Proteste vergeblich

Autozulieferer bestätigt Ende von deutschem Standort - 130 Mitarbeiter betroffen

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Die Proteste gegen die geplante Schließung eines Standortes von Bertrandt haben nicht gereicht. Der Autozulieferer hat das Ende des Werks besiegelt.

Ehningen/Nufringen - Der Automobil-Entwicklungsdienstleister Bertrandt hatte im Oktober angekündigt, im Zuge einer Umstrukturierung bis zu 1.200 Stellen streichen und einen deutschen Standort schließen zu müssen. Das Unternehmen mit Sitz in Ehningen bei Böblingen (Baden-Württemberg) begründete den Schritt mit den gravierenden Veränderungen auf dem Automarkt, die sich seitdem noch zusätzlich verschärft haben. Ende 2024 hatte Bertrandt erklärt, trotz Protesten an dem Stellenabbau festzuhalten, während sich der Streit um die Schließung des Werkes weiter zuspitzte.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Während von dem geplanten Stellenabbau bei dem schwäbischen Mittelständler mehrere deutsche Standorte betroffen sein sollen, ganz besonders der im niedersächsischen Tappenbeck nahe dem VW-Hauptsitz Wolfsburg, soll der Prüfstandort in Nufringen (Baden-Württemberg), an dem rund 130 Mitarbeiter Fahrzeuge testen, vollständig geschlossen werden. Trotz einer eingerichteten Einigungsstelle, die den Betriebsrat bei der Suche nach einer Alternative zur Schließung unterstützen sollte, hält der Autozulieferer an seinen Plänen fest. Auch der Autozulieferer Hella hat die Schließung eines deutschen Standortes besiegelt.

Bertrandt hat laut IG Metall kein Interesse am Erhalt von Standort und Arbeitsplätzen

Gegen die Pläne von Bertrandt hatte es auch am Stammsitz in Ehningen massive Proteste gegeben, die eine Schließung des Werkes Nufringen aber nicht verhindern konnten. Wie Detlef Schwoon von der IG Metall Stuttgart laut der Stuttgarter Zeitung (StZ) erklärte, habe der Dienstleister weder Interesse an der Erhaltung des Standortes noch an den dortigen Arbeitsplätzen gezeigt, obwohl die großen Autobauer Mercedes-Benz und Porsche bereits Fahrzeuge für eine Prüfung in den kommenden Monaten angekündigt hatten. Nun müssen Verhandlungen über einen Sozialplan für die rund 130 Mitarbeiter geführt werden.

Name Bertrandt AG
Gründung 1974 in Möglingen, Baden-Württemberg
Sitz Ehningen, Baden-Württemberg
Branche Dienstleister, Autoindustrie, Flugzeugindustrie
Mitarbeiter 14.276 (2023)
Umsatz 1,157 Milliarden Euro (2023)

Bertrandt hatte die Sparmaßnahmen im vergangenen Jahr öffentlich kommuniziert, sich bislang aber nicht zur besiegelten Schließung des Standortes Nufringen geäußert. Gegenüber der StZ erklärte eine Sprecherin, dass man sich aktuell noch in einem laufenden Prozess befinde und erst eine Stellungnahme abgeben wolle, wenn dieser beendet und die Mitarbeiter informiert seien.

Der Entwicklungsdienstleister Bertrandt hat die Schließung des Fahrerprobungsstandortes Nufringen laut der IG Metall besiegelt.

Standortschließung ist Teil der großen Restrukturierung bei Bertrandt

Die Schließung von Nufringen und der damit einhergehende Stellenabbau sind Teil der im Oktober angekündigten Restrukturierung, die auch andere deutsche Standorte des Unternehmens betreffen soll. Das Unternehmen unterhält Standorte in Städten wie Esslingen, Karlsruhe oder Friedrichshafen (Baden-Württemberg), aber auch in München, Würzburg oder Nürnberg (Bayern). Besonders betroffen sein soll aber eben Tappendeck bei Wolfsburg, wo laut der IG Metall von insgesamt 2.400 Stellen rund 600 gestrichen werden sollen. Zuletzt hatte auch ein Autozulieferer einen Stellenabbau an einem Standort am Bodensee angekündigt.

Rubriklistenbild: © Bertrandt AG

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