Krankenkassen steigt.

„Lage ist dramatischer als angenommen“: Mehrere Krankenkassen erhöhen Beiträge

Bereits zu Jahresbeginn hoben viele Kassen ihre Zusatzbeiträge an, darunter die Barmer und die Techniker Krankenkasse. Zum Juli folgt die nächste Welle. „Die Lage der GKV ist dramatischer als ohnehin angenommen“, warnte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in dem Handelsblatt.

Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse

Der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens und wird je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der Zusatzbeitrag wird zusätzlich erhoben. Jede Krankenkasse legt ihren Zusatzbeitrag individuell fest, abhängig von ihrer finanziellen Lage. Eine Liste des GKV-Spitzenverbandes zeigt die Höhe des jeweiligen Zusatzbeitrages. Laut Gesundheitsministerium liegt er durchschnittlich bei 2,5 Prozent.

Sechs weitere Versicherer haben laut Doris Pfeiffer, der Vorsitzenden des GKV-Spitzenverbands, Anträge auf höhere Zusatzbeiträge zum Juli gestellt. Die Verbandschefin betonte Anfang Juni, es sei dringend erforderlich, die „Beitragsspirale“ zu durchbrechen. Welche Kassen jetzt konkret teurer werden, ist zunächst nicht bekannt.

Auch Privatversicherte müssen sich auf höhere Kosten einstellen. Der Verband der Privaten Krankenversicherung verkündete ebenfalls Preisaufschläge. „Zum 1. Juli 2025 müssen die Beiträge im Standardtarif und Basistarif für alle Versicherten erhöht werden“, heißt es auf der Webseite. Grund seien stark angestiegene Leistungsausgaben. Der durchschnittliche Monatsbeitrag klettert dadurch von 400 auf etwa 500 Euro. „Diese Entwicklung betrifft die Privaten Krankenversicherungen ebenso wie die Gesetzlichen Krankenkassen.“

Krankenkassen erhöhen Zusatzbeitrag: Diese Rechte haben Verbraucher

Wer von Beitragserhöhungen betroffen ist, hat die Möglichkeit zum Kassenwechsel. Nach Angaben der Verbraucherzentrale kann die Krankenkasse bis Ende des Monats gekündigt werden, in dem der Zusatzbeitrag steigt. Versicherte müssen sich lediglich bei einer anderen Kasse anmelden. „Die Kündigungs- und Wechselmodalitäten übernimmt nun die neue Krankenkasse.“

Schon bis Mai hatte es acht weitere Beitragsanhebungen gegeben. Laut Rheinischer Post waren davon unter anderem der BKK Verbund Plus, Mhplus und BKK Firmus betroffen. Einen Lichtblick gibt es dennoch: Nach Pfeiffers Angaben werden die Kassen in den kommenden Monaten wieder schwarze Zahlen schreiben. Allerdings nicht, „weil es den Kassen so gut geht“, räumte die GKV-Chefin ein. Die Beitragserhöhungen seien vielmehr „Reparaturkosten“ nach dem politisch verordneten Abbau milliardenschwerer Reserven.

Vor weiteren Preissprüngen sind Verbraucher damit jedoch nicht sicher. „Sollte es weder zu kurz- noch zu langfristigen Maßnahmen kommen, wäre ein weiterer Beitragsanstieg zum Jahreswechsel die Folge“, warnte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Verbands, bei der Rheinischen Post. Manche Krankenkassen bieten aktuell aber noch günstige Tarife. (kas/dpa)

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