Bosch-Stellenabbau: Betriebsrat kritisiert Firmenführung scharf

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Der Standort von Bosch im Schießtal von Norden aus gesehen.
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Arbeitnehmervertreter werfen Bosch „Salamitaktik“ vor – „Auch ohne Stellenabbau wäre die Lenkungssparte zukunftsfähig.“

Schwäbisch Gmünd. Rund 3600 Menschen arbeiten derzeit noch in den Bosch-Werken in Schwäbisch Gmünd. Bis zum Jahr 2030 soll deren Zahl auf rund 1500 sinken. Ein Tiefschlag für die Belegschaft. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung bei den Beschäftigten, wie Hüseyin Ekinci, stellvertretender Betriebsratschef und Leiter des Vertrauenskörpers der IG Metall bei Bosch in Schwäbisch Gmünd, erklärt.

„Seit der Info-Veranstaltung am Freitag stehen die Telefone des Betriebsrats nicht mehr still. Die Menschen haben Existenzängste, viele wissen nicht, wie es weitergehen wird“, sagt Ekinci. „Der geplante Abbau ist ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Ekinci erinnert an die bisherigen Abbaupläne. „Der Schock in der Belegschaft sitzt tief – vor allem angesichts der Vorgeschichte: 2017 wurden bereits 760 Stellen gestrichen. 2020 folgte die Ankündigung, bis Ende 2026 weitere 2100 zu streichen – und jetzt diese erneute Hiobsbotschaft.“

2015 hatte Bosch noch 5500 Mitarbeiter in Gmünd

Die Zahl der Beschäftigten sinkt, seit Bosch das einstige Gemeinschaftsunternehmen ZFLS von der ZF komplett übernommen hat. 2015 kaufte der Stuttgarter Konzern den 50-Prozent-Anteil an dem Lenkungshersteller. Damals beschäftigte das Unternehmen in Schwäbisch Gmünd noch 5500 Mitarbeiter. In der Folge übernahm ZF den US-Autozulieferer TRW – und damit auch den Standort in Alfdorf.

Dass nun im Abstand von nur wenigen Jahren in Gmünd immer wieder Stellen abgebaut werden und der Standort weiter schrumpft, erzürnt den Betriebsrat. „Diese Salamitaktik ist für den Standort und für die Stadt Schwäbisch Gmünd eine sehr gefährliche Entwicklung, man schaue sich nur die Abbauzahlen seit 2017 an“, sagt Ekinci.

Sparte schreibt 2024 offenbar schwarze Zahlen

Der stellvertretende Betriebsratschef kann zudem das Ausmaß des Sparplans nicht nachvollziehen. „Auch ohne Stellenabbau wäre die Lenkungssparte zukunftsfähig. Die Beschäftigten haben ihre Hausaufgaben am Standort erledigt und Maßnahmen ergriffen, um das Werk nachhaltig zu sichern und die Kosten zu senken“, sagt Ekinci. Und in der Tat scheinen die Effizienzprogramme zu wirken: Nach Informationen dieser Zeitung schreibt die Lenkungssparte in diesem Jahr schwarze Zahlen, erstmals seit dem Jahr 2018 – trotz der mauen Abrufzahlen in Folge der Krise in der Automobilindustrie.

Die Bosch-Führung argumentiert ihrerseits weiterhin mit der aktuellen Lage im Automobilmarkt. Die Zahl der verkauften Autos stagniert weltweit, in Europa und Deutschland geht sie zurück. „Die Automobilbranche leidet unter erheblichen Überkapazitäten. Wettbewerbs- und Preisdruck haben sich weiter verschärft“, so Bosch in einer Mitteilung. Nur mit der Verlagerung der Produktion der Lenkungen für Nutzfahrzeuge von Gmünd ins ungarische Maklar sei es möglich, beide Unternehmensbereiche wettbewerbsfähig aufzustellen.

Arbeitnehmervertreter organisieren Widerstand

„Wir waren in Gmünd auf einem guten Weg und haben deshalb nicht mit dieser Nachricht gerechnet – und auch nicht mit der Vorgehensweise und der Umgangsart des Arbeitgebers“, kritisiert Ekinci. „Beides hat uns wirklich schockiert. Das Ausmaß des Stellenabbaus ist absolut unverhältnismäßig.“

So geht es jetzt weiter: Intern informieren derzeit Bosch-Führungskräfte die Mitarbeiterteams über das drohende Szenario. Die Arbeitnehmervertreter bereiten sich ihrerseits auf die kommenden Verhandlungen mit Bosch vor: „Die Gespräche werden nun in den kommenden Tagen und Wochen aufgenommen, der Arbeitgeber wird uns über Zahlen, Daten und Fakten informieren“, sagt Ekinci. Tamara Hübner von der IG Metall Schwäbisch Gmünd/Aalen verweist auf die Nachweispflicht des Arbeitgebers.

Gemeinsam wollen Gewerkschaft und Betriebsrat den Arbeitskampf organisieren. Ekinci: „Natürlich werden wir nun mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, den Abwehrkampf gegen das Vorhaben des Arbeitgebers aufnehmen, uns entsprechend organisieren und auch die Kolleginnen und Kollegen mitnehmen.“

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