Einkommen sinkt

„Boomer-Soli“ für die Rente: Einige Rentner sollen blechen, andere dürfen auf Freibeträge hoffen

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Das DIW schlägt einen „Boomer-Soli“ vor: Reiche sollen für Arme zahlen. Die Forscher haben auch schon eine Idee, wer die Extra-Abgabe entrichten muss.

Frankfurt – Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bringt eine brisante Idee ins Spiel: Ein sogenannter „Boomer-Soli“ könnte das deutsche Rentensystem stabilisieren. Die DIW-Forscher schlagen vor, wohlhabende Rentner über eine Sonderabgabe stärker an der Finanzierung der Rente zu beteiligen und so Ärmeren unter die Arme zu greifen. Der Vorschlag stößt auf heftige Kritik – zumal nicht jedermann davon profitieren würde.

Auch Beamte sollen zur Kasse gebeten werden: So funktioniert der „Boomer-Soli“

Das DIW hat in einer Studie zwei Reformansätze untersucht: die Umverteilung innerhalb der deutschen Rentenversicherung (Rentenprogression) und den „Boomer-Soli“. Im Gegensatz zu Letzterem, betrifft die Rentenprogression nur gesetzlich Versicherte, also Menschen, die in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben. Der „Boomer-Soli“ hingegen erfasst alle Alterseinkünfte – auch betriebliche und private Renten, Pensionen, Versorgungsbezüge sowie das Vermögenseinkommen.

Warum schadet der demografische Wandel dem Rentensystem?

In Deutschland finanziert die arbeitende Generation über den sogenannten Generationenvertrag die Renten der älteren. Doch durch den demografischen Wandel kommen immer mehr Ruheständler auf immer weniger Beitragszahler. Nach Informationen des Demografieportals des Bundes und der Länder stehen schon heute einem Ruheständler nur noch zwei Beitragszahler gegenüber. Das bringt das umlagefinanzierte System an seine Grenzen.

Die Idee ist: Wer im Alter ein hohes Einkommen hat, zum Beispiel durch eine hohe Rente, zahlt einen Extra-Beitrag. Das ließe sich laut den Forschern recht kurzfristig umsetzen. Dieses Geld soll dann nicht in den Bundeshaushalt fließen, sondern ausschließlich zur Finanzierung der Renten genutzt werden. DIW-Steuerexperte Stefan Bach betont in der Mitteilung: Die Abgabe „träfe in erster Linie gut versorgte Ruheständler, denen es nicht allzu weh tut, einen zusätzlichen Beitrag zu leisten.“

Diese Rentner-Gruppe muss mit dem „Boomer-Soli“ draufzahlen

Nach den Vorstellungen des DIW soll der „Boomer-Soli“ also nur das einkommensstärkste Fünftel der Rentnerhaushalte betreffen. Grundlage ist ein Nettoäquivalenzeinkommen von 2750 Euro (Stand 2019), wie eine Sprecherin gegenüber inFranken.de erklärt. Dieses berücksichtigt auch die Haushaltsgröße und ist daher nicht mit dem Haushaltseinkommen gleichzusetzen. Einen Freibetrag von 1000 Euro halten die Experten zudem für sinnvoll. Auf Gehälter werde in der Studie gar kein Soli berechnet, „da Erwerbseinkommen bei der Berechnung explizit nicht belastet werden“, so die DIW-Sprecherin.

Die finanziellen Auswirkungen wären laut DIW unterschiedlich stark. Bei den betroffenen oberen Haushalten würde das Einkommen um drei bis vier Prozent sinken – je nachdem, ob Kapitaleinkünfte für den „Boomer-Soli“ einbezogen werden. Für das untere Fünftel wäre der Effekt deutlich größer: Die Einkommen würden hier laut DIW um zehn bis elf Prozent steigen. „Das würde sich auch in der Armutsrisikoquote niederschlagen, die von gut 18 auf knapp 14 Prozent sänke“, berichten die Forscher.

„Boomer-Soli“ als faire Lösung? „Frage ist, wer diese Lasten trägt“

Laut dem DIW gibt es nur zwei Optionen: Entweder jüngere Menschen in der Gesellschaft werden finanziell stärker belastet, oder ältere Menschen werden mit dem Risiko von zu geringen Renten und Altersarmut konfrontiert. Maximilian Blesch, der an der DIW-Studie beteiligt war, erklärt: „Jetzt schon macht der Rentenzuschuss mit 20 Prozent einen großen Teil des Bundeshaushalts aus, und in Zukunft wird es noch größere Anstrengungen benötigen. Die Frage ist, wer diese Lasten trägt.“

Die Lösung für die Stabilisierung des Rentensystems könnte „Boomer-Soli“ heißen. Doch nicht alle profitieren davon. (Symbolbild)

Der „Boomer-Soli“ wäre Blesch zufolge eine Lösung, bei der alle Generationen mitarbeiten. Denn das Konzept zielt darauf ab, die finanzielle Lage einkommensschwacher Rentnerhaushalte zu verbessern und das Risiko von Altersarmut zu senken, ohne die jüngere Generation direkt zu belasten. Monika Schnitzer, die Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, lobt den Grundgedanken des DIW: „Die Rentenlast der Babyboomer kann nicht allein der immer kleineren Zahl von jungen Beitragszahlern aufgebürdet werden, die Babyboomer-Generation selbst muss einen Beitrag dazu leisten.“

„Boomer-Soli“ sorgt für Wirbel – Sozialverband bringt Gegenvorschlag ein

Kritik kommt unter anderem vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Ökonomen Jochen Pimpertz und Maximilian Stockhausen sprechen von „Ungereimtheiten“ und führen dabei ein Schlupfloch auf: „So wäre es beispielsweise sinnvoll, die betriebliche Altersvorsorge in einer Summe auszahlen zu lassen, statt eine monatliche Betriebsrente zu bekommen. Das Alterseinkommen würde dann nämlich niedriger ausfallen – und damit auch der zu zahlende Boomer-Soli.“

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Auch der Sozialverband VdK erteilt dem „Boomer“-Soli eine klare Absage – und will stattdessen Superreiche zur Kasse bitten. „Statt über einen Renten-Soli zu sprechen, wäre eine gerechte Beteiligung der Superreichen an der Finanzierung des Sozialstaats das Gebot der Stunde“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele der Augsburger Allgemeinen. Der Sozialverband fordert eine stärkere Belastung von Vermögen und Erbschaften, um die Finanzierungslücke zu schließen. (cln/dpa)

Rubriklistenbild: © Zoonar/Imago

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